A-Cappella-Band lässt das fast ausverkaufte Diepholzer Theater bei dreistündigem Auftritt toben / Neues Album „Das darf man nicht“ präsentiert

„Maybebop“: Pure Lebensfreude mit kulturellem Genuss

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„Maybebop“ begeisterte im fast ausverkauften Diepholzer Theater.

Diepholz - Von Simone Brauns-Bömermann. Wer im Konzert von „Maybebop“ am Sonntag war, der hörte das Diepholzer Theater ächzen, sah es staunen, erlebte wie die Wände nach Luft schnappten, wie pure Lebensfreude sich mit sinnvoll ausgefüllter Freizeit und kulturellem Genuss paarten.

Drei Stunden lang bespielte die vier „Jungs“ mit dem Zynismus-Gen, der großen Musikalität und dem überbordenen Witz ihr Publikum in Diepholz – zum Schluss in braven Kurzhosen-Anzug und Fliege, aber mit dem Schalk im Nacken.

Dass sie eingangs wähnten, sie seien in Syke, und am Vorabend Nienburg noch gesagt hatte, in Diepholz sei nichts los, verzieh das amüsierte Publikum „Maybebop“ schnell. Die Autokennzeichen vor dem fast ausverkauften Theater verrieten den Popularitätsgrad der A-Cappella-Band.

Ihr Erfolg spricht für sich: Sie sind einfach genial, frech, neugierig, spielen in der Top-Liga der A-Cappella-Bands in Deutschland und zeigen es von Choral bis Trash. Sie sind spontan, improvisieren brillant und symbolisieren eine neue Generation selbstbewusster Vollblutkünstler. Ihr Pfund sind Talent, Teamfähigkeit, Individualität und eine breit aufgestellte musikalische Ausbildung.

„Maybebop“ – das sind Lukas Teske (Tenor), Jan Bürger (Countertenor), Sebastian Schröder (Bass) und Oliver Gies (Bariton, Songwriter und Arrangeur). Beim Auftritt in Diepholz fehlen zwei Highlights nicht: Die Aktion: „Wünsch Dir was“ und der Zuschauer-Karaoke-Teil. „Es haben gleich zwei den Wunsch angemeldet, mit uns zu singen“, skandiert das Quartett. „Hermann und Sandra, seid Ihr da?“. Sie waren: Hermann Placke aus Bohmte, der seit sein Chor in Osnabrück aufhörte, die Chance sah, mit „Maybebop“ noch einmal „Mein kleiner grüner Kaktus“ singen zu können. Sandra Krasel war extra aus Rüthen bei Warstein angereist, um mit den vieren die Ballade „Kleiner grauer Falter“ zu singen. Die Münze entschied: Hermann sang auf der Bühne, Sandra nach dem Konzert vor Publikum im Foyer. Das ist mal Publikumsnähe.

Nach so viel Gesang, Musik, Kabarett und passagenweise Ernstem strahlten nicht nur die quietschbunten Anzüge. Die vier schienen kaum warm geworden zu sein in der Präsentation ihres brandneuen Albums „Das darf man nicht“. Ein Experiment aus Rap, Scratch, Swing, Jazz, wirklich allem.

Und während das Quartett tanzend und singend, lächelnd und pointiert die „schöne, neue, hektische, digitale Abhängigkeitswelt“ erklärt, ist sie selbst multiple im Marketing aufgestellt. Vom Songbook mit Arrangements für Chöre bis zur DVD für die „tägliche Dosis Maybebop“ festigen sie ihr Ranking am Markt. Dabei sind sie doch schon unbestritten vorn.

Wer den Erlkönig so interpretiert, dass auch die Y- oder Z-Generation ihn liebt, wer unser Zuviel an Zivilisation erkennt, muss Musik- und Wortakrobat sein. Die vier debattieren nicht lange über Probleme, sondern gehen sie persönlich an. „Wir unterstützen die Organisation „Sea-Watch“ im Mittelmeer. Fangt Ihr doch auch heute an“, bitten sie als Vorbild. Der Zuschlag folgt: Die Deutschlandhymne vom Nörgeln über langweilige Deutsche zum „Hier lebt es sich sicher und frei“.

Sie singen über Sex in der Ehe, über die Angst vor dem Tod, malen ein musikalisches Bild einer mittelalterlichen Burg und als Zu- Zugabe: „Wir haben uns nochmal die Noten zu „Mein kleiner grüner Kaktus angesehen, da stimmte vorhin etwas nicht“. Großes Kino mit ihrer „Kaktus“-Version: Im parodierenden „Rechts-Rockstil“! Folge: Tobendes Haus und die Angst, es bis zur Wiederkehr von „Maybebop“ nach Diepholz 2017 nicht auszuhalten.

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