Alle drei Königsthrone „weiblich besetzt“ / Duo aus der Holledau begeistert

Schützenverein Drebber: Männer treffen nicht mehr

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Im Hofstaat bei den Kindern hat sich nicht viel verändert. Stellvertretender Jugendwart Marco Steinbring freut sich über den tollen Nachwuchs. Und wo gibt es denn noch ein schöneres Lächeln als bei der neuen Kinderkönigin Julia Marie Titjung.

Mariendrebber - Von Reinhold Dufner. Riesenblamage für die Herren der Schöpfung! „Lasst ihr euch nun alles aus der Hand nehmen?“ fragte ein nicht genannt wollendes, sehr besorgtes Ehrenmitglied angesichts der Verschiebung der Macht-Verhältnisse in „seinem“ Schützenverein Drebber von 1900.

Karl Heßlau, Friedrich Dönselmann, Gustav Schröder, Heinrich Schilling – und noch ein paar Schützen mehr, die sich bei einem gemütlichen Beisammensein in der Gastwirtschaft Hermann Pohlander zur Gründung des Vereins im Jahr 1900 versammelt hatten, würden sich womöglich heute im Grabe umdrehen.

Die gestandenen Männer um Eckert, Brandt, Knake, Lübbers, Pieper, Schwall, Mahnke, um nur einige der treff(un)sicheren Protagonisten zu nennen, ergaben sich, streckten die Waffen nieder und zeigten keine Gegenwehr beim Schützenfest anno 2015.

Kurzum: Im Schützenverein Drebber von 1900 wurden die Schützen vom vermeintlich schwächeren Geschlecht geradezu überrumpelt, plattgemacht, degradiert, an die Wand gespielt. Alle drei Königsthrone sind seit Pfingstsonnabend fest in Frauen-/Mädchenhand.

Das hat es in der 115-jährigen Geschichte des Traditionsvereins noch nicht gegeben. Frauenpower nannte das Präsident Jürgen Eckert.

Hier die Namen, die in die Annalen des Vereins eingehen werden: Marga Krämer (Königin), Carolin Pieper Jugend) und Julia Marie Titjung (Kinder).

Lange Gesichter bei den Männern. Aber die sind um Ausreden ja nie verlegen und begründeten ihr desolates Abschneiden damit, den Frauen beim Königsschießen aus Höflichkeit den Vortritt gelassen zu haben. „Sind eben Kavaliere der alten Schule“. Nun, wer es glaubt, wird nicht selig, sondern sollte einen Lehrgang buchen: „Wie handhabe ich ein Gewehr und treffe damit“.

Nächstes Jahr werden wieder drei Regenten gesucht. Die Männer sollten sich schon mal warm anziehen. Die Frauen haben Lunte gerochen – und Lust auf mehr.

Präsident Jürgen Eckert reagierte mit der gewohnten Gelassenheit eines Bilanz-ausgleichenden und erfahrenden Bankers auf die Dominanz der Damen. Hauptsache: Alle drei Throne sind besetzt. Bloß keine Republik.

Bei den Schützen zählen eben noch Kaiser und König. Sissi – in Mariendrebber ist das momentan Marga Krämer. Und Willi ihr Mann macht doch eine viel bessere Figur als Karlheinz Böhm.

Bevor Marga I., deren Untertanen sogar aus Goldenstedt angereist waren, die Insignien ihrer Macht über dieses große Königreich bekam, waren eineinhalb Stunden vorher die Kinder an der Reihe. Und da blieb so gut wie alles beim Alten. Ein eingespieltes Team macht weiter.

Stellvertretender Jugendwart Marco Steinbrink wiederholte seine Aussage aus den Vorjahren, dass die Proklamation des Kinderkönigs zu den Höhepunkten des Schützenfestes gehöre; denn beim Königsschießen herrsche meist noch ein etwas größerer Andrang als bei Jugendlichen oder Erwachsenen.

Im verflossenen Jahr regierten König Felix Luersen mit seiner Prinzessin Julia Marie Titjung. Adjutanten waren Jan-Ole Fiedler und Felix Ritter. Ehrendamen waren Paula Diekmann und Fina Burmester. „Ihr habt ein tolles Königsjahr hingelegt,“ konstatierte Marco Steinbrink.

Neue Kinderkönigin wurde Julia Marie Titjung, der Prinz heißt Felix Luersen, Adjutanten sind Jan Ole Fiedler, Ehrendame Paula Dieckmann, Vizekinderkönig Felix Luersen.

Ziemlich genau 90 Minuten später erfolgte draußen bei lausiger Kälte die Proklamation vom Jugendkönig und der „großen“ Majestät. Mit Jugendkönigin Miriam Mahnke, Prinz Marcel Döbbeling und den Adjus Eike-Norman Breiter und Julian Kempin sowie den Ehrendamen Kristin Knake und Sara Pieper hätten die 1900er, so befand Präsident Jürgen Eckert, einen guten Fang gemacht. „Ihr habt unseren Verein bei allen Anlässen sehr gut und auch immer ausgelassen vertreten,“ lobte der Präsident. „Danke, für ein hervorragendes Jahr!“

Den Thron bei der Jugend bestieg nun Carolin Pieper. Ihr zur Seite stehen Prinz Eike-Norman Breiter, die Ehrendamen Denise Pieper und Sara Pieper sowie die Adjus Marcel Döbbeling und Julian Kempin. Der Vizekönig – und da geht es mit der Frauen-Power weiter – heißt Katharina Schmidt.

Ein hervorragendes Königsjahr hätten auch König Rainer I. (Mahnke) und Königin Astrid hingelegt, die tatkräftig von den Adjutanten Karl-Heinz Brandt und Johann Knake sowie den Ehrendamen Petra Bergmann, Sylvia Johnson, Hiltrud Pieper, Dörthe Schwall und Ilona Ziegler unterstützt wurden.

Die Umkrönung nahmen die beiden Kommandeure Peter Meyer und Friedrich Zahn vor. Marga I. (Krämer) ist die dritte Frau, die bei den 1900ern die Königswürde errang. Ihr zur Seite steht Prinz Wilhelm, der vor sechs Jahren König war. Die Ehrendamen sind Hildegard Brandt, Marit Buscher, Iris Holtkamp, Inge Lübbers, Uschi Meier und Marlies Rubbert. Als Adjutanten fungieren Karl Buscher und Hermann Meier. Vizekönig wurde Ulrich Johnson.

Das Schützenfest war eine runde Sache und so gut wie seit Jahren nicht mehr. Dazu trugen ganz maßgeblich die Nachbarvereine aus Deckau-Specken, Hoopen-Felstehausen und Jacobidrebber von 1951 bei, die mit großen Delegationen in Mariendrebber aufkreuzten. Deckau war Sonnabend ausgestorben.

Auch in Sachen Musik hatten Verein und Festwirt ein glückliches Händchen. Die Tanz- und Show-Band „Sweet Dreams“, DJ Torben Rauer, der Barver-Bläser-Chor und der Musikchor Drebber gaben ihr Bestes.

Ein Highlight: das Holledau-Duo „Leidlfestodreiba“. Das heißt so viel wie: Leute feiert. Jürgen Eckert und sein Stellvertreter Jürgen Lübbers hatten die Beiden bei einem Aufenthalt während des Oktoberfestes in München kennen gelernt und vom Fleck weg fürs Schützenfest in Mariendrebber verpflichtet. Das war eine sehr gute Entscheidung.

Stefan Kellerer und seine Partnerin Christine Hagl schlugen hier ein wie eine Bombe. Ein echter (Leder-)Kracher. Dass es dem so vielseiten Duo hier so gut gefallen hat, ist nachvollziehbar: Es wohnte im gastlichen Haus Lübbers, blieb sogar noch einen Tag länger als geplant. Jürgen Eckert hat das Duo schon fürs nächste Schützenfest gebucht.

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