„Schöne Strecke nicht einfach vor die Hunde gehen lassen“

Bündnis wünscht sich Wiederinbetriebnahme des Sulinger Bahn-Kreuzes

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Der Vorsitzende des Ortsverbandes Osnabrück der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Heinrich Klumpe (l.), mit (v.r.) Georg Esenwein, Detlev Block und Andreas Hollberg vom geschäftsführenden Vorstand des Aktionsbündnisses

Diepholz - Von Reinhold Dufner. Der Weg ist bekanntlich das Ziel. Auf einen besonderen Weg gemacht haben sich die Mitglieder des Aktionsbündnisses Eisenbahnstrecke Bassum-Bünde, kurz AEBB, nämlich auf den der Schiene. Sie haben ein klares Ziel: die Erhaltung und Wiederinbetriebnahme des Sulinger Bahn-Kreuzes, das aus den 1997 stillgelegten Strecken Diepholz-Sulingen-Nienburg und Bassum-Sulingen-Bünde besteht.

Über die bisherigen Aktivitäten und Zukunftspläne des AEBB informierten die geschäftsführenden Vorstandsmitglieder Andreas Hollberg, Georg Esenwein (Diepholz) und Detlev Block (Bassum-Wedehorn) in der dritten Senioren-Versammlung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in der Gaststätte Laker-Wiele in Diepholz. Das 2009 gegründete Aktionsbündnis ist ein gemeinnütziger Verein, in dem sich Bahninteressierte aller Altersgruppen und aus allen gesellschaftlichen Schichten zusammengefunden haben. Auch mehrere Kommunen unterstützen die Ziele durch ihre Mitgliedschaft. „Wir sind bemüht, noch weitere Gemeinden und Städte mit ins Boot zu holen“, sagte Hollberg. Das AEBB zählt derzeit 90 Mitglieder. Die 100 soll, so Hollberg, in diesem Jahr geknackt werden.

Bahnstrecke Bassum-Bünde wieder im Landesraumordnungs-Programm

Seit der Vereinsgründung konnten erste kleine Erfolge in dem Bemühen, die Eisenbahnstrecken des Sulinger Kreuzes zu erhalten, erzielt werden. Dazu gehörten unter anderem 2011 die Herrichtung des Bahnsteigs in Sulingen für die erste Sonderfahrt zum Herbstmarkt sowie – in Zusammenarbeit mit der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) – die erfolgreiche Klage gegen den Bau der sogenannten Südschleife, die die Gleisanbindung an den Bahnhof Sulingen überflüssig machen würde. Ein weiterer Erfolg war – ebenfalls Hand in Hand mit der RSE – die Erteilung einer Betriebsgenehmigung für einen Bahnsteig in Sulingen und dessen Pflege. Die Erhaltung des Stellwerks Nord (Sn) in Kooperation mit der Stadt Sulingen könne ebenfalls auf der Aktiva-Seite der Bilanz verbucht werden. Dass die Strecken nicht entwidmet worden seien, könne der Verein auch auf seine Fahnen schreiben.

„Wir verstehen uns als Anwalt dieser Strecke,“ wies Block auf das ehrenamtliche Engagement in dem Bündnis hin.

Gefreut hat es das Aktionsbündnis, dass die Bahnstrecke von Bassum bis Bünde seit dem 17. Februar 2017 wieder ins Landesraumordnungs-Programm Niedersachsen aufgenommen ist. „Das ist für uns ein Quantensprung“ so Hollberg. In Niedersachsen sollten nach einer Untersuchung vor zwei Jahren acht stillgelegte Strecken reaktiviert werden. „Wir sind leider rausgefallen“, beklagte Hollberg. Begründet wurde die Ablehnung damit, dass in dem Einzugsbereich zu wenig Menschen leben und die Bundeswehr für ihre Transporte die Schiene nicht mehr benötige. Eine fadenscheinige Begründung nach Ansicht der Teilnehmer.

Verhandlungen mit Infrastrukturunternehmen laufen

Das Aktionsbündnis möchte mit den Strecken des Sulinger Bahn-Kreuzes die Region wieder für den Bahnverkehr erschließen und damit den ländlichen Raum zwischen der Mittelweser und dem Dümmer neu beleben. Davon könnte auch der Tourismus profitieren, der in der Region ja eine große Bedeutung hat. Die Schülerbeförderung könnte zum Beispiel von der Straße auf die Schiene verlagert werden, und auch die heimische Industrie sollte durch einen Bahnanschluss eine interessante, umweltfreundliche Alternative zum Lkw-Verkehr erhalten.

„So eine schöne Strecke kann man nicht einfach vor die Hunde gehen lassen,“ brachte Georg Esenwein die vielfältigen Anstrengungen des Vereins auf den Punkt.

Andreas Hollberg: „Wir benötigen für die mögliche Reaktivierung der Bahnstrecke Bassum-Bünde ein Betriebskonzept, um die Kosten/Nutzen und die Tragfähigkeit des Projektes zu ermitteln. Da wir als Verein keine Streckenabschnitte übernehmen dürfen, müssten wir eine Kooperation mit einem Infrastrukturunternehmen als Dienstleister eingehen. Zurzeit werden hierzu Verhandlungen geführt.“

• Die nächste Zusammenkunft der EVG-Senioren ist am 3. August, 15 Uhr, bei Laker-Wiele. Referent ist der SPD-Bundestagskandidat für den Wahlkreis 33 (Diepholz- Nienburg), Tevfik Özkan.

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