Wenig Beifall für die Politik

Appell an Bürger: Kliniken im Landkreis nutzen

Die Alexianer-Klinik in Diepholz (Archivfoto).

Diepholz - Von Anke Seidel. Viel Beifall gab es nicht für die Kreistagspolitiker, die sich seit Monaten intensiv mit der Zukunft der Krankenhäuser beschäftigen. Dazu waren die 200 Bürger, die im Diepholzer Haus Herrenweide gegen Abstriche an „ihrer“ Diepholzer Klinik protestierten, viel zu aufgebracht.

Anhaltender Applaus war im Gesundheitsausschuss nur mit Kirchturmpolitik zu gewinnen. Das bewies Lothar Plumhoff, Kreistagsabgeordneter aus Sulingen. Er wetterte gegen eine „Zwei-Klassen-Medizin“, die aus der Zentralisierung der chirurgischen Notfallversorgung in Bassum entstehen würde. „Weiße Flecke“ würden in Sulingen und Diepholz entstehen. „Ich trage dieses Konzept des Landkreises nicht mit!“, erklärte der Sulinger Politiker.

„Wir sind noch in der Orientierungsphase“, korrigierte ihn Dirk Wehrbein (SPD), wie später auch Ausschuss-Vorsitzender Michael Albers (SPD): „Das Konzept ist noch gar nicht beschlossen.“

Wehrbein, selbst Allgemeinmediziner, versuchte den Bürgern die Ursachen für die Krankenhaus-Misere klar zu machen: Fehler in der Krankenhaus-Finanzierung allgemein – und das unausgesprochene Ziel, bundesweit bis zu 300 Kliniken schließen zu wollen. „Ist doch klar: Für die Versicherer ist jeder Arzt und jedes Bett ein Kostenfaktor“, sagte Wehrbein – und betonte: „Die Probleme müssen bundesweit gelöst werden!“ Denn nach den aktuell geltenden Statuten „rechnen sich unsere Krankenhäuser nicht! Keiner der Standorte wird irgendwann eine schwarze Null schreiben. Alle werden defizitär sein.“ Deshalb bleibe zurzeit nichts anderes übrig, als nach kreativen Lösungen zu suchen. In jedem Fall müsse die Finanzierung der Krankenhäuser solidarisch geregelt werden.

Interdisziplinäre Chirurgie geplant

Überraschend gab Dirk Wehrbein eine neue Option für die Klinik Diepholz bekannt: Die Ärzte der Urologie, der Gynäkologie und der Radiologie wollen demnach eine interdisziplinäre Chirurgie einrichten.

„Wir werden alles tun, um die Krankenhäuser in eine gute Zukunft zu führen“, erklärte Rolf Husmann als Fraktionschef der FDP. Die Entscheidung falle am 13. Juli im Kreistag. Husmann stellte mit Blick auf die Patientenströme in andere Regionen auch fest: „Die Patienten haben mit den Füßen abgestimmt!“

Ortwin Stieglitz (SPD) wandte sich gegen jede Schönfärberei. „Es ist einfach zu sagen, alles bleibt wie es ist“, blickte er in Richtung Plumhoff, „das gibt zwar Beifall – ist aber keine Lösung!“ Deutlich fügte Stieglitz hinzu: „Ich verspreche Ihnen alles – das werden Sie von mir niemals hören!“

Die drei Krankenhäuser seien die Eckpfeiler des Gesundheitswesens im Landkreis Diepholz, betonte Hans-Ulrich Püschel (CDU). Die Ängste der Bürger und der Mitarbeiter an den Kliniken empfand er als bedrückend – und beschrieb klipp und klar die Ursachen für die Misere: „Es ist zu wenig Geld im System, und es gibt zu wenig Ärzte im ländlichen Raum.“

Stephan Kawemeyer (CDU) erteilte Kreisrat Markus Pragal einen Auftrag. Er solle in den weiteren Verhandlungen über das Klinikkonzept auf das verbriefte Recht pochen, dass im Rettungsdienst eine Hilfsfrist von 15 Minuten vorgeschrieben ist. Schon heute sei das manchmal nicht einzuhalten: „Ich befürchte, dass sich das noch verschärft, wenn die Notfallversorgung in Sulingen und Diepholz nicht mehr besteht.“ Dass die ehrenamtlichen Kreistagsmitglieder eine Entscheidung zu einem extrem komplexen Thema treffen müssen, stellte Vera Rebecca Sukkau (Grüne) fest. „Wir wollen kein Krankenhaus aufgeben – das ist ein unglaublicher Spagat!“ Wichtig sei, appellierte die Politikerin an die Bürger, „dass Patienten im Landkreis Diepholz auch Krankenhäuser im Landkreis Diepholz nutzen!“

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