Ex-Vorsitzender Lothar Lampe

„Dem Landvolk keinen Schaden zugefügt“

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Die Windkraft ist im Flächenlandkreis Diepholz mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – wie hier in der Streiheide im Syker Ortsteil Barrien. ·

Bockstedt - Von Thomas Speckmann. Bestechung, Veruntreuung, persönliche Bereicherung: Es sind schwere Vorwürfe, die der Landvolk-Verband Grafschaft Diepholz gegen seinen ehemaligen Vorsitzenden Lothar Lampe erhebt.

Seit Bekanntwerden der Affäre im Juni 2013 sind immer wieder neue Details ans Tageslicht gekommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Betroffene selbst hat aufgrund des laufenden Verfahrens stets zur Sache geschwiegen, bis jetzt: Gegenüber unserer Zeitung bezieht Lampe erstmals öffentlich Stellung – und betont: „Ich habe dem Landvolk keinen Schaden zugefügt!“

Lothar Lampe wirkt ruhig und gelassen, als er sich im Gespräch mit unserer Zeitung zu dem brisanten Thema äußert. Er blickt dem Zivilprozess, der am 19. Mai vor dem Landgericht Verden beginnt, zuversichtlich entgegen. Etwa 60 Seiten umfasse seine Stellungnahme, die er für die Verhandlung eingereicht habe. Damit wolle er dem Gericht deutlich machen, dass die Vorwürfe gegen seine Person zu Unrecht bestünden. Neben dem Ex-Vorsitzenden stehen, wie mehrfach berichtet, auch der ehemalige Landvolk-Geschäftsführer Wilhelm Bergmann und der ehemalige Buchstellenleiter Johann-Lüken Gerdes unter Verdacht. Über zwei Windenergie-Gesellschaften des Landvolks sollen mehrere Millionen Euro veruntreut worden sein.

Der ehemalige Vorsitzende verteidigt die Geschäfte, die er damals als Geschäftsführer der Landvolk-Betriebsgesellschaft und der Landvolk-Dienstleistungsgesellschaft getätigt hat. Über diese beiden Firmen sind die Projekte in enger Kooperation mit der Firma Westwind (Kirchdorf) abgewickelt worden. Grundlage laut Lampe: Ein im Jahr 2001 abgeschlossener Rahmenvertrag, in dem unter anderem festgelegt ist, dass dem Landvolk ein Drittel und Westwind zwei Drittel der gemeinsam realisierten Anlagen im Gebiet des Kreisverbands zustehen.

Dem Vorwurf, dass Ansprüche auf die Übertragung von Standorten für Windkraftanlagen nicht durchgesetzt worden seien, widerspricht der Bockstedter energisch. Das Landvolk habe sogar mehr Windmühlen bekommen, als ihm vertragsgemäß zugestanden hätten, sagt Lampe. Er kritisiert die „oberflächliche Recherche“ des Finanzamtes, aus der sich der Vorwurf der Untreue entwickelt habe. Der Prüfer habe 73 Anlagen zugrunde gelegt, die Westwind über einen Zeitraum von zwölf Jahren im Verbandsgebiet errichtet habe. In der Bewertung sei aber nicht beachtet worden, dass 37 Anlagen gar nicht unter die Vereinbarung gefallen seien.

Das Landvolk habe damals Wert darauf gelegt, dass keine Windparks gegen den Willen von Bürgern oder Kommunen errichtet würden. In problematischen Fällen sei Westwind aber auf dem Klageweg allein tätig geworden oder habe auf Eigeninitiative Projekte mit Landwirten direkt abgewickelt. Unterm Strich seien über die Arbeitsgemeinschaft 36 Anlagen realisiert worden, davon seien 15 an das Landvolk gegangen. „Das ist sogar mehr als ein Drittel“, rechnet Lampe vor. Hier blende der Vorstand des Landvolks völlig aus, was er damals selbst beschlossen habe.

In diesem Zusammenhang stellt sich Lampe noch einmal demonstrativ hinter die damalige Entscheidung des Vorstands, in das Windenergie-Geschäft einzusteigen und Mitglieder über Pachtzahlungen und Beteiligungen von Projekten profitieren zu lassen. „Wir sind der einzige Kreisverband in Niedersachsen, der so etwas gemacht hat“, sagt der Ex-Vorsitzende. Die Geldanlagen der mehr als 700 Kommanditisten seien sicher, sie bekämen Ausschüttungen von acht bis zehn Prozent und das Landvolk erhalte ertragsabhängige Provisionszahlungen in Höhe von etwa 500 000 Euro pro Jahr. Dies werde heute einfach unter den Tisch gekehrt, bedauert Lampe und fügt hinzu: „Das ist nach wie vor eine Erfolgsgeschichte, die ich mir nicht kaputt machen lasse!“

Dass er sich bei der Zusammenarbeit mit Westwind unrechtmäßig bereichert habe, weist Lampe zurück. Der geschäftsführende Vorstand habe ihn 2007 einstimmig vom Wettbewerbsverbot befreit. Dadurch sei er berechtigt gewesen, auch auf eigene Rechnung Windenergie-Geschäfte zu tätigen – sowohl zukunftsgerichtet als auch rückwirkend. Somit sei auch seine Beratungstätigkeit für Westwind rechtlich in Ordnung gewesen, so Lampe weiter. Das Finanzamt habe die Honorarzahlung bei Westwind als Betriebsausgabe anerkannt, er selbst habe die Einnahmen versteuert. Es seien keine „Schmiergelder“ geflossen.

Dass er für das Landvolk tätig gewesen ist und gleichzeitig eigene Geschäfte auf dem Energie-Sektor abgewickelt hat, findet der 68-Jährige auch in moralischer Hinsicht vertretbar. „Wenn jemand ehrenamtlich tätig ist, kann man ihm nicht untersagen, privatwirtschaftlich Vorteile zu haben. Sonst darf man kein Ehrenamt mehr annehmen“, meint der Landwirt.

Und was ist mit den Spenden, die er als Geschäftsführer der Landvolk-Dienstleistungsgesellschaft getätigt hat? Aus dem Vermögen sind immerhin 1,0 Millionen Euro an die „Stiftung Deutsche Kulturlandschaft“ geflossen, wo Lampe selbst Vorsitzender des Stiftungsrates war. Hier sei Wilhelm Bergmann als juristischer Berater involviert und auch bei einem Gespräch mit der Stiftung in Berlin dabei gewesen, berichtet Lampe. Bergmann habe gesagt, dass Lampe als Geschäftsführer die Spende tätigen dürfe. „Die Arbeit dieser Stiftung kommt auch den Landwirten in dieser Region zugute“, rechtfertigt Lampe die Entscheidung.

Eine zweite Spende in Höhe von 100 000 Euro ist an die Edmund-Rehwinkel-Stiftung gegangen. Einen direkten Zusammenhang mit dem Stipendium, das eine seiner drei Töchter zwei Jahre später von der Stiftung erhalten habe, bestreitet Lampe. Es habe keine „persönliche Nähe“ zur Stiftung gegeben. Der Jury sei damals nicht bekannt gewesen, welche Funktion er gehabt habe und dass die Spende geflossen sei. Dies werde vor Gericht von Zeugen bestätigt.

Ferner geht es um die Frage, warum Westwind einer Firma mit familiären Beziehungen zum ehemaligen Vorsitzenden etwa 2,8 Millionen Euro gezahlt haben soll. Hier handelt es sich laut Medienberichten um einen Schwiegersohn Lampes. „Er hat nicht einen Euro von der Firma Westwind bekommen“, erwidert der Bockstedter. Der Mann sei lediglich als Treuhänder für einen Windpark aufgetreten, an dem sich Lampe beteiligt habe.

Im Gespräch mit unserer Zeitung wehrt sich Lampe gegen die Vorwürfe des Landvolks, sich unerlaubt bereichert zu haben. Er habe sich nicht am Vermögen der Gesellschaften bedient. Dass rund 1,2 Millionen Euro in der Kasse fehlten, habe er damals nicht mitbekommen. Nun werde ihm der Vorwurf gemacht, dass er als Geschäftsführer dafür verantwortlich sei. Er habe das Geld nicht genommen, wisse inzwischen aber, wer den Überweisungsträger unterschrieben habe. Namen nennt Lampe nicht.

Dass unlängst über einen dinglichen Arrest 4,5 Millionen Euro seines Vermögens blockiert worden sind, bis der Rechtsstreit endgültig geklärt ist, empfinden Lampe und seine Frau Ada als „Schikane“. Sie gehen davon aus, dass kein strafrechtliches Verfahren eröffnet wird. „Kein Gericht hat bisher festgestellt, dass ich mich persönlich bereichert habe“, sagt Lampe. Er sei enttäuscht, dass die Unschuldsvermutung für einige Menschen keine Rolle spiele und ihm von der Gegenseite sogar „Realitätsverlust“ vorgeworfen werde. „Es ist heftig, was uns unterstellt wird. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir alles widerlegen können, was uns vorgeworfen wird“, sagt der 68-Jährige, der seine Familie in diesen stürmischen Zeiten hinter sich weiß.

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