Projekt endet nach zehn Jahren / Quartier hat sein Gesicht verändert / Als „Ezukim“ gestartet

Aus für „Akzeptanz“ an der Moorstraße

Die Menschen im Bereich Moorstraße müssen nun ohne die Anlaufstelle „Akzeptanz“ auskommen. Das bedauern nicht nur sie, sondern auch (von links) Marlis Winkler, Ingrid Arendt und Rüdiger Fäth. Foto: Jansen

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Das Gesicht der Moorstraße hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert. Menschen mit Migrationshintergrund, die zeitweilig das Bild in dem Diepholzer Quartier bestimmten, sind dort zur Minderheit geworden. In den Mehrfamilienhäusern im Bereich Moorstraße wohnen nun vorwiegend Familien aus Bulgarien und einige aus Rumänien. Die Männer arbeiten in der südoldenburgischen Fleischindustrie. Ingrid Arendt war zehn Jahre lang für alle da – für Flüchtlinge wie später für Arbeiter aus Osteuropa. Jetzt ist für sie Schluss.

Die Beratungsstelle „Akzeptanz – Mittendrin statt nur dabei“ in einer Wohnung im Haus Moorstraße 9, in der die 63-jährige die Quartierbewohner bei fast allen Problemen des Lebens beriet, ist geschlossen. Zu Ende November läuft das Projekt endgültig aus.

Etwa 100 Erwachsene und Kinder seien pro Woche zu „Akzeptanz“ gekommen, berichtet Ingrid Arendt. Die 63-Jährige ist stolz darauf, wenn sie heute Menschen aus Syrien, dem Irak oder der Türkei in Diepholz begegnet, die sie schon als Flüchtlingskinder kannte, die damals die Hausaufgabenhilfe bei ihr besucht haben und heute studieren oder Meister eines Handwerks sind.

Nach beruflichen Stationen unter anderem in Hildesheim und in Österreich kam die damals alleinerziehende Mutter von sechs Kindern nach Diepholz. Die gelernte Erzieherin, die sich weitergebildet hatte, begann ihre Beratungstätigkeit für Menschen im Bereich Moorstraße zunächst im Projekt „Ezukim“ („Eine Zukunft für mein Kind und mich“), das die katholische Erwachsenenbildung (KEB) finanzierte. Als die KEB nach einigen Jahren ausstieg, sprang zunächst der Diepholzer Agenda- 21-Förderverein ein. Er suchte 2010 ein soziales Projekt und übernahm für drei Jahre die Finanzierung. 2013 kam das Projekt dann unter das Dach des Diakonischen Werkes. „Ein sehr guter Schritt“, wie Ingrid Arendt betont.

Aus „Ezukim“ wurde „Akzeptanz“. Die Beratungs- und Anlaufstelle blieb – und Ingrid Arendt auch. Sie arbeitete nun eng mit dem Diakonischen Werk und dem Kirchenkreissozialarbeiter Rüdiger Fäth zusammen. „Mittendrin statt nur dabei“ war das neue Motto der Beratungsstelle, die zunächst in einer kleinen Wohnung an der Moorstraße 55 war.

Rüdiger Fäth fand auch einen neuen Zuschussgeber, als das Projekt nach drei Jahren ebenfalls zunächst auslief: Die „Aktion Mensch“ bezuschusste „Akzeptanz“ in den vergangenen drei Jahren mit 80 Prozent der Kosten – insgesamt 200 000 Euro. Den Rest übernahm das Diakonische Werk des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz (heute Diepholz-Syke-Hoya).

Doch auch die Förderung durch die „Aktion Mensch“ lief jetzt aus. „Jedes Projekt hat einen Anfang und ein Ende“, sagt Marlis Winkler, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Diepholz-Syke-Hoya, nicht ohne Bedauern. Aber eine neue Finanzierungsmöglichkeit von „Akzeptanz“ ist nicht in Sicht.

Der Bedarf wäre da, betont Ingrid Arendt. Ihr Vorteil gegenüber anderen Beratungsangeboten, die sich jeweils auf einen Bereich wie beispielsweise Schulden, Sucht oder Erziehungsfragen beschränken, war, dass „Akzeptanz“ das ganze Leben und seine Probleme umfassen konnte. Ingrid Arendt half bei Sprachschwierigkeiten, motivierte die fremdsprachigen Neubürger erfolgreich, Deutschkurse zu besuchen, und vermittelte Ansprechpartner bei Schulproblemen. Konkret bot sie die Hausaufgabenhilfe an, startete auch gemeinsame Kochprojekte und mit Unterstützung des Diakonischen Werkes Nachbarschaftsfeste an der Moorstraße.

„Das hat funktioniert, ohne dass wir großartig Themen vorgeben mussten“, berichtete Rüdiger Fäth im Gespräch mit unserer Zeitung. Viele Vorschläge seien aus den Reihen der Akzeptanz-Besucher gekommen.

Eine Konkurrenz zum „Stadtteilladen“, dem anderen sozialen Projekt an der Moorstraße, sah Ingrid Arendt nicht. Und mit dem Jugendbüro der Stadt Diepholz habe sie immer gut zusammengearbeitet.

Am Freitag, 25. Oktober, um 15 Uhr wird Ingrid Arendt in der katholischen Christus-König-Kirche und anschließend im Pfarrheim offiziell verabschiedet. Dazu lädt das Diakonische Werk ein.

Die 63-Jährige will nach ihrer langjährigen sozialen Arbeit in Diepholz nun wieder in ihre Heimat Duderstadt ziehen: „Dort gibt es für mich auch noch was zu tun.“

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