Warum die Rückkehr des Syke-Kennzeichens durchaus Chancen hat

„Das SY– ich würd‘s gern nehmen“

VOR DEM COMEBACK? Das alte Landkreis-Zeichen SY, das der Süstedter Marco Pahl an seinen historischen Lanz-Bulldog montiert hat.

Syke - Eigentümer historischer Trecker haben es noch, Besitzer von Auto-Oldtimern ebenfalls. „Und ich würde es auf jeden Fall für meine Fahrzeuge wiedernehmen – wenn es die Möglichkeit dazu gäbe,“ sagt beispielsweise der Süstedter Marco Pahl.

Das alte Landkreis-Kennzeichen SY auf dem Nummernschild. Nicht völlig ausgeschlossen, dass das Syke-Kürzel flächendeckend auf die Fahrzeuge zumindest in der Stadt Syke, möglicherweise auch in weiten Bereichen des ehemaligen Landkreises Grafschaft Hoya zurückkehrt. Eine erste Etappe auf dem gewiss langwierigen und rechtlich umstrittenen Weg soll bereits in der ersten September-Hälfte zurückgelegt werden.

Ein wenig verloren standen sie Ende Mai auf dem Wochenmarkt in Syke, die Studenten der Uni Heilbronn, die in der Hachestadt eine Umfrage zum Thema SY-Kennzeichen durchführten. Manch ein Passant belächelte die Aktion. Eine ganze Reihe allerdings stand Rede und Antwort. Und inzwischen gewinnt die zunächst ein wenig ins Spinnerte abgleitende Aktion an ernstzunehmender Fahrt. Hochoffiziell sollen die Syker Ergebnisse demnächst im Rathaus präsentiert werden.

Eine Tendenz ist schon jetzt zu erkennen. Bundesweit entschieden sich 73 Prozent der Befragten für eine Rückkehr zum alten Kennzeichen. Nur 12 Prozent sagten nein, 15 Prozent hatten keine Meinung. Noch deutlicher fiel die Zustimmung in den Haushalten mit Kfz aus. 76 Prozent stimmten mit Ja. Und bemerkenswert auch: Bekannt sind die alten Kennzeichen, deren Abschaffung in Niedersachsen schon vor über 30 Jahren auf den Weg gebracht wurden, offenbar auch jüngeren Leuten. 90 Prozent der Befragten vermochten sich an das ehemalige Landkreis-Kürzel zu erinnern.

Durchgeführt wurde die Umfrage in 51 Städten in der ganzen Republik. Zunächst hatte die „Heilbronner Initiative für Kennzeichenliberalisierung“ sämtliche mehr als 300 Kommunen deutschlandweit angeschrieben, die in den vergangenen Jahrzehnten „ihr“ Stadtkürzel auf dem Nummernschild verloren hatten. Gut die Hälfte bekundete schriftlich Interesse, darunter auch die Syker Stadtverwaltung. Sieben niedersächsische Städte waren in die engere Wahl der Heilbronner Uni-Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Borchert gelangt, in dreien schließlich führten die Studententeams Umfragen durch – in Einbeck, in Neustadt am Rübenberge und eben in Syke.

Syke gehörte zwar nicht zu den bedeutendsten Umfrage-Orten, eine gewisse Sonderstellung nimmt die Stadt dennoch ein. Dr. Borchert nämlich, der Kopf der Heilbronner Initiative, ist in Bremen aufgewachsen. Und dort spielte die Hachestadt mit Friedeholz und romantischer Gastronomie als Ziel für den Sonntags-Ausflug durchaus eine Rolle. „Mir ist die Reaktion meines Großvaters im Gedächtnis geblieben,“ sagt Dr. Borchert auf Nachfrage des Sonntags-Tipp, „Opa hat sich richtig darüber aufgeregt, dass das SY von den Bremer Straßen verschwindet.“

Aber eine Rückkehr des SY – ist das nicht viel zu teuer? Zerstört es nicht alle Bemühungen, den Landkreis Diepholz endlich zusammenwachsen zu lassen? Verursacht es nicht einen erheblichen Verwaltungsaufwand? Und ist rechtlich zudem bedenklich? Eine ganze Reihe von Fragen also, die vor der Einführung zu beantworten wären und durchaus Gegenwind für die Aktion „Kennzeichenliberalisierung“ zu erzeugen in der Lage sind.

Vor allem das Argument, der Landkreis Diepholz wachse nur schwer zusammen, gilt als gewichtig. Hier leiste das DH-Kennzeichen unschätzbare Dienste. Ob im Norden in Dreye oder 81 Straßenkilometer und anderthalb Stunden Fahrtzeit südlich die Samtgemeinde Lemförde, überall werde schließlich mit einheitlichem Kennzeichen gefahren. Dr. Borchert allerdings hält dagegen. „In unseren Befragungen hat kaum jemand die Verwaltungseinheit des Landkreises in Frage gestellt, die Ausdehnung und Größe der Landkreise wird akzeptiert. Andererseits wird als bürgerfreundlich empfunden, wenn die große Kreispolitik und die Verwaltung eben auch auf regionale Befindlichkeiten reagiert.“ Die alten Kennzeichen seien eben auch ein gutes Stück regionale Identität.

Besondere Bedeutung gewinne das regionale Kennzeichen aber für das Stadtmarketing. Erstens sei es eine völlig kostenlose Werbung für die Region. „In Zeiten klammer Kassen ein wichtiger Nebeneffekt.“ Könne eine Stadt mit einem „eigenen“ Kfz-Kennzeichen aufwarten, werde damit auch eine gewisse Größe symbolisiert, vor allem aber erhöhe es den Bekanntheitsgrad. Genau das vermögen die kreisweiten Kennzeichen oft nicht zu leisten. Das Beispiel Wesel. Dass auch Moers und Dinslaken unter dem Kürzel WES firmieren, erschließe sich meist nicht. Dr. Borchert: „Die Bürger von Moers und Dinslaken finanzieren die Symbolisierung der Marke Wesel.“

Allerdings ist es noch ein weiter Weg, bis tatsächlich flächendeckend alte Kennzeichen zurückkehren. „Mit der Heilbronner Initiative versuchen wir die Interessen der betreffenden Städte zu bündeln. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Alleingänge eher nicht weiterführen. Mit einer gemeinsamen Initiative stehen die Chancen besser.“ Punktuell bestehe in einige Bundesländern bereits eine Tendenz, sich des Themas anzunehmen. „Einige Minister reagieren.“ In Bayern sei das so, in Sachsen, in Thüringen auch und ganz aktuell in Mecklenburg-Vorpommern. „Rügen drängt darauf, das alte Kennzeichen zu behalten.“

Die Heilbronner Initiative betritt mit ihrem Engagement für die Alt-Kennzeichen kein Neuland. Dr. Borchert verweist auf das „Hanauer Modell,“ das mehrere Kennzeichen innerhalb eines Landkreises zulässt. Im Main-Kinzig-Kreis (MKK) hatte die Stadt Hanau ihr HU behalten. „Das funktioniert ohne zusätzliche Verwaltungskosten.“

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