Deefholter Döntkenspälers brillieren

„Als in Diepholz die Piraten einfielen…“

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Georg Türke (links) machte gleich zu Beginn der Aufführung klar: „Dieser junge Mann neben Sonja wird mich in Zukunft vertreten“. Der junge Mann ist Dr. Thomas Schupp, daneben seine Mitspielerin Sonja Kaczmarzik.

Diepholz - Von Simone Brauns-Bömermann. Die Deefholter Döntkenspälers trauen sich wirklich an viele Schauspielvarianten: Klamauk, turbulent, rasantes Spiel, Ehedramen, Dreiecksbeziehungen, die Tücken der Technik. Am Samstagabend begeisterten die Diepholzer Laienspieler rund 120 Besucher im Theater der Stadt Diepholz. Gestern Nachmittag zur zweiten Aufführung des neuen Programms kamen 260 Freunde der Diepholzer Laienspieler.

Die Ausrede „Ich versteh´ ja kein Platt“ galt nicht, denn die acht Sketche waren teils in Platt-, teils in Hochdeutsch.

Zur Klärung der Personalien traten Georg Türke und Sonja Kaczmarzik an: „Das schlimmste für mich ist, dass ich die feurigen Liebhaber nicht mehr so easy spielen kann“, bereitete Türke seine Frühpensionierung vor. „In Zukunft wird mich der Pavarotti im Schlossgebiet vertreten“, meinte damit Dr. Thomas Schupp. „Aber ich halte es wie Trude Herr „Niemand geht so ganz“. Türke schaute amüsiert auf 29 Jahre Deefholter Döntkenspälers, 600 Aufführungen bei rund 1 200 gespielten Sketchen.

Er forderte schnell einen kräftigen Applaus für Newcomer und „Lampenfiebist“ Ingo Freitag ein, bevor das lustige, niveauvolle Spiel mit den kleinen Spitzen an die Grafen- und Beamtenstadt Diepholz begann.

Zu den acht Sketchen, eigentlich waren laut Programmheft sieben geplant, kam „Der Sicherheitsfanatiker“ (mit Maria und Thomas Schupp) von Mitspielerin Ute Ardelt geschrieben, hinzu. Ein Freilichtbühnenreifer Prolog hieß „Als in Diepholz die Piraten einfielen…“, mit Freibeuterromantik, Säbel-Duell und folgendem Kleinstadtfrust über Jahrhunderte.

Turbulent ging es nicht nur beim Sketch „Die Verkehrskontrolle“ der Deefholter Döntkenspälers zu.

Einstand für Thomas Schupp als Nachtwächter und Erzähler der Deefholt-Mähr: „Als der Dümmer noch zur Nordsee gehörte und die Hansestadt Diepholz an der Hunte lag und in Diepholz nur noch Frauen lebten…“.

Das Piratenschiff legt an und will umdrehen: „Hier ist tote Hose“, konstatiert Pirat Udo Karduck überlegt und meint: „Hier bringen wir leben rein“.

Wieviel Leben die Deefholter Döntkenspälers bereit sind, nach Diepholz zu bringen, zeigte ihr Engagement, das Spiel und die Freude am Spiel. Umso trauriger, dass nur 120 Besucher am Samstagabend den Weg ins Theater fanden.

Das Konzept ist gut, wenn hinter dem samtenen Vorhang umgebaut wird für den nächsten Sketch, spielt vor dem Vorhang der Zwischensketch. So der mit der nächsten Spitze gegen Diepholz Entwicklung „Das Geschenk“ mit Beatrix Warnecke, die nach einigen Jahren Pause, wieder zum Spiel antrat, und Maria Schupp. Er zeigt eine Deefholter Bushaltestelle, die angeblich an der Linie nach Vechta liegt: „Hier fahren doch nur noch Schulbusse“ lernt Beatrix, die so gerne zum Bummeln und Einkaufen nach Vechta möchte.

Die Deefholter Döntkenspälers scheinen auch im Umbruch zwischen Schenkelklopfer-Theater und Comedy mit Anspruch. Wunderbar, wie sie die Mischung auf die Bühne brachten. Zum „Totlachen“ sind „Die Verkehrskontrolle“ mit einem Udo Karduck als Art „Atsche“ und Gina Konrad seine punkige Frau in Scheidung. Das gewünschte Rollenspiel der Fahrlehrerin (Ute Ardelt) wird so realitätsnah, dass sie kurzfristig in die Psychiatrie geht.

Gaby Halfpap beweist Besonnenheit

Gaby Halfpap ist die besonnene Deefholterin, die in „Nich gliecks de Nerven verlieren“, eben diese beweist. Und noch mehr: Finesse und Weitsicht. Mit einer List schlägt sie die Geliebte des Mannes ihrer Freundin in die Flucht.

Über die Stränge dürfen Frank Hahn und Udo Karduck in „Die Uhrtietwette“ schlagen – Alkohol bis zum Abwinken, Akrobatik bei Promille und mal richtig „die Sau raus lassen“ lässt die Zuschauer amüsiert grölen.

Zwangsläufig, wenn ein Dr. rer. nat. vorm Vorhang steht, wird gerechnet: Thomas Schupp erklärt die 15 Euro Bearbeitungsgebühr bei Ausfall eines Zuges und Rückgabe der Fahrkarte.

Wohl gewählt war der erste Auftritt in tragender Rolle von Ingo Freitag im letzten Sketch: „Die Thermofliz-Verführung“. Er ist der lila, schwule Herr Struller, Agent von Stripper Thomas Schupp, für das um die zwei Maler erweiterte Damenkränzchen.

Die junge Schauspielerin Pia Konrad ist in unterschiedlichen Szenen zu sehen. Und Aaron, der jüngste Spieler trickst den Vater im Sketch „Mutig“ so richtig mit dem Smartphone aus.

Ein großes Lob an Susanne König für Ausstattung und Requisite, an Sonja und Miriam Kaczmarzik (auch fechtende Piratin und Abschlussmoderatorin) und Barbara Rohlfs am Vorhang. Das Spielteam ehrte Udo Karduck zudem für für 20 Jahre Treue.

Christoph Wedler zeichnete für Technik und Licht bei der Deefholter Bühne.

Ein Wermutstropfen: Am Samstag wurde im Theater kein Gesicht der Diepholzer Stadtväter entdeckt und kein Hinweis des Diepholzer Ensembles zur Belegung im Theater auf der Internetseite der Stadt gefunden.

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