Regionalbischof aus Osnabrück eröffnete in Martfeld die Seminarreihe zur Bedeutung des Geldes

„Die Armen sind der Maßstab“

Dr. Burghard Krause machte sich in Martfeld für das Denken in Visionen stark.

Martfeld - (gru) · Gerade noch pünktlich schaffte es Dr. Burghard Krause, Landessuperintendent aus dem Sprengel Osnabrück, angesichts des Schneetreibens und der schlechten Straßenverhältnisse in die Martfelder Kirche. Dort warteten schon rund 50 Zuhörer gespannt auf seinen Vortrag mit dem Titel „Die Welt, in der wir leben können – Visionen von einer gerechten Welt“.

Martfelds Pastor Horst Wortmann begrüßte die Teilnehmer der „Seminarreihe 2010 zur Bedeutung des Geldes“, die in den nächsten Wochen noch drei weitere Veranstaltungen unter dem Motto „Macht – Geld – Freiheit“ umfasst. Die Volkshochschule und die Kirchengemeinden Martfeld und Schwarme arbeiten diesbezüglich zusammen.

In seinem Vortrag erinnerte Krause zunächst an das allseits bekannte Zitat des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Doch der engagierte Theologe wertete eher das Fehlen von Visionen als Krankheit: „Ohne Visionen verkommt das Volk“, das finde sich schon im biblischen Buch der Sprüche.

Laut Krause verdränge heutzutage die Ökonomie die Ethik und ersticke die Visionsfähigkeit. „Doch uns haben nicht nur kühle Rechner nach vorn gebracht, sondern Visionäre“, sagte der Referent. Als Namensbeispiele nannte er Bürgerrechtler Marthin Luther King und US-Präsident Barack Obama.

Der Regionalbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover führte dann seine eigenen Visionen zur Gerechtigkeit aus – natürlich aus theologischer Sicht, weniger aus der eines Sozialwissenschaftlers. Das Wort Gerechtigkeit komme allein 650 mal in der Bibel vor, sagte Krause. Es sei ein „Leitwort“, das aber „nicht ablösbar von Gott“ sei.

In der Bibel fänden sich „konkrete Anweisungen für soziale Gerechtigkeit“, wobei stets die Armen und Bedürftigen der Maßstab der Dinge seien. Nicht nach dem Leistungsprinzip müssten Gaben verteilt werden, denn manche benötigten einfach mehr als andere.

„Der Nährboden für Ungerechtigkeit ist laut Jesus unsere Angst, zu kurz zu kommen“. Als Beispiel nannte Krause das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, die alle den gleichen Lohn erhielten – egal, ob sie den ganzen Tag oder nur eine Stunde gearbeitet hatten. „Wir alle brauchen mehr Güte, als wir verdienen“, fasste er zusammen.

Der Referent konkretisierte seine Visionen durch Forderungen nach einer „Ethik der Börse“, damit man „nicht durch die Streichung von Arbeitsplätzen mehr verdient als mit ihrer Schaffung“. Auch forderte er Chancengleichheit durch Bildungspolitik, damit „Armut nicht vererbt“ werde.

Zuletzt bezeichnete Krause Nachhaltigkeit als wichtigen Faktor, damit „eine kontrollierte soziale Marktwirtschaft überall auf der Welt um eine ökologische Komponente erweitert“ würde. Wiederum verwies er auf „die Armen als Maßstab“: Deshalb müssten „wir Reichen“ umdenken, und zwar „schneller als uns lieb ist“. Nach einer kurzen Pause schloss sich dem Vortrag eine Diskussion an.

Die Seminarreihe wird am kommenden Mittwoch, 3. Februar, um 20 Uhr mit einem Vortrag von Gerda Egbers fortgesetzt, die in Hannover im Haus kirchlicher Dienste in der Arbeitswelt tätig ist. Sie spricht zum Thema „Geld regiert die Welt – Wer regiert das Geld ?“.

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