Prozess nach Schüssen auf Türsteher

Aero-Disco: Angeklagter weist Vorwurf der Tötungsabsicht zurück

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Die Diskothek “Aero“ in Diepholz.

Verden/Diepholz - Von Wiebke Bruns. „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt die Absicht, jemanden zu töten“, sagte am Freitag der Angeklagte in dem Prozess um die Schüsse auf Türsteher der ehemaligen Aero-Disco in Diepholz im Januar 2017. Lediglich Angst habe er den Männern machen wollen. Seit vergangener Woche muss sich der 23-Jährige aus Diepholz wegen versuchten Mordes vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden verantworten.

Der Disco-Besuch sei eine spontane Idee gewesen. Es habe damals nur zehn Minuten zu Fuß entfernt gewohnt, sagte der Angeklagte, der aktuell in Untersuchungshaft sitzt. Von Streit mit der Ehefrau berichtete er. Diese habe sich bei Verwandten einquartiert und er sich an jenem Abend mit Alkohol und Drogen berauscht. Auf der Toilette der Diskothek habe er noch mit jemandem Kokain konsumiert. Den Namen wollte er nicht nennen. Er wolle niemanden belasten. Alkohol sei auch geflossen: reichlich Tequila und Wodka gemixt mit Energydrinks.

Dann kam es zum Rauswurf. Der Angeklagte behauptet, er sei von Türstehern zu Boden gebracht, getreten und beleidigt worden. Dass er angekündigt habe wiederzukommen, könne er nicht erinnern. Laut Anklageschrift soll der 23-Jährige gesagt haben: „Ich komme wieder. Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt.“ Knapp 20 Minuten später sei er bei der Disco vorgefahren und habe mindestens zehn Mal in Richtung der Türsteher geschossen, so der Vorwurf. Der 36 Jahre alte Sicherheitschef wurde von einem Projektil im Oberschenkel getroffen.

In der von einem Verteidiger verlesenen Einlassung wurde darauf hingewiesen, dass die Schüsse nach unten erfolgt seien. Es wäre möglich gewesen, auf den Verletzten zuzugehen und diesen zu töten, so der Hinweis. Doch freiwillig, aus „Reue und Scham“ sei der Angeklagte umgekehrt.

Angeklagter äußert sich, anders als angekündigt, doch

Zunächst hieß es, dass der Angeklagte sich selbst nicht äußern werde. Aber dann beantwortete der 23-Jährige doch viele Nachfragen der Verfahrensbeteiligten. Die Waffe will er auf seiner Flucht aus dem Fenster geworfen haben. Er sei Richtung Cloppenburg gefahren. Dort lebe seine Schwester. Die Waffe soll später jemand entsorgt haben. Wer, das wollte er nicht sagen.

Als erster Zeuge in dem Prozess wurde dann der Sicherheitschef gehört. Er schilderte den Rauswurf. Als der Angeklagte zurückkehrte, habe er sich selbst gerade draußen aufgehalten – wegen eines Streits unter anderen Gästen. „Einer wollte die Polizei haben“, sagte er. Bis zu deren Eintreffen sollte er draußen bei den Streithähnen bleiben.

Dann sei ein Auto gekommen und habe am Seitenstreifen geparkt. „Ich hatte den Angeklagten im Hinterkopf, weil er gesagt hatte, dass er wiederkommt.“ Er habe noch einen Kollegen gebeten, sein Pfefferspray zu holen. Damit habe er versucht, sich zur Wehr zu setzen. „Aus zweieinhalb bis drei Metern hat der Angeklagte auf mich geschossen“, schilderte der 36-Jährige. Er habe noch die Tür schließen können und sei dann getroffen worden. Eine Entschuldigung des Angeklagten nahm er nicht an.

Der Prozess wird entgegen der ursprünglichen Planung erst am 31. Juli fortgesetzt.

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Zu wenig Gäste nach Schießerei: Diepholzer Diskothek „Aero“ schließt

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