Fulminante Rhythm & Blues Show im Diepholzer Theater

Alles anders als erwartet

Großmutter Blues‘ Erleuchtung: Jake und Elwood wissen nun, wir sind im Auftrag des Herrn, des Blues, unterwegs. - Foto: Brauns-Bömermann

Diepholz - Die Brüder Jake und Elwood Blues sind seit Anfang der Achtziger Jahre bekannterweise „Unterwegs im Auftrag des Herrn“ jedenfalls im Film „Blues Brothers“ von John Landis. Im Diepholzer Theater feierte ein Publikum mit über 400 Besuchern, teils authentisch in Schwarz-Weiß wie die legendären Brüder gekleidet, eine Rhythm & Blues Show, die im Auftrag des Blues unterwegs war, genauer gesagt im Auftrag von Großmutter Blues.

Das Theater für Niedersachsen aus Hildesheim war im zweiten Anlauf, da der ursprüngliche Termin aufgrund von Krankheit abgesagt war, nach Diepholz gekommen und siegte. Unter freier Verwendung des gleichnamigen Films war für die Bühne ein musikalisch, szenischer Leckerbissen entstanden unter der Leitung von Andreas Unsicker (musikalische Leitung) und Christof Wahlefeld (Dramaturgie). Für die Inszenierung zeichnete Katja Buhl verantwortlich.

Wer mit den Vorstellungen aus dem Filmklassiker im Hinterkopf kam, hatte ein klitzekleines Anfangsproblem, wer wegen des Blues, der Musik kam und offen war für Neues, wurde reich belohnt. Und irgendwie war alles anders, als sonst im Theater: Schön anders. Die Blues Brothers Band saß in der Pausenhalle der BBZ und spielte dort den Blues. Elwood Blues (Judith Bloch) war nicht der Bruder, sondern die Blues-Schwester, Jake Blues (Alexander Prosek) machte dem Idol aus dem Film John Belushi alle Ehre. In Statur und Stimme, Spiel und Tanz.

„Sie erleben jetzt die fabelhaften Blues Brothers in 3D“ startete die wilde Fahrt durch die bekannten und unbekannten Filmszenen. Rollatoren als Chassis für das legendäre Blues-Mobil und Carrie Fishers Pink Cadillac. Melkschemel an den Pos der Cowboys und –Girls in „Bob´s Country Bunker“. Eine afroamerikanische Blues-Großmutter mit einem Riesenkleid und zig Köpfen wie Medusa Zöpfe hat – das war groovy.

Ganz aktuell der Einschub einer Blues-Brothers Audition zur Findung eines Background-Chores mit skurrilen Vorsängern. Die wohl verrücktesten: Die als Nerds angetrabten und als Beach Boys entkleideten Strandsänger, die sich zum Song „I Get Around“ zu Wischmöppen casten lassen.

Carrie Fisher, die mysteriöse Attentäterin und sitzengelassene Braut von Jake, hantiert mit den unterschiedlichsten Waffen von Pfeil und Bogen, Handgranaten, Raketenwerfern herum, um sich an Jake zu rächen, aber verfehlt ihr Ziel regelmäßig. Als sie jedoch unter dem Mantel einen pinkfarbenen Sprengstoffgürtel zeigt, wird es still und die Brille von Jake fällt als Schlüsselszene auch auf der Bühne.

In der Pause sammelt die als Heilsarmee-Band verkleidete vierköpfige Crew mit Klingeldose und Hüten für Flüchtlinge in Hildesheim. Toller Einschub von den „abgespielten“ Heilsmusikern und Sängerin in einer Art Pfadfinder-Uniform: Jan Delays Song „Kommando Bauchladen“ aus dem Album „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“, herbe Kritik an skrupellosen Marktführern bei Kleidung und Lebensmitteln zu schnellen Beats.

Wie es sich für Theater gehört, werden die Grenzen der Albernheit getestet und auf Tiefgründigkeit gesetzt: Ausgerechnet Rosinante (wie Don Quijotes) heißt das Steckenpferd des Sheriffs, der Elwoods Führerschein einziehen will. Und noch etwas ist tiefer als der Actionfilm interpretiert: Die Geschichte beginnt mit dem Richterspruch für Jake, dem geborenen Sünder, weil er Blues liebt, bevor er in den Knast wandert. Denn der Blues macht dem Staat Angst, der harte und gerechte Blues, wie eine geballte Faust. Denn von den 1920ern bis in die 1970er Jahre galt er in den USA als die Musik des Teufels. Standing Ovations für Bruder und Schwester in Schwarz-Weiß, das geniale Ballett, die Band vor der Tür und die Show. Der Blues kann bestimmt wiederkommen, denn zu besingende Probleme in der Gesellschaft werden sich nicht rarmachen in Zukunft. - sbb

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