„Arbeitgebern ist Vernunft abhandengekommen“

Erster Warnstreik seit Jahren beim Automobilzulieferer ZF in Diepholz

Mit starken Worten und Trillerpfeifen: Kundgebung auf dem Diepholzer ZF-Gelände mit (von rechts) IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Martin Bauerschäfer sowie den ZF-Betriebsratsvorsitzenden Eduard Haab (Diepholz) und Wilhelm Kenneweg (Wagenfeld). - Foto: Jansen
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Mit starken Worten und Trillerpfeifen: Kundgebung auf dem Diepholzer ZF-Gelände mit (von rechts) IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Martin Bauerschäfer sowie den ZF-Betriebsratsvorsitzenden Eduard Haab (Diepholz) und Wilhelm Kenneweg (Wagenfeld).

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Gestreikt wurde bei ZF Friedrichshafen lange nicht mehr. Bislang hatte der Automobilzulieferer einen Haustarifvertrag, übernahm stets mit vier Monaten Verzögerung die im Flächentarifvertrag getroffenen Regelungen. Doch das ist seit diesem Jahr anders.

Und daher machten knapp 300 ZF-Mitarbeiter am Freitagvormittag in Diepholz Druck in den laufenden Metall-Tarifverhandlungen und legten für eine Stunde die Arbeit nieder.

An dem Warnstreik auf dem ZF-Gelände an der Siemensstraße nahmen nach Gewerkschafts-Angaben nicht nur etwa 220 Mitarbeiter der beiden Diepholzer Werke Fahrwerktechnik und Schaltungssysteme teil, sondern auch 60 ZF-Beschäftigte des Werkes Wagenfeld, die mit einem Bus angereist waren.

„Das letzte Mal sind wir 1996 mit einem Bus zu einer Demonstration gefahren“, sagte der Wagenfelder ZF-Betriebsratsvorsitzende Wilhelm Kenneweg bei der von der Industriegewerkschaft Metall organisierten Kundgebung vor den Diepholzer ZF-Gebäuden.

Provokation der Arbeitgeber

Auch der Diepholzer ZF-Betriebsratsvorsitzende Eduard Haab hatte in den 17 Jahren seiner Betriebszugehörigkeit keinen Streik bei dem Automobilzulieferer erlebt: „Jetzt ist es aber an der Zeit, ein Signal zu setzen.“

Es sei eine Provokation der Arbeitgeber, nur einen Inflationsausgleich anzubieten und die Mitarbeiter nicht an den Unternehmenserfolgen zu beteiligen, meinte Haab.

Die Industriegewerkschaft Metall fordert sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie neue Regelungen zur Arbeitszeit.

Martin Bauerschäfer, Gewerkschaftsekretär der IG Metall Nienburg-Stadthagen, war Hauptredner während des Warnstreiks in Diepholz. „Ich bin stinksauer, dass es so weit gekommen ist, weil den Arbeitgebern in den Tarifverhandlungen offensichtlich alle Vernunft abhandengekommen ist“, begann er seine Rede: „Nach vielen Jahren wagen wir als IG Metall wieder einen echten Arbeitskampf in der Republik.“

Es gehe um die Machtfrage

Dabei gehe es um mehr als sechs Prozent und die zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit auf 28 Stunden: „Es geht um die Machtfrage! Wer bestimmt über unsere Zeit?!“, sagte Bauerschäfer: „Es geht um die Verantwortung für unsere gesamte Gesellschaft.“

Der Gewerkschaftssekretär bezweifelte, dass bei den Arbeitgebern soziale Verantwortung vorhanden sei, und nannte als Beispiele aktuelle Entwicklungen und angekündigten Arbeitsplatzabbau bei Siemens, bei der Deutschen Bank und im Werk des französischen Konzerns Faurecia in Stadthagen.

Die Kritik der Arbeitgeber, die Gewerkschaftsforderungen seien maßlos, wies Bauerschäfer massiv zurück.

Die Teilnehmer der Kundgebung in Diepholz zollten ihm mit der Nutzung von Trillerpfeifen Beifall und harrten bei winterlichen Temperaturen und leichtem Regen auf dem Platz aus.

Eine Stärkung gab es zum Schluss: belegte Brötchen von der IG Metall.

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