Zahl der Kunden der Lebensmittelausgabe steigt stetig / 25 Ehrenamtliche im Einsatz / Noch Helfer gesucht

„Der Laden“ in Wagenfeld läuft

Zu Weihnachten hatte das Laden-Team große Weihnachtstüten mit Spielsachen für die Kinder der Bedarfsgemeinschaften gepackt. Stolz werden sie präsentiert von Annette Fellmann, Elke Kynast, Michael Kaiser, Elfriede Tiemann und Elke Wolf (von links).Fotos (5): Benker

Wagenfeld - Von Horst BenkerWas ist mit den Orangen? Wo kommen die Bananen hin? Gibt es für alle Äpfel? Geschäftiges Treiben herrscht in der Lebensmittelausgabe „Der Laden“ in Wagenfeld. Es ist Anlieferung in den ehemaligen Räumlichkeiten der Oldenburgischen Landesbank an der Oppenweher Straße.

„Als wir anfingen, wussten wir oft nicht, was wir zu erst machen sollten. Aber mittlerweile haben wir Routine, die Arbeitsabläufe klappen ohne Probleme. Jeder weiß, was er zu tun hat, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint“, lacht Michael Kaiser. Er ist einer von etwa 25 ehrenamtlichen Helfern, die sich die anfallenden Arbeiten teilen.

Beate Köster und Gertrud Siebert tragen Nachschub herein – Gemüse, Obst und sonstige Lebensmittel, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen. Weitere Freiwillige sind damit beschäftigt, dieses zu sortieren, nachzuschauen, zu putzen und zu verpacken. An diesem Vormittag sehen die Helferinnen besonders adrett aus. Das Deutsche Rote Kreuz hat ihnen neue orangefarbene Schürzen mit dem Schriftzug „Die Tafeln“ geschenkt.

Seit Oktober besitzt die Wagenfelder Tafel einen eigenen kleinen Lieferwagen, den der Lions Club Diepholz finanziert und die Firma digitales beschriftet hat. Er erleichtert die Arbeit und die Helfer müssen die nicht immer sauberen Waren nicht mit ihren Privatautos transportieren.

Der Lidl-Markt Wagenfeld wird viermal die Woche angefahren, jeweils dreimal geht es zum Combi-Markt vor Ort sowie zum Lidl-Markt nach Uchte. Außerdem holen die Mitarbeiter dienstags und donnerstags in der Frühe Backwaren, Brot und Brötchen von den Bäckern Overmeyer (Combi) und Speckmann sowie von den Ströher Bäckereien Kuhlmann und Bode.

„Wir suchen dringend interessierte Fahrer, die morgens eine Stunde Zeit investieren können, um die Waren abzuholen“, sagt Elke Kynast.

Freuen kann sich das Laden-Team auch immer wieder über Spenden von Privatleuten und Geschäftsinhabern: Kartoffeln, Honig, Äpfel, Birnen, Eingewecktes und Eier. „Das wird von uns natürlich ebenfalls sorgfältig geprüft“, macht Elke Kynast deutlich, dass nur brauchbare Ware ausgegeben wird. „Einmal hatte wohl jemand seinen Keller leergeräumt und wollte das Zeug bei uns los werden. So etwas geht natürlich überhaupt nicht“, fügt sie hinzu.

Zu den Spenden gehören auch Konserven. „Einige nehmen diese lieber, da sie oft nicht wissen, wie sie frisches Gemüse zubereiten sollen“, weiß Pastor Michael Steinmeyer. Nicht selten würden deshalb den Nahrungsmitteln einfache Rezepte beigelegt.

Als die Lebensmittelausgabe der Kirchengemeinden Wagenfeld und Ströhen am 8. Mai 2008 öffnete, waren es 14 Bedarfsgemeinschaften, die sich hier versorgten. Inzwischen ist deren Zahl auf 76 gestiegen. Im Jahre 2008 wurden insgesamt 2 397 Körbe ausgegeben, davon 1 594 für Erwachsene und 803 für Kinder. Im fast abgelaufenen Jahr 2009 waren es bis Ende Oktober insgesamt 5 084 Körbe, 3 890 für Erwachsene und 1 194 für Kinder. Für die Kinderkörbe beträgt der Kostenbeitrag 50 Cent.

Die Kunden, die sich für einen Euro pro Person einen Korb mit Waren abholen können, haben alle einen Berechtigungsschein. Das heißt, sie sind entweder Hartz IV-Empfänger oder Rentner mit weniger als 600 Euro Rente im Monat. „Ich kenne einige Rentner mit weniger als 600 Euro, aber die kommen nicht. Bei ihnen scheint die Hemmschwelle zu hoch zu sein“, verdeutlicht Elke Kynast, dass längst nicht alle Bedürftigen diese Hilfe in Anspruch nehmen. Berechtigungsscheine stellen das Sozialamt der Gemeinde Wagenfeld sowie die Kirchengemeinden Wagenfeld und Ströhen aus. Deshalb kommen auch nur Bedürftige aus der Gemeinde Wagenfeld in den Genuss dieser Unterstützung. Auffällig ist laut Elke Kynast die steigende Zahl der alleinerziehenden Mütter.

Von dem eingenommenen Geld wird von der Kirche Ware zugekauft: Kaffee, Mehl, Zucker, Milch oder Joghurt zum Beispiel. Diese spendet die Kirche dann der Tafel. Zu Weihnachten erhielten die Körbe „Extraportionen“ und für die Kinder der Bedarfsgemeinschaften wurden große Tüten mit gespendetem Spielzeug gepackt. Stofftiere stehen und liegen nahezu ständig griffbereit auf einem kleinen Beistelltisch, so dass Kinder dort hin und wieder zugreifen dürfen.

„Der Laden“, in dem das Deutsche Rote Kreuz Second-Hand-Kleidung anbietet, ist in Trägerschaft des DRK und der Kirche. „Die Intention war und ist, bedürftigen Menschen zu helfen, mit Lebensmitteln und Kleidung“, erzählt Pastor Michael Steinmeyer die Beweggründe. „Wir wollen damit auch ein Zeichen setzen gegen die Entsorgung von Lebensmitteln, die noch verwendet werden können“, fügt er hinzu.

Das Laden-Team weiß, dass am Monatsanfang mehr den Laden frequentieren, als am Monatsende. „Es gibt Leute, die dann nicht einmal mehr den einen Euro haben“, weiß Pastor Steinmeyer. Es wird genau registriert, wie viel Körbe an den Ausgabetagen verteilt werden. „So sammeln wir Erfahrungswerte und wissen genau, wieviel wir stets parat haben müssen“, verdeutlicht Annette Fellmann. Wenn es nicht reicht, können auf die Schnelle auch noch Körbe nachgepackt werden.

„Nach vielen kleinen und manchmal auch großen Schwierigkeiten kann ich jetzt sagen: „Der Laden“ läuft, und wir Mitarbeiter sind zu einem guten Team zusammengewachsen“, freut sich Annette Fellmann. Das Team würde sich aber auch über neue Helferinnen und Helfer freuen. Wer mitmachen will, sollte einfach mal bei den Treffen reinschauen. Diese finden an jedem zweiten Mittwoch im Monat im evangelischen Gemeindehaus statt.

Der Second-Hand-Laden kann von allen Bürgern besucht werden und jeder kann kaufen was ihm gefällt. Noch gut erhaltene Kleidung kann an den Öffnungstagen abgegeben werden. Ebenso können Spielzeug sowie heile Haushaltsgeräte noch gespendet werden. Geöffnet ist „Der Laden“ dienstags von 16 bis 17.30 Uhr und donnerstags von 10 bis 11.30 Uhr. „Von dem gemeinsamen Laden profitieren alle, besonders aber die Kunden der Wagenfelder Tafel“, ist sich Annette Fellmann sicher.

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