Hebamme Heidi Giersberg und Pastor Cornelius Grohs über die Geburt und die Weihnachtsgeschichte

Denn uns ist ein Kind geboren

Joseph hätte sich für seine Frau etwas Besseres gewünscht als einen Stall, glaubt Heidi Giersberg. Doch immerhin wahre der Ort die Intimität der Geburt. Die Krippe auf unserem Foto steht in der Brokser Kirche.

Bruchhausen - Von Andreas HapkeBR.-VILSEN/SÜSTEDT · „Denn uns ist ein Kind geboren“ – dieser Satz, im Original zu finden beim alttestamentlichen Propheten Jesaja, Kapitel 9, 1 bis 6, kündet von der Geburt des ersehnten Retters Israels. Christen beziehen diese Verheißung auf Jesus und damit auf die Weihnachtsgeschichte. Die Geburt und die Weihnachtsgeschichte: Was fällt einem Pastor dazu ein, wie denkt eine Hebamme  darüber ? Die Kreiszeitung hat nachgefragt bei Bruchhausen-Vilsens Pastor Cornelius Grohs und der Süstedter Hebamme Heidi Giersberg.

„Bei uns ist immer Weihnachten“, lautet der erste Gedanke von Heidi Giersberg. Eigentlich ein sentimentaler Satz, findet sie. Doch in kaum einem anderen Bereich seien Sentimentalitäten gleichermaßen unentbehrlich und fehl am Platz wie bei einer Geburt. „Hier begegnen sich Macht und Ohnmacht, Kraft und Schwäche, Lärm und Stille, Natur und Technik, ja sogar Leben und Tod“, erklärt die Hebamme. Was liege da näher, als die Ankunft Gottes auf der Erde mit der Geschichte einer Erstgebärenden zu verdeutlichen  – mit Maria, die stellvertretend für alle Mütter steht ?

Auch für Cornelius Grohs ist das Thema Geburt in diesen Tagen sehr präsent – beruflich in der Weihnachtsgeschichte und privat durch ein freudiges Ereignis im Freundeskreis. Ein „unbeschreibliches Gefühl“ sei es vor einigen Wochen gewesen, einen „fast neugeborenen Menschen im Arm“ zu halten. Die kleine Tochter von Freunden. „Erst wenige Wochen alt. So federleicht, so klein, so zart, so völlig hilflos. Und doch wird dieser winzig kleine Mensch die Welt der Eltern und Familie auf wunderbare Weise auf den Kopf stellen.“

Alle Jahre wieder staune er zu Weihnachten über das Neugeborene in der Krippe, sagt Grohs. „Und ich staune darüber, wer das ist, der da als Säugling in einem Futtertrog liegt.“ Mit der Armut des Stalls wolle der Verfasser der Geschichte vor allem eins zum Ausdruck bringen: „Gott kommt ganz tief herunter. Er kommt unscheinbar in Jesus zur Welt. Der souveräne Gott, Schöpfer des Universums, tauscht seine Macht mit der Ohnmacht eines Babys.“

In seinem Bemühen, einen sicheren Ort für seine Frau zu finden, einen Ort an dem die Intimität der Geburt gewahrt wird, hätte Joseph sich etwas Besseres gewünscht als einen Stall, glaubt Giersberg. „Dennoch hätten die Umstände auch schlechter sein können.“

Sie habe es schon häufiger erlebt, dass es eine Frau nicht bis in den Kreißsaal geschafft habe, auch in diesem Jahr. Doch alles sei gut gegangen. Gleichwohl könne der Verlust der Intimität eine Geburt zum Stillstand bringen – ein Zustand, der die Gesundheit von Mutter und Kind gefährde. Immerhin habe der Stall die Privatsphäre gewährleistet.

Wären Maria und Joseph froh über den Beistand einer Hebamme gewesen ? „Sicher“, meint Heidi Giersberg. Wie bei allen Geburten wäre es dann wichtig gewesen, Maria so anzuleiten, dass sie die Anwesenheit der Hebamme anschließend vergisst. „Frauen sollen voller Stolz ihre eigene Leistung anerkennen“, sagt Giersberg. Sie sollten dem Zauber ihres Neugeborenen erliegen und vielleicht für einen kurzen Moment erahnen, wie es sei, Teil dieses Wunders zu sein, „dem Wunder der Menschwerdung Gottes“.

Tatsächlich kommen Hebammen in der Bibel vor. Mit Pua und Schiphra nennt Grohs zwei berühmte Geburtshelferinnen aus dem zweiten Buch Mose. Sie stellten sich gegen den ägyptischen Pharao, als dieser aus Angst vor „Überfremdung“ die männlichen hebräischen Babys umbringen lassen wollte. Die mutigen Frauen leisteten „zivilen Ungehorsam“ und waren nicht um eine Ausrede verlegen: „Die hebräischen Weiber (sind) nicht (...) wie die ägyptischen, denn sie sind kräftig; ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren.“

Giersberg sieht die Weihnachtsgeschichte, „so wie sie geschrieben steht“, losgelöst von Konfessionen. „Gebären und Geburt sind damals und heute ein Meilenstein im Kreislauf der Natur“, sagt sie. Jeder, der sich davon berühren lasse, könne teilnehmen an dem „Wunder im Stall“. Für Grohs ist jedes Kind „an sich schon Grund genug zum Staunen“. Jesus in der Krippe aber sprenge endgültig sein Denken: „Gott wird ein Kind. Damit niemand mehr vor ihm Angst haben muss. Damit niemand mehr sagen muss: ,Gott ist mir zu weit weg.‘ Gott wird ein Kind, damit wir Kinder Gottes werden. Ich bin ein Kind Gottes“, sagt Grohs. Dies sei ein unbeschreibliches Gefühl – und das nicht nur zu Weihnachten.

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