Landrat spricht über Krankenhaus-Zukunft

Bockhop zu neuer Klinik-Struktur: „Abwarten, was die Verhandlungen bringen“

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Landrat Cord Bockhop: „Nur wenn die Krankenhäuser gebraucht und genutzt werden, können wir sie erhalten.“

Landkreis Diepholz - Es ist eine Entscheidung mit historischer Tragweite: Die Alexianer-Kliniken im Landkreis Diepholz kommen – voraussichtlich - zu 100 Prozent zurück unter das Dach des Landkreises. Verbunden ist das mit einem vielschichtigen Entflechtungsprozess, der neuralgische Bereiche des Klinik-Alltags betrifft. Im aktuellen Interview nimmt Landrat Cord Bockhop Stellung zu Herausforderungen und Chancen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Herr Bockhop, in wenigen Tagen beginnt für die Krankenhäuser im Landkreis Diepholz eine neue Ära. Uwe Lorenz übernimmt am 1. August die alleinige Geschäftsführung für die Kliniken im Kreis. Werden Patienten, Bürger oder Politiker davon etwas spüren?

Cord Bockhop: Ein bewährter Geschäftsführer übernimmt als alleiniger Geschäftsführer die Verantwortung. Wir setzen also auf Kontinuität, damit es Patienten, Bürger oder Politiker nicht spüren – und damit es so positiv bleibt wie bisher.

Sie erwarten bis zum Herbst ein Angebot der Alexianer zur Rückübertragung der Geschäftsanteile an den Landkreis. Was ist damit verbunden, sprich was fordert der Landkreis konkret zurück?

Bockhop: Gut, dass Sie das erwähnen. Einige Personen vermitteln zurzeit den Eindruck, als wenn wir schon in diesen Tagen hundert Prozent der Anteile zurückerhalten. Wir müssen aber abwarten, was die Verhandlungen bringen. Es kann ja auch bleiben, wie es jetzt ist – mit den Alexianern. Und die Verhandlungen starten ja erst im Herbst – mit dem Angebot der Alexianer.

Welche rechtliche Struktur soll der Klinik-Verbund unter dem Dach des Konzerns Landkreis künftig haben?

Bockhop: Wie gesagt: Wir setzen auf Kontinuität. Deshalb soll auch die Rechtsform so bleiben.

Und welchen Namen soll der Klinik-Verbund künftig tragen?

Bockhop: (lacht) Es wundert mich, dass da noch keine Vorschläge von Personen gekommen sind, die sich ja schon über ganz andere Sachen Gedanken machen. Ich kann mir aber gut vorstellen, bei der Namensfindung die Bürger einzubeziehen und auch eine Werbe-Agentur. Aber alles zu seiner Zeit.

Die Dienstleistungs-Gewerkschaft Verdi wünscht sich einen Mitarbeiter-Vertreter im Aufsichtsrat und einen Wirtschaftsausschuss. Ist das eine Option?

Bockhop: Davon höre ich zum ersten Mal. Leider hat Verdi wiederholt die Öffentlichkeit und nicht das Gespräch mit dem Landkreis gesucht. Das war schon bei diesem unsäglichen Rekommunalisierungs-Antrag an den Kreistag der Fall. Es ist auch wenig geschickt, über den Landkreis und die Krankenhäuser zu sprechen – besser wäre es mit dem Landkreis. Nur so wächst Vertrauen. Im Zusammenhang mit der Pressemitteilung, die wir zur Situation der Krankenhäuser herausgegeben haben, habe ich im Vorfeld das Gespräch mit dem Betriebsratsvorsitzenden gesucht und ihm meine Idee erläutert, zukünftig auch den Betriebsratsvorsitzenden in ein Aufsichtsgremium aufzunehmen. Aber über all diese Dinge sollte man erst sprechen, wenn es so weit ist – und dann mit denen, die es angeht.

Kosten die Kliniken künftig mehr als bisher? Die Alexianer-Brüdergemeinschaft ist doch mit ihren rund 30 Krankenhäusern und anderen Einrichtungen bundesweit ein starker Verhandlungspartner, wenn es um den Kauf von medizinischer Technik oder alltäglichem Klinikbedarf geht?

Bockhop: (lacht) Uns waren die Krankenhäuser schon in den letzten Jahren lieb und teuer. Wir haben Investitionen bezuschusst und auch die aufgrund der drei Klinik-Standorte entstandenen Defizite mitgetragen. Ein Gesellschafter-Wechsel führt erst mal nicht zu mehr Kosten – spart aber natürlich auch keine Kosten ein. In vielen Bereichen gibt es Einkaufsgemeinschaften, auch für Klinikbedarf. Der Geschäftsführer wird hier die beste Möglichkeit finden, gut einzukaufen – in Qualität und Preis.

Welchen Einfluss soll der Kreistag künftig auf die Krankenhäuser haben?

Bockhop: Der Kreistag hatte sich auch bisher schon regelmäßig mit den Krankenhäusern zu beschäftigen – zum Beispiel mit der Finanzierung und den Strukturen. Daraus hat der Kreistag viele Erkenntnisse gewonnen. Er weiß aber auch, dass er nicht die laufenden Geschäfte führt. Daran wird sich auch zukünftig nichts ändern. Die Krankenhaus- und Gesundheitsversorgung bleibt aber eines der wichtigsten Themen in unserer Kreispolitik.

Glauben Sie, dass die Patientenzahlen – unabhängig von der Trägerschaft – in den kommenden Jahren spürbar steigen können?

Bockhop: Ich hoffe sehr, dass die Bürger unseres Landkreises, aber auch Patienten von außerhalb die Qualität erkennen und dies auch durch Behandlungen in unseren Krankenhäusern dokumentieren. Nur wenn die Krankenhäuser gebraucht und genutzt werden, können wir sie erhalten.

Sollten sich die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen nicht verbessern: Wird es in der Zukunft einen Zusammenschluss der Kliniken in den Landkreisen Diepholz und Vechta geben?

Bockhop: Die Bedingungen werden auch zukünftig schwierig bleiben. Aber da ich nicht weiß, wie sich diese Bedingungen verändern, kann ich auch noch keine Lösungsvorschläge präsentieren. Wir müssen die Grundversorgung gewährleisten, aber auch wirtschaftlich arbeiten. Es kann nicht sein, dass wir zum Beispiel wirtschaftliche Operationen an Privatkliniken abgeben sollen und nur unwirtschaftliche Behandlungen durchführen dürfen. Die Entwicklungen im Gesundheitsbereich sind so dynamisch, dass wir ständig am Ball bleiben müssen!

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