Neu in der Alterskameradschaft der Ortsfeuerwehr Diepholz

„Mutter der Kompanie“

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Heide-Anna Friedrichs fühlte sich beim ersten „Foto-Shooting“ inmitten der Gruppe der Alterskameraden der Diepholzer Feuerwehr sichtlich wohl. Schon bald dürfte sie in dieser (noch) reinen Männerrunde die erste Frau sein. Diesen „Schachzug“ fädelte übrigens ihr Schwiegersohn, Stadtbrandmeister Frank Schötz, ein.

Diepholz - Von Reinhold Dufner. „Mutter der Kompanie“ – das ist bei der Bundeswehr der „Spieß“. Korrekt: der Kompanie-Feldwebel. Er ist Vertrauter, Ansprechpartner, Seelsorger und Organisator, das „Mädchen für (fast) alles, die rechte Hand des Kompaniechefs. Ohne ihn läuft gar nichts.

Schon bald könnte auch die Gruppe der Alterskameraden der Ortsfeuerwehr Diepholz – bisher noch eine der letzten reinen Männerdomänen – eine „Mutter der Kompanie“ in Form der (Noch-)Ratsfrau Heide-Anna Friedrichs bekommen. Dieser „Coup“ wurde von ihrem Schwiegersohn eingefädelt – und das ist Stadtbrandmeister Frank Schötz. Was zunächst als Gag aussah, dürfte nun zur Realität werden. „Frauen-Power“ bei den Feuerwehr-Senioren – warum nicht?

Heide-Anna Friedrichs (geb. Spiske) will sich nach mehr als drei Jahrzehnten, von denen sie 28 Jahre dem Stadtrat angehörte, aus der aktiven Politik zurückziehen und könnte sich nun, da sie ja mehr Zeit für andere Dinge habe, mit einer Förder-Mitgliedschaft in der Altersgruppe der Feuerwehr durchaus anfreunden. Das ließ sie jedenfalls in der Jahreshauptversammlung der Diepholzer Wehr durchblicken.

Eine Beitrittserklärung wird die 71-Jährige in den nächsten Tagen unterschreiben. Peter Susebach von der Altersgruppe wird ihr das entsprechende Aufnahmeformular höchst persönlich ins Haus bringen. Das erforderliche Alter – über 60 – hat die angehende Feuerwehr-Frau ja.

„Einer muss ja mal den Anfang machen,“ begründet Heide-Anna Friedrichs ihr Interesse an einem Beitritt. Sie sei erste Frau in der Riege der stellvertretenden Bürgermeister von Diepholz gewesen. Und auch eine Frau an der Spitze einer Stadtratsfraktion hatte es vor ihr auch noch nicht gegeben. Und nun beginnt mit Heide-Anna Friedrichs eine neue Ära in der Altersgruppe der Feuerwehr. Sie hoffe, dass ihr – Stichwort: Gleichberechtigung – weitere Frauen dorthin folgen werden.

Und was sagen die Herren der Schöpfung dazu? Nun, sie scheinen nicht abgeneigt zu sein. Spaß werden sie allemal mit Heide-Anna Friedrichs haben, denn sie ist kein Kind von Traurigkeit – und nicht nur deshalb eine Bereicherung für die von Heinz-Otmar Mackenstedt geleitete Altersgruppe, die zur Zeit 16 Kameraden von 60 bis 86 Jahren zählt.

Zu den Aufgaben der Gruppe gehören die Überprüfung der zwölf Feuerlöschbrunnen, die im Einsatzbereich der Ortsfeuerwehr Diepholz liegen, sowie die Verteilung der Broschüre „Brandaktuell“ im Diepholzer Bruch.

Natürlich werden bei den „Oldies“ auch Geselligkeit und Kameradschaft ganz groß geschrieben. Und dass sie sich gerne im „Haus der Feuerwehr“ aufhalten, liege auch – gestand Heinz-Otmar Mackenstedt – an den jungen Damen, „die uns so hervorragend betreuen.“

Zu der alljährlichen Boßeltour mit abschließender Kaffetafel werden auch die Ehefrauen sowie Witwen verstorbener Kameraden eingeladen. Weitere Programmpunkt sind das Weihnachtskegeln mit Frühstück, der Besuch der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Wehrbleck sowie der eigenen Jugendfeuerwehr im Kreiszeltlager. Sie sind auch gern gesehene Gäste bei der Firma Heinz Meyer Feuerwehrbedarf in Rehden, wo es immer was Neues zu hören und sehen gibt.

„Auf Euch kann man sich verlassen,“ lobte jüngst Ortsbrandmeister Rolf Gatzemeier die „Oldies“, die die Wehr bei jeder Veranstaltung durch ihre Präsenz unterstützen. Heide-Anna Friedrichs kann sich auf muntere, unternehmungslustige Feuerwehr-Kameraden freuen, die sich gerne an Ereignisse – lustige wie ernste – aus ihrer aktiven Zeit erinnern und noch lange nicht zum alten Eisen gehören wollen. Schon beim ersten gemeinsamen Gruppenfoto wurde deutlich, dass sich die im Sudetenland geborene frühere Verwaltungsangestellte, deren Wirken in Diepholz unter anderem in der Kommunalpolitik und im Sport vor zwei Jahren mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes von höchster Stelle gewürdigt wurde, in diesem Kreis sichtlich wohlfühlt. Und auch die Männer empfanden sie keineswegs als Fremdkörper. „Die Chemie zwischen uns stimmt!“, war zu hören.

Übrigens, der Vater von Heide-Anna Friedrichs, Ernst Spiske, war bei der Bundeswehr in Barnstorf/Eydelstedt auch Kompanie-Feldwebel, also „Mutter der Kompanie“.

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