Produktion für alle 50 000 deutschen ZF-Mitarbeiter im Diepholzer Werk

80 Schutzmasken pro Minute

Im Diepholzer ZF-Werk „Electronic Interfaces“ werden nicht nur elektronische Getriebesteuerungen für große Automobilfirmen hergestellt, sondern auch Corona-Schutzmasken für alle 50 000 ZF-Mitarbeiter in Deutschland.
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Im Diepholzer ZF-Werk „Electronic Interfaces“ werden nicht nur elektronische Getriebesteuerungen für große Automobilfirmen hergestellt, sondern auch Corona-Schutzmasken für alle 50 000 ZF-Mitarbeiter in Deutschland.
  • Eberhard Jansen
    vonEberhard Jansen
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Diepholz – Für elektronische Schnittstellen in Automatikgetrieben großer Autohersteller gibt es hier Experten. Die Produktion von Masken gehörte aber bislang nicht zur Kernkompetenz von ZF in Diepholz. Doch das hat sich in der Coronakrise geändert: Im Werk „Electronic Interfaces“ (früher Schaltungssysteme) an der Siemensstraße produzieren 15 Mitarbeiter seit einigen Wochen für alle 50 000 ZF-Mitarbeiter in Deutschland Mund-Nasen-Masken – und das mit erheblichem Aufwand, der sich offenbar lohnt.

In der Coronakrise will der weltweit agierende Autobilzulieferer nicht von externen Masken-Produzenten abhängig sein. So fällte der Konzernvorstand in Friedrichshafen schon im April die Entscheidung, eigene Maskenproduktionen aufzubauen – jeweils eine für die Werke in den USA, China und Deutschland.

Für die deutschen Werke fiel die Wahl auf Diepholz. Hier gab es in einem früheren Elektroniklabor die Möglichkeit, einen „Reinraum“ einzurichten, in dem die hohen Hygienestandards für die Produktion der medizinischen Masken des Typs I erfüllt werden können.

500 000 Masken in der Woche stellen die dafür abgestellten Mitarbeiter in drei Schichten mit einer eigens angeschafften Maschine derzeit her. Wie hoch die Investition dafür war, verrät ZF nicht.

Verantwortlich für die Einrichtung der Schutzmaskenproduktion in Diepholz war Jörg Richter, Produktionsleiter bei „Electronic Interfaces“ – neben den Schaltungssystemen das zweite Werk von ZF in Diepholz, in denen insgesamt 800 Menschen arbeiten.

Jörg Richter fand beim Aufbau der Produktion viel Unterstützung: „Über Hierarchien und die ZF-Divisionen hinweg.“

Die extern gekaufte Anlage wurde bei den ZF-Maschinenbauexperten in Schweinfurt zunächst getestet und optimiert. Zur Einarbeitung fuhren Mitarbeiter aus Diepholz in die fränkische Stadt, um sich fit für die Bedienung zu machen.

Dann wurde die Maschine in Diepholz installiert, aus der pro Minute 80 fertige Masken kommen.

Bei der Masken-Produktion tragen die Mitarbeiter Kittel, Haarnetz und andere Hygienekleidung. Sie betreten den Reinraum über eine Schleuse, über die auch die Vliesrollen, Draht für die Nasenbügel und Gummi-Haltebänder an die Maschinen kommen. Die Einweg-Masken sind dreilagig.

Zu jeweils 20 Stück werden sie verpackt und in die 40 deutschen Standorte von ZF verschickt. Möglicherweise – je nach Entwicklung der Pandemie – bekommen auch bald ZF-Mitarbeiter in anderen europäischen Werken Schutzmasken aus Diepholz.

Die Pflicht, diese zu tragen, gibt es bislang nur für Personal, das die Mindestabstände arbeitsbedingt nicht einhalten kann. „Nach etwa zwei Stunden müssen die Masken gewechselt werden, sodass etwa drei Stück pro Mitarbeiter notwendig sind“, erläutert Jörg Richter. Auch außerhalb der teilweisen Maskenpflicht gelten bei ZF hohe Hygienestandards mit Desinfektionseinrichtungen, Abstandsregeln und Spezialgriffen an einigen Türen, sodass diese mit dem Unterarm geöffnet werden können. Aufklärungskampagnen ergänzen die Vorsichtsmaßnahmen in Corona-Zeiten.

Seit März habe es unter den 50 000 ZF-Mitarbeitern in Deutschland 80 mit Covid-19 Infizierte gegeben, die sich aber außerhalb der Werke angesteckt hätten und die rechtzeitig erkannt werden konnten. „Sie haben ihren Arbeitsplatz nicht betreten“, erklärt Jeannine Rapp, die für ZF am Dümmer für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Derzeit ist es sehr ruhig in den ZF-Werken – durch Urlaub und corona-bedingte Kurzarbeit. Firmensprecherin Jeannine Rapp: „In einzelnen Bereichen der Automobilindustrie sehen wir Erholungstendenzen, aber der Aufholprozess geht langsam voran und wird lange dauern.“

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