ARGE-Leiter Bernd Jobs reagiert auf Kritik: Langzeitarbeitslose befürchten Nachteile durch Teilnahme an Förderprojekten

„Die Arbeitgeber wissen, was sie tun“

Syke - SYKE (mwa) „Arbeitslosigkeit macht etwas mit den Menschen, und zwar nichts Gutes. Die Betroffenen verlieren nach und nach Selbstwertgefühl und soziale  Kompetenzen.“

Dieses Zitat von ARGE-Leiter Bernd Jobs in unserer Ausgabe vom vergangenen Sonnabend hat unerwarteten Wirbel ausgelöst: Langzeitarbeitslose fühlen sich dadurch diffamiert. Exemplarisch für etliche Zuschriften und Anrufe steht der Leserbrief auf dieser Seite.

Dahinter steckt die Angst: Wenn ein Arbeitgeber in den Bewerbungsunterlagen liest, dass der Bewerber bei einem Aufbau-Projekt für Langzeitarbeitslose beschäftigt gewesen ist, würde er gleich die Finger von diesem Bewerber lassen, weil die Arbeitgeber durch diese und ähnliche Aussagen das Vorurteil  bestätigt sähen, dass Langzeitarbeitslose ja – salopp  gesagt – gar nicht mehr richtig arbeiten könnten.

„Das ist ein Trugschluss“, kontert Bernd Jobs, mit dieser Kritik konfrontiert. „Arbeitgeber wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie Langzeitarbeitslose einstellen. Sie tun das nämlich ganz bewusst.“ Eingliederungshilfen zahle der Staat ja nicht, weil er einfach mal ein bisschen Geld in die Wirtschaft bringen wolle. „Sondern weil Arbeitgeber mit Langzeitarbeitslosen nicht die volle Leistungsfähigkeit einkaufen“, so Jobs.

Der Leiter des Arbeitsmarktservice des Landkreises betont indes: Die volle Leistungsfähigkeit könne sich nach Aufnahme der neuen Tätigkeit oft sehr schnell wieder einstellen.

„Verlorene Fähigkeiten entwickeln sich sehr schnell wieder neu.“ Die Richtigkeit dieser These untermauert Jobs mit Zahlen:

„2006 hatten wir eine Revision bei uns im Haus. Dabei wurden 50 Fälle ganz willkürlich herausgegriffen, in denen wir Langzeitarbeitslose über geförderte Maßnahmen wieder in den Arbeitsmarkt integriert hatten. Nach dem Ende der vertraglich garantierten Zeit waren von diesen 50 Menschen noch immer 49 in Arbeit.“

Generell würden Arbeitgeber es honorieren, wenn sie feststellten, dass ein Bewerber Engagement zeige. „Wenn sie nicht zuhause sitzen, sondern beweisen, dass sie sich bewegen“, so Jobs. Seine persönliche Erfahrung sowohl als Leiter der ARGE als auch aus der Zeit, in der er als Arbeitsvermittler tätig war: „Es kommt bei den Arbeitgebern immer viel besser an, wenn man sagt: Ich bin gerade in einem gemeinnützigen Projekt und engagiere mich da. Oder: In einer  Weiterbildungsmaßnahme.“

Eine aktuelle Untersuchung belegt, wie hoch die Integrationsquote der örtlichen ARGE ist: Demnach bleibt etwa jeder Dritte, den sie mit Unterstützung in ein Arbeitsverhältnis vermittelt, dauerhaft in Arbeit. „Das ist mir zu wenig“, sagt Jobs. „Aber das ist das, was am Markt machbar ist.“

Übrigens: Auch die Toys Company hat überregional eine ähnliche Trefferquote.

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