Traditionsreiche Diepholzer Schöma im Sanierungsprozess

Lokomotiven-Hersteller auf dem Prüfstand

Eine alte Lokomotive an der Firmeneinfahrt der Schöma.
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Altes Erinnerungsstück an der Firmeneinfahrt: Die Schöma in Diepholz an der Hindenburgstraße baut heute hochmoderne Lokomotiven. Derzeit ist das traditionsreiche Unternehmen in einem Sanierungsprozess.

Diepholz – Zwei orangefarbene, 28 Tonnen schwere Dieselloks warten auf den Transport in die Schweiz. Harald Runge checkt als „Inbetriebnehmer“ die Schienenfahrzeuge noch einmal durch. Sie werden bei der Sanierung der Furka-Eisenbahntunnel eingesetzt. In der Produktionshalle stehen noch zwei kleinere Tunnelbau-Elektroloks, die nach Neuseeland gehen. Es läuft bei der Schöma (Christoph Schöttler Maschinenfabrik GmbH). Aber vieles läuft jetzt anders bei dem traditionsreichen Diepholzer Lokomotiven-Hersteller, denn das 1930 gegründete Unternehmen steckt mitten in einem Sanierungsprozess.

1,5 Millionen Euro Verlust machte die Schöma im Jahr 2019, geht aus der Veröffentlichung im Bundesanzeiger hervor. Ein Grund waren laut Geschäftsführer Christoph Schöttler Verzögerungen bei verschiedenen Bauprojekten in aller Welt, auf denen Spezial-Lokomotiven aus Diepholz eingesetzt werden sollten. Aber auch innerbetrieblich war nach den 90 Jahren des Bestehens nicht mehr alles auf dem aktuellen Stand von Produktion und Organisation. Die Geschäftsführung holte sich Unterstützung von außen und engagierte nach einem Auswahlprozess Wolfgang Zang als Generalbevollmächtigten.

Der Manager aus dem Raum Karlsruhe mit viel Erfahrung als Firmensanierer machte sich vor knapp einem Jahr daran, ein von einer Wirtschaftsberatungsgesellschaft erarbeitetes Zukunftskonzept mit 40 Punkten und positiver Fortführungsprognose umzusetzen.

Warten auf den Transport in die Schweiz: Zwei Dieselloks auf dem Hof der Schöma werden von „Inbetriebnehmer“ Harald Runge gecheckt.

Drei Jahre soll die Sanierung der Schöma dauern – und klappt nach Aussagen Zangs besser als geplant. Schon in diesem Jahr werde der „Turnaround“ erreicht, geht es also wieder aufwärts.

Mitarbeiter mussten Beitrag leisten

Den Sanierungsprozess unterstützte laut Zang nicht nur die Hausbank Kreissparkasse mit außergewöhnlich hohem Engagement, sondern dazu haben auch die bisher 150 meist sehr langjährigen Mitarbeiter ihren Beitrag geleistet. Mit Betriebsrat und IG Metall verhandelte die Geschäftsführung einen Sanierungstarifvertrag. Weihnachtsgeld und andere Sonderzahlungen gab es 2020 nicht. Auch Führungskräfte und Geschäftsleitung verzichteten auf einen Teil ihrer Einkünfte.

Die Verringerung der Belegschaft ist laut Wolfgang Zang „ohne betriebsbedingte Kündigungen und zu 80 Prozent sozialverträglich“ vonstattengegangen. Dabei kam der Geschäftsführung die Altersstruktur des Schöma-Personals zu Gute: Viele wählten die Rente oder eine Überbrückung in den Ruhestand. Andererseits wurden Zeitverträge nicht verlängert und Auszubildende nicht übernommen. Wie viele der früher 150 Schöma-Mitarbeiter letztendlich gegangen sind, wollten Wolfgang Zang und Christoph Schöttler nicht sagen: „Personal ist nur einer der 40 Punkte im Konzept.“

Mit diesem von Gutachtern erstellten Konzept soll die Schöma zukunftsfähig gemacht werden. Dazu kamen Rentabilität, Abläufe und Produkte auf den Prüfstand. Neben den Tunnellokomotiven, mit denen die Diepholzer Schöma weltweit Marktführer ist, soll der Bereich Spezial-Schienenfahrzeuge ausgebaut werden. So arbeitet die Schöma schon mit dem Schienenfräsmaschinen-Hersteller Schweerbau aus Stadthagen zusammen. Auch hinsichtlich der Lokomotiven-Antriebe stellt sich das Unternehmen für die Zukunft auf – im Bereich Elektro und Wasserstoff.

„Es wurden ein Leitbild und eine Vision entwickelt“, sagte Wolfgang Zang im Gespräch mit unserer Zeitung, „und eine Strategie bis zum Jahr 2030.“

Neben der Produktion von etwa 80 Lokomotiven, die die Schöma durchschnittlich pro Jahr baut, hatte das Unternehmen ab 2016 eine Agrar-Sparte aufgebaut, um Mitarbeiter zur Arbeitsplatzsicherung dort einsetzen zu können, wenn es in der branchenüblich stets sehr unterschiedlichen Lokomotiven-Auftragslage zeitweise freie Arbeitskapazitäten gibt. Von dieser Sparte hat sich die Schöma jetzt getrennt.

Von der Agrar-Sparte getrennt

Carsten Brendler hat sich mit der Agrartechnik selbstständig gemacht und baut die großen Güllefahrzeuge nun in Aschen mit drei Mitarbeitern in einer gemieteten Halle. Aus der Geschäftsführung der Schöma ist der 50-Jährige Mitte Januar ausgeschieden, er bleibt aber Gesellschafter. Für seine neue eigene Gesellschaft hat Brendler den Namen „Schöma Agrartechnik“ beibehalten. 15 der Groß-Fahrzeuge hatte dieses Unternehmen nach eigenen Angaben pro Jahr gebaut und sich damit schon einen gewissen Namen gemacht, den Carsten Brendler nicht verlieren wollte.

Wie lange Wolfgang Zang noch in Diepholz Generalbevollmächtigter der Schöma bleibt, steht derzeit noch nicht fest. Für das traditionsreiche Unternehmen sieht der Sanierer eine positive Zukunft: „Die Schöma hat unglaublich große Perspektiven.“

Der Schöma-Betriebsrat wollte zu der Sanierung des Unternehmens keine Stellungnahme abgeben.

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