Funktionsträger wehren sich

Nur noch Finanzexperten in Verwaltungsräten?

Diepholz/Syke - Von Anke Seidel. Der eine ist Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Diepholz, der andere Mitglied im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Syke. Aber in einem Punkt sind sich Karl-Heinz Klare und Volker Meyer einig: „Das ist ein Angriff auf bewährte Strukturen!“, kritisieren sie die geplante Reform der Sparkassen-Aufsicht: Die Europäische Zentralbank will nur noch ausgewiesene Finanzexperten in den Verwaltungsräten zulassen. Dagegen wehren sich Meyer und Klare entschieden.

Denn das würde bedeuten, dass der größte Teil der Funktionsträger – viele von ihnen engagierte oder ehemalige Kommunalpolitiker – diese Entscheidungsgremien verlassen müssten. Jeweils zehn Mitglieder haben die Verwaltungsräte der Kreissparkassen Grafschaft Diepholz und Syke. Das berufliche Spektrum reicht vom Landwirt über den Bootsbauer und Lehrer bis zum Finanzbeamten oder zur Apothekerin – vom Floristen über den Bauunternehmer, Garten- und Landschaftsbauer bis zum Polizisten. Alle haben jahrzehntelange berufliche oder unternehmerische Erfahrung. Den Vorsitz in beiden Verwaltunsgsräten hat jeweils der Landrat.

„Ohne Erfahrung und Sachkunde in der Wirtschaft wird niemand in den Verwaltungsrat berufen“, erklären Karl-Heinz Klare und Volker Meyer unisono. Letzterer wehrt sich vehement dagegen, ausschließlich Finanzexperten in diese Gremien zu berufen: „Bei großen Banken haben Konzernmanager und Wirtschaftsprüfer dort gesessen – und diese Banken vor die Wand gefahren.“

Ist es nicht Zeit für einen Zusammenschluss?

In den Verwaltungsräten der Kreissparkassen gehe es auch darum, das Gemeinwohl zu fördern, blickt Meyer – stellvertretender Landrat und gelernter Bankkaufmann – auf das Engagement der Sparkassen in der Region. „Und: Wir gehen hier nicht die ganz großen Risiken ein.“

Die Kreissparkasse Syke hat eine Bilanzsumme von 3,2 Milliarden Euro, 641 Mitarbeiter und 30 Filialen oder Selbstbedienungs-Standorte. Bei der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz liegt die Bilanzsumme bei 1,73 Milliarden Euro. 377 Mitarbeiter und 16 Geschäftsstellen gehören dazu.

Für beide Kreissparkassen ist der Landkreis Diepholz Gewährsträger. Vor diesem und dem Hintergrund der geplanten EZB-Reform sowie einer Fusionswelle bei den Volksbanken stellt sich die Frage: Ist es nicht Zeit für einen Zusammenschluss der beiden Kreissparkassen?

Grundsätzlich würden sie bereits in regionalen Verbünden zusammenarbeiten, um Kosten zu senken, antwortet Volker Meyer. „Wirkliche Einsparungen gäbe es aber nur, wenn man viel Personal reduzieren würde – und das will ja keiner, weil das zu Lasten der Qualität gehen würde.“ Die Sparkassen würden mit unterschiedlichen Strukturen in unterschiedlichen Wirtschafts- und Lebensräumen agieren. „Das hat sich über die Jahrzehnte bewährt“, so Meyer abschließend.

Eine Fusion unter Zwang steht nicht zur Diskussion

Als Aufsichrsratsvorsitzender der Volksbank Diepholz erlebt Karl-Heinz Klare, Vize-Präsident des Niedersächsischen Landtags, gerade die Fusion mit der Volksbank Sulingen. „Ich begrüße das sehr“, sagt er. „Wir können am Markt besser agieren.“

Wie bereits berichtet, plant die Volksbank in Bassum die Verschmelzung mit der Volksbank Delmenhorst-Schierbrok. Allerdings ist fest geplante Fusion zwischen den Volksbanken Aller-Weser, Nienburg und Steyerberg zur neuen Volksbank Niedersachsen Mitte mittlerweile geplatzt.

Wie steht Karl-Heinz Klare zur Zusammenlegung der Kreissparkassen Diepholz und Syke? „Vom Grundsatz her ist eine Sparkasse für einen Landkreis richtig“, so Klare. Das vertrete er schon seit Jahren. „Andererseits sind beide Sparkassen gesund und können sich am Markt sehr gut darstellen.“ Eine Fusion unter Zwang stehe nicht zur Diskussion.

Meyer und Klare wollen die geplante EZB-Reform stoppen. „Es gibt keinen Grund, den teils seit Jahren engagierten Verwaltungsratsmitgliedern die Qualifikation für die Aufsicht abzusprechen“, so Klare und Meyer. Um die Reform zu verhindern, haben sie sich an den CDU-Europaabgeordneten Burkhard Balz gewandt. Er ist Mitglied des zuständigen Wirtschafts- und Währungsausschusses.

Rubriklistenbild: © dpa

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