Im Interview

AfD-Politiker Harald Wiese will Landrat werden

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AfD-Kandidat Harald Wiese.

Landrats-Kandidat zu werden, das hätte sich Harald Wiese nicht träumen lassen. Aber der AfD-Politiker fordert den Amtsinhaber Cord Bockhop heraus, der seit acht Jahren im Amt ist. Im Interview erklärt Wiese, warum er als Kandidat antritt und was für ihn Toleranz bedeutet. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Herr Wiese, wie fühlen Sie sich als Landratskandidat?

Ich freue mich und bin stolz darauf, Landratskandidat zu sein und den Wählern eine Alternative bieten zu können. Das ist etwas, das ich vor einigen Jahren gar nicht erwartet hätte. Und es ist ein Ergebnis professioneller Arbeit im Kreistag.

Wie sieht Ihr beruflicher Alltag zurzeit aus?

Mein beruflicher Alltag besteht darin, Menschen zu beraten – Menschen mit Behinderungen. Ich unterstütze diese Menschen in ihren Anliegen und helfe ihnen, Perspektiven zu entwickeln. Ich freue mich immer, wenn ich Menschen helfen kann. Meine Aufgabe als Arbeitsvermittler bei der Bundesagentur für Arbeit besteht darin, insbesondere schwerbehinderte Menschen bei ihrer Integration in Arbeit zu unterstützen und mit ihnen Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Förderinstrumente zu besprechen. Mein persönlicher Erfolg ist es, Menschen auf ihrem Weg begleitet und ihnen dabei geholfen zu haben.

Fühlen Sie sich wirklich gewachsen, eine Kreisverwaltung mit mehr als 1000 Mitarbeitern zu führen?

Ich bin Diplom-Volkswirt F.H. mit der Zusatzqualifikation Controlling/Betriebswirt iww. Ich habe sowohl in der Privatwirtschaft als auch im Öffentlichen Dienst langjährig gearbeitet. In beiden Bereichen habe ich viele Erfahrungen mit Menschen gesammelt, alle Anpassungen von Organisationsformen miterlebt. Und ich bin ein Mensch, der analytisch denkt und Ziele formuliert. Ich kann diese Ziele anderen Menschen vermitteln und sie umsetzen.

Haben Sie im Wahlkampf schon Anfeindungen erlebt?

Im Wahlkampf gibt es durchaus Anfeindungen. Das geht von Sachbeschädigung bei Plakaten bis hin zu negativen Aussagen, beispielsweise an Wahlkampfständen. Persönlich hat mich besonders der Vorwurf getroffen, dass meine Partei negativ zu schwerbehinderten Menschen stehen soll – dabei bin ich selbst schwerbehindert. Seit meiner Geburt fehlt mir der linke Unterarm. Deshalb setze sich mich besonders aktiv für die Interessen von schwerbehinderten Menschen ein.

Wie gehen Sie mit den Anfeindungen um?

Ich versuche, die Menschen anzusprechen, mit ihnen in die Diskussion zu kommen und Vorurteile abzubauen.

Ihre Partei gilt als wenig tolerant – wo üben Sie Toleranz?

Ich bin täglich jedem Menschen gegenüber, der mir begegnet, tolerant, da ich versuche, Menschen in erster Linie zu verstehen und auf sie einzugehen. Meine Partei selber verstehe ich in keiner Weise als wenig tolerant. Sofern mir mit wenig Toleranz begegnet wird, vermittele ich den Menschen, wer ich wirklich bin und wofür ich tatsächlich stehe: für gelebte Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Wer ist der Mensch hinter dem Politiker Harald Wiese?

Ich bin ein vielseitig interessierter Mensch, der sich sowohl für seine Umgebung als auch für wirtschaftliche Zusammenhänge, Geschichte und Politik stark interessiert. Ich verstehe mich als weltoffen, reise gerne und freue mich, die Welt mit ihren verschiedenen Kulturen kennenzulernen.

Und Ihre liebste Freizeitbeschäftigung?

Ich bin begeisterter Autofahrer und nutze gerne die Gelegenheit, bei Fahrsicherheitstrainings auch Extremsituationen zu erleben.

Können Sie sich vorstellen, als Flüchtlingshelfer zu arbeiten?

Meine Partei steht für die Begrenzung einer ungeregelten Zuwanderung. Diese grundsätzliche Ablehnung der derzeitigen Flüchtlingspolitik wäre für mich jedoch kein Hinderungsgrund, Menschen, die hier sind, individuell zu helfen. Ich wäre durchaus bereit, diese Aufgabe auch auszuprobieren.

Haben Sie ein Lebensmotto oder ein Lieblingszitat?

Mein Lebensmotto lautet: Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut. Es ist ein Zitat des berühmten griechischen Staatsmanns Perikles. Das bedeutet für mich, für meine Überzeugungen auch bei Gegenwind einzustehen. Die Gedankenfreiheit eines jeden Individuums, die Freiheit des Einzelnen ist die Grundlage meiner Überzeugung.

Zur Person 

Harald Wiese ist 43 Jahre alt. Nach Abitur und Ausbildung zum Versicherungskaufmann hat er an der Hochschule Bremen Internationale Volkswirtschaft studiert. Der Diplom-Volkswirt (FH) arbeitet seit 2009 bei der Bundesagentur für Arbeit und hat in dieser Zeit an der Fern-Universität Hagen ein Aufbaustudium absolviert (Abschluss: Controllingbetriebswirt). 

Von 2001 bis 2013 war Wiese Mitglied der Republikaner und zeitweise deren Vize-Landesvorsitzender in Bremen. Anschließend wurde er Fördermitglied für die Alternative für Deutschland (AfD) und 2016 AfD-Mitglied. Heute ist der 43-Jährige Vize-Vorsitzender des AfD-Kreisverbands (rund 60 Mitglieder) und seit 2016 Vorsitzender der AfD-Kreistagsfraktion (vier Mitglieder).

Politische Ziele 

  • Bürgerbeteiligung verbessern 
  • Mobilität im ländlichen Raum muss bezahlbar bleiben 
  • Zukunft wagen, Digitalisierung vorantreiben 
  • Demographischen Wandel aktiv gestalten und damit die Zukunft des ländlichen Raumes sichern

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