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Dana Arnold erlebt den Kriegsausbruch in der Ukraine: „Die Wahrheit ist auf unserer Seite“

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Von: Gregor Hühne

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Stau an der Grenze.
Grenzstau: Fast zwölf Stunden wartet Dana Arnold von Donnerstag auf Freitag an der ukrainisch-rumänischen Grenze auf ihre Ausreise. © Dana Arnold

Donnerstag, 8 Uhr: Der Krieg weckt Dana Arnold in der Ukraine. Die Bruchhausen-Vilserin erlebt den russischen Angriff hautnah, als sie sich für ihren deutsch-ukrainischen Hilfsverein in dem umkämpften Land aufhält, um neue elektrische Batterien aus Deutschland für Hörgeräte zu überbringen. Auf der fluchtartigen Rückseite mit dem Auto schildert sie ihre Eindrücke.

Ukraine/Br.-Vilsen – Die kommenden drei Tage werden entscheidend sein. Das sagt Dana Arnold. Die 48-jährige Ukrainerin mit deutschem Pass lebt seit rund 20 Jahren in Bruchhausen-Vilsen. Dort leitet sie den Deutsch-Ukrainischen Hilfsverein. Gegründet nach der Maidan-Revolution im Jahr 2014, fährt und organisiert sie mit Gleichgesinnten regelmäßige Hilfslieferungen in das Land am Dnepr.

Dana Arnold schildert im Gespräch mit der Kreiszeitung ihre Eindrücke von der russischen Invasion ihrer alten Heimat. Sie war vor Ort. Am Donnerstag um 8 Uhr sei sie geweckt worden. Sie hörte Bombenexplosionen der ersten Angriffswelle. Da war sie in der westukrainischen Stadt Kamjanez-Podilskyj. In der bergigen Landschaft gibt es eine gut erhaltene Burg aus dem 14. Jahrhundert und eine Fabrik für Gehörgeschädigte. Dana Arnolds Verein fährt dorthin regelmäßig Hörgeräte aus Deutschland. Zuletzt brachte sie mehr als 1 000 Stück zwischen Weihnachten und Neujahr. Kleinere Hilfslieferungen gibt sie auch schon mal Landsleuten mit, die in die Ukraine fahren. Diesmal reiste sie selbst mit dem Auto und hatte vor allem elektrische Ersatzbatterien für Gehörhilfen im Gepäck. Bleiben wollte sie drei Tage, sagt Dana Arnold. Doch die Ereignisse überschlugen sich – die Abreise erfolgte bereits nach einem Tag.

Panik sei nicht ausgebrochen. Doch es hätten sich lange Schlangen vor den Tankstellen gebildet. Dana Arnold erzählt, dass viele Ukrainer aus den Städten raus wollten. „Sie fahren zu ihren Familien und Verwandten auf die Dörfer.“

In einem Blitzkrieg zählt jede Stunde

Nachdem der russische Angriff begann, packte Dana Arnold ihre Sachen, erzählt sie, und fuhr los Richtung Süden – nach Rumänien. „Ich habe die erste Grenze genommen, die erreichbar war. Ich wusste, wenn hier jetzt ein Blitzkrieg beginnt, dann zählt jede Stunde.“ Rund 70 Kilometer sind es von Kamjanez-Podilskyj zur nächstgelegenen EU-Grenze. Der direkte Weg zurück nach Deutschland (Richtung Nord-Westen) war keine Option mehr.

Ich habe die erste Grenze genommen, die erreichbar war. Ich wusste, wenn hier jetzt ein Blitzkrieg beginnt, dann zählt jede Stunde.

Dana Arnold über ihre Flucht aus der Ukraine zurück nach Bruchhausen-Vilsen

Mehr als zehn Stunden habe Dana Arnold an der rumänischen Grenze gewartet. „Wäre ich zwei Stunden später an die Grenze gekommen, hätte ich 24 Stunden gewartet“, schätzt sie den Andrang am Donnerstag ein. Die Rumänen hätten unterdessen heißen Tee, Essen und Getränke vorbereitet, um die Ausreisenden in Empfang zu nehmen. „Die Grenzleute waren sehr freundlich“, sagt Dana Arnold. Sie leisteten viel und seien zahlreich im Einsatz gewesen, um die Grenzkontrollen zügig abzuarbeiten. Die Menschenmenge kenne man sonst nur aus dem Kino, sagt Dana Arnold über ihre Eindrücke.

In Bruchhausen-Vilsen wollen nun Freunde von Dana Arnold ukrainische Freunde aufnehmen. „Es kommen eine Freundin und weitere Personen mit Kindern“, sagt sie. Insgesamt könnten es rund acht Personen werden.

Mobilfunknetz in der Ukraine ist überlastet

Dana Arnolds Mutter und ihr Bruder sind in der Ukraine geblieben. „Das ist ihre Entscheidung, sie wollen da nicht weg.“ Natürlich mache sie sich Sorgen, betont sie. Ihr Neffe und ihre Tante leben in der Ostukraine. „Die leben schon mit dem Krieg seit vielen Jahren.“ Den Kontakt mit ihrer Familie hält Dana Arnold telefonisch. Aber momentan gibt es dabei Schwierigkeiten: „Das normale Netz ist total überlastet“, sagt sie. Daher kommunizieren sie aktuell nur über das Internet: WhatsApp, Telegram, etc.

Die russische Propaganda mache sie wütend. „Da sprechen ein paar Leute Russisch und Putin nutzt das als Vorwand, um da einzumarschieren.“ Dana Arnolds Großmutter wohnte zu Lebzeiten in der Ostukraine. „Meine Oma hat da alte Wurzeln. 1954 war die große Wanderung von Russen in die Region“, erzählt sie. Das sei nun so, als ob Erdogan Deutschland überfalle, weil in einigen Regionen viele Türkisch sprächen, vergleicht Dana Arnold. Was ihr Zuversicht gibt: „Die Wahrheit ist auf unserer Seite“, sagt sie. „Die Russen dachten, dass sie mit Blumen empfangen werden.“ Das sei nicht der Fall. Der Leute organisierten Freiwilligen-Milizen und wollten Widerstand leisten.

Und wie geht es weiter mit der Arbeit des Hilfsvereins? „Ich mache das von Herzen“, sagt sie, und sie wolle weitermachen. 2016 gegründete sich der Verein offiziell, momentan seien sie zehn Mitglieder. „Gleichgesinnte aus der ganzen Region – Bruchhausen-Vilsen, Bremen, Hannover.“ Einmal brachten sie Betten in die Ukraine und organisierten dafür einen Lkw. 2016 brachten sie Medikamente, Generatoren und ein OP-Zelt nach Donezk.

Eine Sache macht Dana Arnolds zusätzlich Sorge. Von einer Freundin habe sie gehört, dass ein Russe in ukrainischer Uniform geschnappt wurde, der mutmaßlich Unruhe stiften wollte. Ein Agent Provocateurs und wohl nicht der Einzige.

Dana Arnold.
Arnold: Im Herzen Ukrainerin mit deutschem Pass. © Dana Arnold

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