1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Diepholz

120 Menschen in Diepholz zur „Blutwäsche“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Eberhard Jansen

Kommentare

Die Inhaber der Praxis für Nierenheilkunde und Dialyse in Diepholz Dr. Thomas Bödefeld (rechts) und Prof Dr. Carsten Bramlage mit Christina Günther, Leitung der Dialyse/Apherese.
Die Inhaber der Praxis für Nierenheilkunde und Dialyse in Diepholz Dr. Thomas Bödefeld (rechts) und Prof Dr. Carsten Bramlage mit Christina Günther, Leitung der Dialyse/Apherese. © Jansen

Diepholz – Nahezu alle hoffen auf ein Spenderorgan: Etwa 120 Menschen, deren Nieren nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt funktionieren, unterziehen sich mehrmals pro Woche in Diepholz an der Amelogenstraße einer „Blutwäsche“. Seit 23 Jahren betreibt der Facharzt Dr. med. Thomas Bödefeld dort die Praxis für Nierenheilkunde und Dialyse. Seit zehn Jahren hat der 62-Jährige diese Praxis gemeinsam mit Professor Dr. med. Carsten Bramlage (49), der ebenfalls Internist und Nephrologe ist.

Um das Spenden eines Organs, das für Nierenkranke oft die einzige Chance ist, von der maschinellen Blutwäsche wegzukommen, dreht sich das Theaterstück „Die Niere“ mit Dominic Raacke am Freitagabend im Diepholzer Theater. Anlass für einen Besuch in der Diepholzer Praxis, wo das Thema für viele Menschen täglich Realität ist.

Die jüngste Patientin war 17, als ihre Nieren versagten und sie dialysepflichtig wurde, der ältestes Patient, der in der Praxis regelmäßig für etwa vier Stunden an die Maschine angeschlossen werden muss, ist 88.

Behandlung auch über Nacht

Viele der nierenkranken Menschen sind noch berufstätig oder haben eine Familie zu versorgen. Für sie ist ein Angebot in Diepholz nützlich, das laut Dr. Bödefeld sonst keine andere Dialysepraxis zwischen Bremen und Osnabrück hat: die Übernacht-Dialyse. „Dabei können die Patienten nach einer gewissen Eingewöhnungszeit schlafen“, erklärt Dr. Thomas Bödefeld. So fallen sie tagsüber nicht aus. Da diese Dialyseform länger dauert, ist zudem eine noch bessere maschinelle Reinigung des Blutes von Stoffwechsel-Abbauprodukten möglich, die bei Gesunden die Nieren übernehmen.

In der 800 Quadratmeter großen Praxis in der ehemaligen Krankenpflegeschule des Diepholzer Krankenhauses haben Dr. Bödefeld und Prof. Dr. Bramlage 30 Dialyseplätze. Den Patienten stehen an allen Plätzen kleine Bildschirme mit Fernsehempfang und Internetanschluss zur Verfügung.

30 Mitarbeiter

Für die fachkundige medizinische Betreuung sorgen 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Christina Günther an der Spitze. Sie ist schon seit 35 Jahren in der Dialyse tätig. „Bei uns ist es sehr familiär“, sagt Dr. Thomas Bödefeld. Ärzte, medizinische Fachkräfte und Patienten sehen sich über Jahre mehrmals in der Woche, ganz anders als in anderen Bereichen der Medizin.

„Wir untersuchen und therapieren alle Arten von Nierenerkrankungen. In akuten Fällen erfolgt eine gemeinsame Betreuung mit und in der benachbarten Klinik Diepholz“, erklärt Prof. Dr. Carsten Bramlage. Der Facharzt ist Cloppenburger und hat – nach seinem Studium in Rostock und Berlin – in Göttingen seine Facharztausbildung absolviert. Zuletzt war er als Oberarzt an der Universitätsmedizin Göttingen tätig und bekam in diesem Rahmen den Professorentitel verliehen. An der Göttinger Universitätsmedizin ist der 49-Jährige außerplanmäßiger Professor – neben seiner Tätigkeit als Mitinhaber der Diepholzer Praxis, die aber seinen Tätigkeitsschwerpunkt bildet.

Dr. Thomas Bödefeld stammt aus Castrop-Rauxel, studierte Medizin in Kiel und machte ärztliche Erfahrungen auch in Hamburg, bevor er sich in Diepholz mit seiner Praxis für Nierenerkrankungen und Dialyse niederließ.

Auch Bauchfelldialyse

Neben der bekannten Dialyse mit Maschinen betreut die Praxis auch Patienten bei der Bauchfelldialyse. Bei dieser Art der Behandlung bekommen die nierenkranken Menschen zunächst einen Katheter in die Bauchhöhle implantiert. Über diesen wird eine spezielle Flüssigkeit eingeleitet. Nachdem diese Flüssigkeit Giftstoffe aufgenommen hat, erfolgt die Ausleitung aus dem Körper (Beutelwechsel). Das können Patienten selbstständig machen, müssen aber zur Kontrolle regelmäßig in die Praxis. Diese Methode kann in der Regel für mehrere Jahre angewandt werden, bevor dann die Dialyse per Maschine notwendig ist.

„Die Niere“ im Theater: Noch Karten

Für die Beziehungskomödie „Die Niere“ mit Dominic Raacke am Freitag, 28. Januar, ab 20 Uhr im Theater der Stadt Diepholz gibt es noch Karten zum Preis von 25 Euro (Schüler, Studenten bis 27 Jahre und Auszubildende zahlen zehn Euro) beim Kulturring Diepholz im Rathaus, (Telefon 05441/909111, E-Mail: kulturring@diepholz.com), an der Abendkasse (ab 19 Uhr), im Internet oder beim Diepholzer Kreisblatt, Bahnhofstraße 9, in Diepholz. Bei der Aufführung gilt die 2G-Regel, so der Kulturring: Es haben nur geimpfte (mindestens zweimal) und genesene Personen Zugang. Ein Test ist nicht erforderlich. Es gilt das Abstandsgebot von einem Meter. Zudem müssen auch am Sitzplatz FFP2-Masken getragen werden. Es besteht freie Sitzplatzwahl. www.kulturring-diepholz.de

Die Diepholzer Praxis hat auch drei Plätze zur Behandlung von bestimmten Fettstoffwechselstörungen (Lipid-Apherese), die das Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine periphere arterielle Verschlusskrankheit erhöhen.

Auch Bluthochdruck ist ein Thema in der Praxis an der Amelogenstraße. Dieser kann durch eine Fehlfunktion der Niere und Nebenniere bedingt sein. Auf die Diagnostik und Therapie dieser Bluthochdruckformen haben sich Dr. Bödefeld und Prof. Bramlage spezialisiert.

Der Mangel an Spendernieren ist für nahezu alle Patienten, die aus der ganzen Region nach Diepholz in die Praxis kommen, ein Problem. Nur etwa fünf Transplantationen im Jahr gebe es unter den 120 Patienten, so Prof. Bramlage. Die meisten Spenderorgane seien „postmortal“, also von toten Menschen entnommen.

Vergangenes Jahr zwei Lebendspenden

Lebendspenden, wie sie im Theaterstück „Die Niere“ Thema sind, haben die Diepholzer Fachärzte im vergangenen Jahr zwei betreut. Die Operationen erfolgten an der Medizinische Hochschule in Hannover.

In einem Fall spendete eine Mutter ihrer Tochter, die in der Schwangerschaft dialysepflichtig geworden war, eine Niere. Das Organ wurde vom Körper der Tochter angenommen, das Baby war gesund. Im zweiten Fall spendete eine junge Frau ihrer Mutter eine Niere. „Beiden Empfängerinnen und beiden Spenderinnen, die aus einem Nachbarlandkreis kommen, geht es sehr gut“, so Dr. Bödefeld. Prof. Bramlage ergänzt: „Alle Patienten werden von uns über die Lebendspende aufgeklärt beziehungsweise es wird geschaut, ob eine solche in Frage kommt.“

Auch interessant

Kommentare