Bußgelder bis zu 3000 Euro

525 Verstöße gegen Corona-Schutz im Landkreis Diepholz - 95 Prozent entdeckte die Polizei

Alle mit Mundschutz unterwegs? Kontrollen in Bussen gehören zurzeit zum Alltag der Polizei.
+
Alle mit Mundschutz unterwegs? Kontrollen in Bussen gehören zurzeit zum Alltag der Polizei.

Landkreis Diepholz – Sie retten Menschenleben, indem sie die Ansteckung mit dem gefährlichen Virus Sars-CoV-2 verhindern: Strikte Schutzmaßnahmen gehören seit mehr als einem halben Jahr zum Alltag. Aber nicht alle Bürger schützen andere – auch im Landkreis Diepholz nicht.

Das beweisen 450 Anzeigen wegen Verstoßes gegen die gebotenen Schutzmaßnahmen. „Sie beziehen sich auf 525 Fälle“, berichtete Klaus Speckmann als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Bevölkerungsschutz im Fachausschuss für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit, der unter der Leitung von Ingrid Söfty (CDU) in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Wehrbleck tagte.

Hand in Hand arbeitet der Landkreis mit der Polizei, wenn es um die Einhaltung der geltenden Corona-Schutzmaßnahmen geht. Deshalb kamen 95 Prozent der aufgedeckten Verstöße von den Ordnungshütern der Polizei. Aber auch Bürger hatten dem Landkreis solche Verstöße gemeldet, stellte Klaus Speckmann in Wehrbleck klar. Einzelfälle waren dem Landkreis außerdem über die Kommunen zugetragen worden.

350 Bußgeldbescheide hatte der Landkreis ausgefertigt – in Höhe zwischen 150 und 3 000 Euro. Die vierstellige Summe war, so der Fachdienstleiter zum Hintergrund, bei mehrfach wiederholten Verstößen oder im Zusammenhang mit der Verletzung betrieblicher Pflichten verhängt worden. „Auf den ersten Blick sind das hohe Zahlen“, so Klaus Speckmann, „aber wir sind ein großer Landkreis und wir gehen davon aus, dass es Ausnahmen waren“.

Wie hoch ist die Summe der Bußgelder insgesamt? Diese Zahl will der Landkreis nicht nennen, um nicht missverstanden zu werden: „Es geht nicht ums Geld, sondern um die strikte Einhaltung der Schutzmaßnahmen“, stellt der Fachdienstleiter klar. Doch nicht alle Bürger akzeptieren ihre Strafe und legen Einspruch ein. Die Staatsanwaltschaft, in solchen Fällen rechtlich zuständig, ermittelt in 37 Fällen. „Der Löwenanteil sind Widersprüche“, so Klaus Speckmann. Aber in Einzelfällen gehe es auch um den Verdacht auf strafrechtliches Verhalten – sprich um „Nicht-Einhaltung von Kontaktverboten in besonderer Form“.

Unabhängig davon müssen 52 junge Bürger im Alter bis zu 20 Jahren Sozialdienst leisten, weil sie gegen geltende Corona-Schutzmaßnahmen verstoßen haben. Zwischen 10 und 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit sind fällig.

Wie ernst dagegen andere Menschen das Thema Corona nehmen und wie verunsichert sie zum Teil sind, beweist die Resonanz auf das Bürgertelefon des Landkreises: 5 155 Anrufer haben sich bis Ende August über diese Hotline gemeldet.

Völlig ungeahnt war die Verwaltung darauf vorbereitet. Denn erst kurz vor der ersten Corona-Meldung im Landkreis hatte es für den Katastrophenschutz eine Schulung zum Thema Bürgertelefon gegeben. „Da dachten wir noch, wir brauchen das nicht...“, blickt Speckmann zurück.

Aber der erste Corona-Fall im Landkreis am 10. März änderte alles: „Plötzlich war die Verwaltungswelt für alle, die mit Corona zu tun hatten, eine völlig andere“, formuliert es der Fachdienstleiter. Ab da nahmen täglich bis zu 15 Funktionsträger am sofort gebildeten Krisenstab teil. Mittlerweile tagt das Gremium einmal pro Woche. „Wir sind bisher auf 63  Sitzungen gekommen“, lautet die Bilanz. Außerdem: 71 schriftliche Regelungen hatte der Landkreis seit März vom Land erhalten und musste sie entsprechend umsetzen.

Aktuell liegt der sogenannte Inzidenzwert (Corona-Fälle pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen) im Landkreis Diepholz bei 5,53 – und damit unter dem Wert in Niedersachsen (6,7) und in Deutschland (8,6). In Spanien betrage dieser Wert 240, erfuhren die Teilnehmer am Fachausschuss.

„Im Landkreis Diepholz ist die Lage stabil“, bilanzierte der Fachdienstleiter – und berichtete, dass von 677 Reiserückkehrern (seit dem 8. August) 37 erkrankt seien. Insgesamt seien 1 479 Menschen in Quarantäne gewesen – und 148 von ihnen erkrankt.

Anerkennung für die Arbeit der Kreisverwaltung gab es mehrfach aus dem Plenum. „Der Landkreis Diepholz ist gut strukturiert“, betonte Ingrid Söfty – in dem Wissen, dass die Corona-Krise enorm viel Personal bindet. Marco Genthe (FDP) zeigte sich beeindruckt von der Resonanz auf das Bürgertelefon: „Das ist eine gute Einrichtung.“ Friedrich Iven (SPD): „Die Verwaltung hat hervorragende Arbeit geleistet.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

"Walfriedhof" vor Australien: Hunderte Grindwale tot

"Walfriedhof" vor Australien: Hunderte Grindwale tot

Bratwürste mit Viagra, Gin-Tonic oder Trüffel

Bratwürste mit Viagra, Gin-Tonic oder Trüffel

Kleiner Freund für die Großstadt: Der Citroën Ami im Test

Kleiner Freund für die Großstadt: Der Citroën Ami im Test

Trail-Running fordert Läufer heraus

Trail-Running fordert Läufer heraus

Meistgelesene Artikel

Vorzeigediscounter in Kirchweyhe: Größter Aldi-Markt der Region kurz vor der Eröffnung

Vorzeigediscounter in Kirchweyhe: Größter Aldi-Markt der Region kurz vor der Eröffnung

Vorzeigediscounter in Kirchweyhe: Größter Aldi-Markt der Region kurz vor der Eröffnung
Schluss mit Klischees über Psychiatrien! So ist es im Zentrum für seelische Gesundheit in Bassum

Schluss mit Klischees über Psychiatrien! So ist es im Zentrum für seelische Gesundheit in Bassum

Schluss mit Klischees über Psychiatrien! So ist es im Zentrum für seelische Gesundheit in Bassum
Ausblick vom Utkiek genießen: AWG Bassum lädt zur Wiedereröffnung

Ausblick vom Utkiek genießen: AWG Bassum lädt zur Wiedereröffnung

Ausblick vom Utkiek genießen: AWG Bassum lädt zur Wiedereröffnung

Kommentare