Aluminium im Wasser

Sauer über sauren Vorwurf

Bodenproben – Basis für eine umweltverträgliche Landwirtschaft.
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Bodenproben – Basis für eine umweltverträgliche Landwirtschaft.

Landkreis Diepholz – Kreislandwirt Wilken Hartje ist sauer. Dass die Massentierhaltung der Grund für extrem saure Werte in Brunnenwasser sein soll und damit für Aluminium im Grundwasser, ist aus seiner Sicht nicht zutreffend, sondern „absoluter Quatsch“. Hartje wehrt sich gegen diese Aussage der Umweltorganisation VSR Gewässerschutz, die in den vergangenen beiden Jahren insgesamt 322 private Brunnenwasser-Proben ausgewertet hatte.

Wie schon berichtet , waren 180 davon sauer – 86 sogar extrem sauer (pH-Wert unter 5,5) und Basis der Auswertung gewesen: „Bei solch niedrigen Werten lösen sich schädliche Stoffe wie Aluminium im Grundwasser“, so Harald Gülzow vom VSR. Ursache seien die hohen Ammoniakverluste in der Massentierhaltung, die zu einer Versauerung des Grundwassers führen würden.

„Das ist nicht seriös“, sagt Dr. Franz Antony vom Ingenieurdienst Umweltsteuerung Hannover (INGUS), der im Auftrag des Landes Landwirte bei einer umweltverträglichen Bewirtschaftung ihrer Böden unterstützt und berät – so zur Minimierung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. „Man kann gegen die Massentierhaltung sein oder nicht“, so Dr. Antony, „aber für eine extreme Versauerung des Bodens und die Freisetzung von Aluminium ist sie nicht verantwortlich“.

Aluminium werde im Boden erst bei einem pH-Wert unter 4 freigesetzt. Das Ammoniak, das aus der Zersetzung von Exkrementen der Nutztiere entsteht, könne einen solchen geringen Wert nicht auslösen, so Dr. Antony. In der Nutztierhaltung werde zwar Ammoniak freigesetzt, „aber bei Weitem nicht in solchen Mengen, dass es zu einer so starken Versauerung kommt“.

Zurück zu den vom VSR untersuchten Wasserproben: Weder die genauen Standorte noch das Umfeld der Privatbrunnen, aus denen sie stammen, seien bekannt. In Hausgärten zum Beispiel könne Hortensiendünger den Boden stark versauern – nämlich dann, wenn Hobbygärtner sie mit Aluminiumsulfat düngen, um eine blaue Blütenfarbe zu erreichen.

Gegen Versauerung wirkt Kalk. Landwirte setzen ihn regelmäßig ein, bestätigt Dr. Antony, um die Qualität ihrer Böden zu erhalten – also ihrer Bewirtschaftungs- und Existenzgrundlage. Dr. Antony empfiehlt eine solche Kalkung der Böden auch allen Privatgärtnern. Denn eines haben sie mit den Landwirten gemeinsam: So, wie sie ihre Böden behandeln, beeinflussen sie am Ende die Qualität des Grundwassers.

„Aber hier wird Brunnenwasser mit Grundwasser gleichgesetzt“, ärgert sich der Kreislandwirt über die Erhebung des VSR. Wilken Hartje betont: „Das Grundwasser kann nur versauern, wenn der Boden auch schon versauert ist.“ Die Tendenz dazu sei naturgegeben, erklärt er bewusst drastisch: „Der Boden versauert ganz von alleine durch die Bakterienscheiße.“ Waldboden sei besonders sauer. Deshalb hatte es immer wieder Waldkalkungen gegeben – ausgelöst aber auch durch sauren Regen.

„Ein Ackerboden soll nicht versauern“, formuliert Wilken Hartje das Ziel der Landwirte. Sie würden ihre Böden regelmäßig kalken, und zwar in Abständen zwischen drei und sechs Jahren. Einfluss habe auch die Wahl des Düngers. Mineralischer (wie Harnstoff) sei in der Regel recht sauer, organischer (wie Gärreste aus Biogas-Anlagen) neutral. „Gülle ist in der Regel schwachsauer“, so der Kreislandwirt und erklärt, warum die Bodenqualität so wichtig für die Landwirte ist: „Wenn die Böden versauern, verschiebt sich das Nährstoffverhältnis.“ Will heißen: Die Erträge werden schlechter.

Von Anke Seidel

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