Dr. Marco Ritter schreibt theologische Bücher

Kraft durch die Bibel für das Leben mit Muskelschwund

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Durch die Krankheit ALS gelähmt: Dr. Marco Ritter hielt beim christlichen Männerbrunch in Heede den Vortrag „Leben ALS wär‘s der letzte Tag?“.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Er kann nur noch seinen Kopf bewegen, seine Augen und ein wenig seine Zeigefinger. Ansonsten ist sein Körper gelähmt. Die Muskelschwundkrankheit ALS hat den Zahnarzt Dr. Marco Ritter in den Rollstuhl gezwungen. 24 Stunden am Tag muss der 45-Jährige betreut werden. Aber der in Heede lebende Ritter blickt trotzdem mit klarem Geist nach vorn.

Der Glaube gibt ihm Kraft. So viel Kraft, dass er noch theologische Bücher schreibt und jetzt das 400 Seiten starke Werk „Bibeltexte aufschließen und anwenden“ beendet hat. Mit diesem Buch, das in Kürze veröffentlicht wird, strebt der Zahnmediziner eine Habilitation in evangelischer Theologie an der Universität Marburg an.

Dr. Marco Ritter ist seit 2015 Gemeindereferent der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Diepholz – Baptisten – in Heede. In dieser Funktion veranstaltete er am Samstag wieder den Männerbrunch im Heeder Hotel „Zum Jagdhorn“ (Babilon) und freute sich über mehr als 40 Teilnehmer. Zum Programm gehörte nicht nur der Auftritt des „Männerchor-Sextett Lemgo“ mit christlichen Liedern, sondern auch der Vortrag von Dr. Marco Ritter, für den er den Titel „Leben ALS wär‘s der letzte Tag?“ gewählt hatte.

„Ich will noch etwas machen aus meinem Leben“

Der 45-Jährige weiß, dass angesichts seiner seltenen, unheilbaren Stoffwechselkrankheit, deren Ursachen unbekannt sind, seine Zeit begrenzt ist. Er hat sich ein Zitat aus dem Film „Der Hauptmann von Köpenick“ als Motto gewählt: „Ich will noch etwas machen aus meinem Leben.“

Marco Ritter wurde 1972 in Kassel geboren. Am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Erlangen promovierte er 2006 mit der höchsten Auszeichnung summa cum laude. Im Jahr 2010 beendete er seine Laufbahn als Sanitätsoffizier in der Marine, bei der er auch im Sanitätsdienst auf dem Fliegerhorst Diepholz tätig war. 

Diagnose ALS: „Persönlicher Totalschaden“

Er eröffnet seine eigene Zahnarztpraxis in Rehden. Durch den Ausbruch der Krankheit ALS (Amyotrophe Lateral-Sklerose), die seine Muskeln verkümmern lässt, wurde er berufsunfähig und musste 2016 seine Tätigkeit als Zahnarzt aufgeben.

Ritter wurde Gemeindereferent im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, Gasthörer für katholische Theologie an der Universität Vechta, Teilnehmer am Hebräischen Kolloquium der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg und hält Vorträge rund um das Thema „Bibel“.

Durch die Diagnose ALS und die ersten körperlichen Einschränkungen musste Ritter realisieren, dass er alles bisher erreichte verloren hatte: „Frau weg, Firma weg, Gesundheit weg – persönlicher Totalschaden“, bringt er es auf den Punkt.

„Nur nach vorne schauen!“

Ritter schaffte es, sich „von seiner gesunden Vergangenheit zu lösen“ – und ausschließlich in die Zukunft zu sehen. Dabei hilft ihm die Bibel, hier besonders ein Brief des Paulus, der dazu mahnt, nach vorn zu blicken.

Ritter rät seinen Zuhörern beim Männerbrunch, sich auf eine Sache zu konzentrieren: „Multitasking ist Bullshit!“, meint er: „Nur nach vorne schauen! Und sich nicht verzetteln!“

Dr. Marco Ritter verzettelt sich nicht, er konzentriert sich auf die Bibel, schreibt Bücher, Vorträge und Aufsätze. Schreiben ist dabei nicht der richtige Ausruck, das kann der 45-Jährige im klassischen Sinn nicht mehr. Er nutzt ein Computerprogramm, das seine Sprache erkennt und in Schrift umsetzt. Korrekturen kann er noch vornehmen: Er schafft es so gerade noch, eine Computermaus zu bedienen.

Nächstes Projekt: Luther-Bibel ergänzen

Beim Telefonieren hilft ihm ebenfalls moderne Computertechnik. Er steuert das Telefon mit seinen Augen, ein Tablet mit Infrarot-Sensoren, die auf seine Pupillen gerichtet sind, macht das möglich. So kann er trotz seiner großen Einschränkung weiter arbeiten. „Langeweile habe ich nicht“, sagt Ritter und betont: „Der Anker meiner Seele ist die Bibel, ist Gottes Wort.“

Die Bibel ist daher auch Thema seines nächsten Vorhabens: „Luther-Bibel 2022“. Dabei will Ritter den Text der Luther-Bibel von 1545 / 1912 unangetastet lassen. „Über einen einfachen Fußnotenapparat im fließenden Text werden Ausdrücke und Wendungen, die heute missverständlich oder unbekannt sind, durch bedeutungsgleiche und klangreiche Begriffe erklärt“, so Ritter. Die Revision der Luther-Bibel aus den Jahren 1984 und 2017 hätten seiner Meinung nach ihren Satzbau und Wortschatz, ihre Musikalität und Sprachkraft nachhaltig beschädigt und umfassend zerstört. Das will Dr. Marco Ritter korrigieren.

www.luther2022.de

www.marcoritter.de

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