Bilanz nach Zentrumsschließung

88 259 Impfungen in 234 Tagen

Ziehen Impfzentrums-Bilanz: (v.l.) Kreisrätin Ulrike Tammen, Kreisrat Jens Hermann Kleine, Klinikverbund-Geschäftsführer Ralph Ehring und Landrat Cord Bockhop in der FTZ in Barrien.
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Ziehen Impfzentrums-Bilanz: (v.l.) Kreisrätin Ulrike Tammen, Kreisrat Jens Hermann Kleine, Klinikverbund-Geschäftsführer Ralph Ehring und Landrat Cord Bockhop in der FTZ in Barrien.

Landkreis Diepholz. 234 Tage war es für die Bürger wichtigster Anlaufpunkt, wenn es um den handfesten CoronaSchutz ging: Im Impfzentrum Bassum haben 88 259 Menschen ihre Immunisierung erhalten. 62 312 weitere waren von den angegliederten mobilen Impfteams versorgt worden. Mit welchen Leistungen, Anstrengungen und auch Widrigkeiten dieses Ausnahme-Großprojekt verbunden war, erläuterte Landrat Cord Bockhop am Freitag gemeinsam mit Kreisrätin Ulrike Tammen, Kreisrat Jens Hermann Kleine und Klinikverbund-Geschäftsführer Ralph Ehring.

„Die Mitarbeiter haben das als besondere Arbeits- und Lebenssituation erlebt“, würdigte der Landrat das Engagement im Impfzentrum. Mit Blick nach Hannover stellt er jedoch fest: „Aus meiner Sicht ist immer mehr viel zu viel zentral geregelt worden. Wir sollten es anders machen, obwohl es gut lief.“

Frust im Frühjahr

Die Krönung sei nun, dass der Landkreis den Abbau des Impfzentrums genau dokumentieren müsse – sogar mit Fotos. „Das kann es nicht sein!“, ärgerte sich der Landrat, der seinen diesjährigen Geburtstag aus einem besonderen Grund nicht vergessen wird. Eine lange Warteschlange vor dem Impfzentrum sorgte im Frühjahr für Frust bei den Impflingen.

Fünf Mal wiederholte sich das in den 234 Tagen. „Aber an allen anderen lief es gut!“, betonte Bockhop. Die Betriebsbereitschaft des Impfzentrums habe der Klinikverbund als Träger am 15. Dezember gemeldet, blickte Geschäftsführer Ralph Ehring zurück. Die erste Impfung sei am 4. Januar erfolgt. Auch wenn die Immunisierungs-Einrichtung im Krankenhaus Bassum 234 Tage im Betrieb war: „Es fühlte sich mehr an“, so empfand es Ehring: „Wir haben da fast 100 000 Menschen durchgeschleust.“

Dass sich der Klinikverbund sofort in den Aufbau des Impfzentrums eingebracht habe, war für Kreisrat Jens Hermann Kleine, zuständig für den Katastrophenschutz, ein großer Glücksfall: „Wie kaum ein anderer Landkreis hatten wir eine direkte Anbindung an eine Klinik.“ Das habe sich besonders bewährt, denn nicht alle Impfungen waren komplikationslos verlaufen.

Genauso wichtig seien bei den dezentralen Impfungen in den 15 Kommunen die Rettungsfahrzeuge vor Ort gewesen, sagte der Kreisrat. Hintergrund: In einigen Fällen hatte die große Aufregung vor der Impfung zu Kreislaufproblemen geführt.

Unterstützung der Kommunen

Über das Engagement und die Bereitschaft der Kommunen, diese dezentralen Impfungen anzubieten und zu organisieren, freute sich Landrat Cord Bockhop besonders. Das gehöre nicht zu ihren Aufgaben. Aber sie hätten mit ihrem Angebot – zusätzlich zu dem im Impfzentrum Bassum – maßgeblich dazu beigetragen, dass möglichst viele Menschen möglichst schnell geimpft werden konnten.

Mit dieser Doppelstrategie war der Landkreis so früh gestartet, dass es auf Landesebene noch ein Novum mit Abstimmungsbedarf war. „Das war teilweise schon ein zähes Ringen“, formulierte es Kreisrätin Ulrike Tammen, zuständig für den Gesundheitsbereich, und blickte zufrieden auf die Landkreis-Lösung: „Das System hat sich bewährt.“ Beeindruckt hatte sie vor allem das Engagement ungezählter ehrenamtlicher Helfer, die sich immer wieder in den Dienst der guten Sache gestellt hatten: „Darauf können wir stolz sein!“

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit seinen mobilen Impfteams sei ein verlässlicher und starker Partner, so Landrat Cord Bockhop. Angebunden waren diese Teams an das Impfzentrum. Über diese Einrichtung waren 57 Prozent aller Impfungen erfolgt, so der Landrat, und 43 Prozent über die niedergelassenen Ärzte. Sie hätten eine enorme Leistung vollbracht, denn die Impfungen in den Praxen seien ja erst ab April möglich gewesen.

Laut Kreisrat Kleine liegt die Immunisierungsquote im Landkreis bei 68 Prozent Erst- und 62 Prozent Zweitimpfungen. Der Bundesschnitt beträgt 67 und 64 Prozent. Landrat Bockhop betonte, dass die Impfaktionen nun vor allem in den Schulen fortgesetzt werden.

Vier mobile Impfteams sind im Landkreis unterwegs – drei vom DRK und eines vom Rettungsdienst Landkreis Diepholz.

Kuriositäten

Manche Begebenheiten aus dem Impfzentrum spiegeln Kurioses und Zwischenmenschliches. So brachte eine Dame zu ihrem Impftermin ein Pendel mit, um es über die Spritze zu halten – und zu so zu ergründen, ob die Impfung auch gut sei. „Das Pendeln hatte aber keinen Erfolg. Daraufhin hat sich die Dame auch nicht impfen lassen“, so Kreisrat Jens Hermann Kleine. Außerdem muss ein Mitarbeiter in der Registratur einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben: „Am nächsten Tag rief eine junge Frau im Impfzentrum an und hat gefragt, ob sie die Telefonnummer des Mitarbeiters bekommen könne. Sie wüsste, dass dies aufgrund des Datenschutzes schwierig sei, bat aber dennoch darum, eine Ausnahme zu machen. Die Kollegin am Telefon meinte nur: ,Klar kann ich Ihnen die Nummer geben, aber der Kollege heiratet nächste Woche!’ Zack, wurde von ihr aufgelegt.“

Ein Sanitäter forderte die Patienten auf: „Bitte in Kabine 2 mit Meerblick eintreten.“

Von Anke Seidel

Süß und für Mitarbeiter: Corona-Torte, sogar mit Spritzen.

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