Betretene Stille am Berufsschulzentrum

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Bei dem Unfall wurden sieben Jugendliche verletzt.

Diepholz - Flatterndes rot-weißes Absperrband mit der Aufschrift „Polizeiabsperrung“, auf Asphalt gezeichnete Spurensicherung in Kreide, Unfall- oder Tatortbezifferung vor den Bushaltestellen am Schulzentrum in Diepholz – es sind bizzare Szenen, die Beobachter am Ort des Geschehens einfangen.

Betretene Stille und ruhige Betroffenheit bei passierenden Schülern mit gesenkten Köpfen draußen. Das Innere des Berufsbildungszentrum (BBZ) Dr. Jürgen Ulderup gleicht ab dem Eingang zum Lehrerzimmertrakt eher „Fort Knox“ als einer Schule.

Was war geschehen? Ein 18-Jähriger war kurz nach 8 Uhr mit einem Auto in eine Gruppe wartender Schüler gerast. Dabei war ein 17-jähriges Mädchen so schwer verletzt worden, dass es mit einem Rettungshubschrauber nach Bremen in eine Klinik geflogen werden musste. Sechs weitere Verletzte wurden in Diepholz notfalltechnisch versorgt. Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei fuhr der 18-Jährige aber nicht mit Absicht in die Menge, vielmehr soll es sich um einen Unfall handeln.

Fast 30 Berufsschüler stehen am Morgen an einer Bushaltestelle in der Nähe des Schulzentrums, als der 18-Jährige auf einem nahe gelegenen Parkplatz mit quietschenden Reifen losfährt. Er rast durch eine Kurve, kommt von der Fahrbahn ab und fährt in die Schülergruppe.

Eine 17-Jährige erfasst er frontal. Sie wird schwer verletzt. Doch statt zu stoppen, gibt der junge Mann wieder Gas und flüchtet. Die Polizei kann ihn später in der Stadt stellen. Es war ein Unfall, sagt er. Die Ermittler müssen das allerdings noch überprüfen.

Schulleitung und Träger des Berufschulzentrums, der Landkreis Diepholz, vertreten durch Norbert Lyko, Leiter des Landkreis-Fachdienstes Bildung und Liegenschaften, hatten sich nach dem Vorfall zunächst entschlossen, nur über den Pressesprecher der Polizei, Andrik Hackmann, zu kommunizieren.

BBZ-Schulleiterin Birgit Kathmann war nach dem Vorfall sichtlich betroffen. „Wir erwarten in Kürze zwei Schulpsychologen aus Syke, Seelsorger aus Diep-holz waren sofort vor Ort, um mit den Schülern zu sprechen, die Zeuge des Vorfalles wurden“, äußert sich Kathmann später doch noch. Sie selbst sei schnellstens nach der Information über das Geschehene ins Lehrerzimmer gegangen, um die nächsten Schritte für den Schulablauf zu organisieren.

„Wir haben nur Schüler nach Hause entlassen, die sich abmeldeten, wo wir wussten, dass sie Zuhause jemanden zum Besprechen des Erlebten haben“, so Kathmann. Zum Schulschluss am Mittag mischen sich viele Eltern unter die wartenden Schüler, die persönlich ihre Kinder von der Schule abholten.

„Es war ein Glück, dass einer unserer Lehrer Rettungsassistent ist. Er war heute Morgen sofort am Unfallort und leistete erste Hilfe. Schlimm waren die weinenden Schüler und die Tatsache, dass sie Zeugen wurden“, sagt Kathmann. Eine Pause legen die beiden „guten Seelen“ des Imbisses im BBZ ein, ihnen steht das Gehörte ins Gesicht geschrieben. Die Schreie, die Töne, die Unfallgeräusche, die noch lange im Ohr bleiben – bei jedem verkauften Brötchen oder Kaffee.

Schnell nach der Unfallmeldung kann die Polizei Diepholz den Täter und das Fahrzeug sicherstellen. „Der Täter ist vorläufig festgenommen, es besteht der Tatverdacht der Fahrerflucht und der Körperverletzung“, so Andrik Hackmann vor Ort. Dort hat ein Team mit einer 3D-Spezialkamera den Unfallort aufgenommen, um später ein räumliches computeranimiertes Bild herzustellen. Ob der Fahrer ohnmächtig, alkoholisiert, narkotisiert war, dazu will Hackmann keine Aussagen machen. „Wir stehen im ständigen Kontakt mit der Staatsanwaltschaft und bei neuen Erkenntnissen informieren wir umgehend“, so die Aussage. Die Schüler, die entweder noch vor oder bei Schulschluss gegen 13 Uhr aus der BBZ kamen, wollen nicht sprechen: „Wir dürfen nichts sagen.“ Ob zwei Schulpsychologen gemessen an der hohen Anzahl der Schüler ausreichen, um das Erlebte möglichst frei von Nachwehen aufzuarbeiten, ist sicher fraglich.  sbb/dpa

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