Widerstand gegen das geplante Abholzen von etwa 200 Bäumen an der Friedeholzstraße / Kreis will K 123 ausbauen

„Die Denke ist doch komplett falsch“

Syke - (vog) · „Was soll der Mist?“, fragt Agenda-Sprecher Ulf Walek. „Eine unsinnige Maßnahme“, sagt Ex- Forstdirektor Johannes Huljus. Die ablehnende Haltung der beiden Naturschützer betrifft das Volumen des geplanten Ausbaus der Kreisstraße 123. Im Zuge der Verbreiterung der Friedeholzstraße würden fast 200 Bäume auf dem etwa zwei Kilometer langen Waldabschnitt gefällt.

Beschlossen hat den Ausbau der Kreistag 2009. Einen konkreten Termin für die Umsetzung gibt es noch nicht. In Syke formiert sich mittlerweile Widerstand gegen das Baumfällprogramm. „Sollte das mit dem Fällen etwa in einer Nacht- und Nebelaktion wie in anderen Kommunen erfolgen, stellen wir Strafanzeige“, sagt ein aufgebrachter Ulf Walek und teilt mit, dass die Grünen im Kreistag eine Aufhebung des Beschlusses  fordern.

Hintergrund ist die Vorgabe des Gesetzgebers nach einer „verkehrsgerechten Infrastruktur“. Danach hat der Kreistag 2009 sein Straßenbauprogramm 2011 bis 2013 ausgerichtet. Darin ist auch der Ausbau der Friedeholzstraße zwischen Vorwerk und Osterholz enthalten.

Die Straße hat zurzeit eine Breite zwischen 4,40 und 5,30 Meter. Nach Darstellung von Bernd Friedrich, Teamkoordinator für den Bereich Straße bei der Kreisverwaltung, muss eine verkehrsgerechte Straße mindestens 5,50 Meter breit sein. Ist sie das nicht, gibt es beim Ausbau keine Fördermittel. Im konkreten Ausbauplan zahlt das Land 540 000 Euro dazu. Der Kreis muss selbst noch 360 000 Euro (40 Prozent) aufbringen. „Ein normaler Ausbau mit neuer Deckschicht hätte diese Vorgaben nicht erfüllt“, sagt Friedrich.

Der Ausbau erfolgt laut Friedrich auch zum Zweck der Verkehrssicherheit. Für die man Schutzplanken hätte aufstellen können. „Wie sähe das aber im Wald aus? Wir haben uns darum für das Baumfällen entschieden“, so der Verwaltungsmann. Passiert das so, würde das Waldstück der Friedeholzstraße links und rechts der Fahrbahn um je 4,50 Meter ausgeholzt. Alle Bäume in diesen Zonen, etwa 200, würden fallen. Das beträfe auch die Bäume auf den gut vier Meter hohen Wällen beidseitig der Straße. Die Wälle blieben dagegen unangetastet.

Hinter dem Wald liegt der Fall anders. Der Landkreis hat die gut 1,6  km lange Allee als besonders schützenswert eingestuft. Die Bäume bleiben erhalten. Heißt: Eine Verbreiterung der Straße unterbleibt. Die Straßenbaubehörde erneuert lediglich die Decke.

Eigentümerin der Waldflächen sind die Landesforsten. Laut Unternehmenssprecher Stefan Fenner prüft die Forst jetzt den Wert von Gelände und Bäumen und legt dem Kreis dann ein Verkaufsangebot vor. „Wir sind gewillt, zu verkaufen“, so Fenner.

Walek wundert sich über das Ausbau-Volumen von 900 000 Euro. „Auf der Straße fahren doch kaum Autos“, sagt er.

Huljus ist verärgert. Er verweist auf die Schulden des Landkreises und die ständigen Klagen, dass bestimmte Projekte nicht realisiert werden könnten. Jetzt gebe der Kreis 360 000 Euro für ein unsinniges Projekt aus. „Die Denke ist doch komplett falsch“, betont der Ex-Forstdirektor.

Die Maßnahme sei auch fachlich schlecht. Sie berge ökologische Risiken in sich, weil die hinter den gefällten Bäumen stehenden Bäume auf das Licht gar nicht eingestellt seien. Forstfachleute befürchten langfristig auch eine Erosion der Wälle. Die Bäume darauf sorgten für Stabilität. Nach dem Fällen könnten starker Regen, Eis und Schnee einen stetigen Abbau bescheren.

Auch verkehrlich vermissen Huljus und Walek einen Sinn in dem Vorhaben. Im Wald könnten die Autofahrer fortan schneller fahren, dahinter langsamer, weil die Straße ja nicht verbreitert würde. Bürgermeister Dr. Harald Behrens sieht die Sache „emotionslos“. Der Eingriff in die Natur sei gering. Der Straßenzustand schlecht. Wichtig sei die Sicherheit auf der Straße, so Behrens.

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