Myriam Witt aus Jardinghausen erzählt wie ihr vierbeiniger Freund unversehens zum „tollen Rettungshund“ wurde

„Der Hund möchte bestimmt gar nicht im Auto sitzen“

„Rettungshund“ Fynn auf seinem Lieblingsplatz

Syke - JARDINGHAUSEN · Eines Morgens bekam ich einen Anruf von der Rettungswache, bei der ich ab und zu als Honorarärztin mit dem Notarztwagen unterwegs bin. Ob ich wohl jetzt und sofort einspringen könne?

Der Rettungsassistent will einen Arzt, unser Hund Fynn will sein Frauchen, zwölf Stunden allein sein ist undenkbar. Also bekommt der Rettungsassistent einen Arzt und einen Hund. Heute sind wir nur als Team zu haben oder gar nicht.

Die ersten zwei Einsätze bringen wir problemlos hinter uns. Leberwurstbrot zur Belohnung. Dann alarmiert der Melder ein drittes Mal. Tim – fünf Jahre alt – ist mit seinem Fahrrad gestürzt und hat sich den Unterschenkel gebrochen. Aber hat er die Situation im Griff: Niemand darf sein Bein anfassen, schon gar kein Rettungsassistent oder so eine daher gelaufene Ärztin. Aber es hilft nichts, ich muss ihm ein Schmerzmittel geben. Ich zeige Tim die Spritze, und Tim brüllt „neiiiin…!“

Es ist laut, es ist schrill, es ist verzweifelt. Und es bekommt Antwort. Fynn drückt die Schnauze an die Fensterscheibe. Tim strahlt unter seinen Tränen über das ganze Gesicht.

„Oh – ein Hund. Arbeitet der bei Euch?“

„Der darf heute nur ausnahmsweise mitfahren.“

Tim ist abgelenkt, also schleiche ich mich wieder mit der Nadel an. Tim brüllt „neiiin…!“

Diesmal macht Fynn ernst. Das was Frauchen da tut, ist offensichtlich gar nicht in Ordnung. Ich schimpfe: „Schluss! Platz! Still!“ Tim schaut mich mit großen Augen an. „Schreist Du mich jetzt auch an, wenn ich mich nicht pieken lasse?“ Hinter meinem Rücken fiept mein Hund. Er ist eindeutig auf Tims Seite. Ich sitze richtig im Schlamassel. – „Nein, natürlich nicht.“

Tim ist nicht überzeugt. Wer Hunde anschreit ist zu allen Gemeinheiten fähig.

„Der Hund möchte bestimmt gar nicht im Auto sitzen“, ist Tim sich bombensicher. „Vielleicht kann ich Dir sogar meinen Arm geben, wenn Fynn auf der anderen Seite sitzt.“

Das ist ein mehr als großzügiges Verhandlungsangebot. Fynn darf aus dem Auto und er ist voll im Bild. Er geht auf Tim zu, schiebt ihm den Kopf unter der linken Achsel durch auf den Schoß und legt sich neben dem Jungen auf den Bordstein. Tim streckt mir den rechten Arm entgegen, macht die Augen zu und krallt die linke Hand in Fynns Nackenfell.

„Wir sind jetzt so weit“, sagte Tim und kneift die Augen zusammen.

Ungläubig nehme ich Tims Ärmchen. Nadel rein, Schmerzmittel spritzen. Er zuckt kein einziges Mal. Das Schmerzmittel macht Tim ihn ein bisschen dösig. Aber eins weiß er ganz genau:

„Fynn ist ein toller Rettungshund. Ihr solltet ihn immer mitnehmen.“

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