Jens Finke lebt seit 20 Jahren in Taipeh / „Hier europäisch zu leben ist teuer“

Als Deutscher in Taiwan mit italienischem Eis erfolgreich

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Gemeinsam mit Freunden organisiert Jens Finke (Zweiter von links) ein Grünkohlessen in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh.

Bruchhausen-Vilsen - Von Marvin Köhnken. Jens Finke lebt als einer von nur rund 1000 Deutschen in Taiwan. Seit 20 Jahren wohnt er in der Hauptstadt Taipeh und ist auch unter seinen Landleuten etwas Besonderes: Der ehemalige Bruchhausen-Vilser hat sich als Hersteller von italienischem Eis selbstständig gemacht und eine multikulturelle Familie gegründet.

Während viele der in Taiwan lebenden Deutschen die südostasiatischen Republik als reines Etappenziel ihrer beruflichen Karriere betrachten, ist der 45-Jährige auf der Insel im Pazifik heimisch geworden. Der studierte Außenhandelskaufmann war viele Jahre als Angestellter in Taipeh tätig. Heute betreibt er dort eine Eisdiele und verkauft seine Produkte erfolgreich unter anderem an Airlines, Restaurants und Supermärkte in ganz Taiwan.

Den Grund, weshalb er in der Ferne eine neue Heimat gefunden hat, hat Jens Finke noch genau vor Augen: „Ein Freund meines Großvaters war im Fernosthandel tätig und weckte mit seinen Erzählungen mein Interesse an der weiten Welt. Damals wollte ich einfach mal ganz weit weg, etwas Neues sehen und bin dort geblieben.“ Dass er eine Stelle in Taipeh erhielt, hatte er nicht geplant. „Erst sechs Wochen vor meiner Abreise habe ich erfahren, dass es für mich nicht etwa wie geplant nach Kolumbien, sondern nach Taiwan gehen sollte“, sagt er.

Dementsprechend unvorbereitet kam der junge Mann im Ostasien an. „Es war wie im Himmel für mich. Die schönen Frauen und das tolle Essen haben mich begeistert. Über die Sprache und die Kultur habe ich mir lange Zeit nicht viele Gedanken gemacht“. Partys, gibt er zu, seien für ihn in dieser Phase an der Tagesordnung gewesen.

Im 16. Jahrhundert kamen die ersten Europäer nach Taiwan, die Insel galt bereits früh als wichtiges Fernhandelsziel. Heute ist Taipeh unter anderem als Bildungszentrum bekannt, in der Stadt leben rund 2,5 Millionen Einwohner.

„Die Menschen in Taiwan haben mich sehr freundlich aufgenommen und korrekt behandelt“, sagt Finke. Heute kann sich die „Langnase“, wie Europäer in Taipeh genannt werden, auf einen vor allem taiwanesischen Freundeskreis stützen. In seinem Stadtviertel ist er gern gesehen. Das Eis gilt als ein zwar teures, aber wohlschmeckendes Nischenprodukt. Nicht nur für Ausländern, sondern auch für die Einheimischen.

Auf die Idee, italienisches Eis nach Taiwan zu bringen, habe ihn seine taiwanesische Frau Yvonne Chen gebracht, die er in Taipeh kennengelernt hat. „Vor zehn Jahren kamen wir mit unserer heute 13 Jahre alten Tochter Thea für eine längere Zeit nach Deutschland. Dort gab es eine Eisdiele, in der die Köstlichkeit angeboten wurde. Yvonne hat das Eis so gut geschmeckt, dass wir es nun selbst produzieren.“ In ihrer kleinen Eisdiele in Taipeh mit dem Kunstbegriff „Ditto Gelato“ ist Anlaufpunkt für alle, die das leckere Dessert aus Europa mögen.

Bis zu seiner Rente will Jens Finke mit Sicherheit im Fernen Osten bleiben. „Ich zucke heute oft mit den Schultern, wenn ich das ,Auf-das-eigene-Recht-Beharren‘ in Deutschland erlebe“, sagt er. „Alle sind hier lockerer drauf. Natürlich gibt es auch viele Regeln, die Menschen setzen sie allerdings entspannter um.“ Taiwan sei sehr abergläubisch-buddhistisch und traditionell geprägt.

Obwohl sich der Deutsche mit seiner Frau vor allem auf Englisch unterhält und er zugibt, nicht jedes Anliegen auf Chinesisch bewältigen zu können, setzt er den taiwanesischen Lebensstil so weit wie möglich um. „Europäisch zu leben geht auch, ist aber viel zu teuer“, sagt der Bruchhausen-Vilser, der regelmäßig Kontakt zu seiner Familie hält.

Einen gewissen Patriotismus hält der Geschäftsmann auch in Taipeh hoch. Jährlich organisiert er mit Freunden das „Norddeutsche Grünkohlessen“. „Das ist die einzige rein deutsche Veranstaltung in der Stadt. Damit bringen wir ein Stück Heimat hierher“, sagt er. „Nicht nur Deutschlands Autos und Maschinen haben hier ein sehr gutes Image – auch Adolf Hitler.“ Wenn die Menschen Finke darauf ansprechen, sei das für ihn peinlich: „Ich bin dann bemüht, für einen neuen Blick auf dieses Thema zu sorgen.“

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