Diskussion um Zukunft des Bahnhofsgebäudes / Wahlkampfmanöver? / „Abriss ist keine Lösung“ / Vorschlag: Kommunaler Eigenbetrieb

„Das werden die Twistringer nicht zulassen“

Erhalt oder Abriss des Twistringer Bahnhofs? – Die Forderung der FDP, Neues zu bauen, sorgt für Debatten. ·

Twistringen - Die Debatte um den Twistringer Bahnhof haben die Liberalen durch ihre Forderung nach Abriss und modernem Ersatzbau neu entfacht. Die Reaktionen aus der Bevölkerung reichen von „Abriss ist keine Lösung“ und „Durchschaubares Wahlkampfmanöver“ bis zu „Wenigstens das Hauptgebäude retten“.

Wie berichtet, wäre der Abriss der städtischen Immobilie für die CDU eine Variante, denn sie würde kein finanzielles Risiko mehr eingehen. Eindeutig dagegen und für den Erhalt des Bahnhofs haben sich SPD und Bündnisgrüne ausgesprochen. Die ersten Leserstimmen dazu:

Frank Rasche-Bejenke, Twistringen meint: „Es sollte versucht werden, wenigstens das Hauptgebäude zu retten, da es historisch und baulich sehr wichtig ist anstatt eines neuen modernen Glas-Neubaus (der will auch erstmal finanziert und unterhalten werden).“ Das Nebengebäude (Güterabfertigung) sei über all die Jahre bereits so oft verändert worden, dass es kaum noch dem Ursprung entspreche, ferner sei dieses Gebäude dermaßen beschädigt, dass es hier besser wäre, einen Abriss vorzunehmen und an der Stelle eine ansprechende Grünzone mit Sitzbänken einzurichten. Rasche-Bejenke weiter: Renovierung, Nutzung und Vermietung müssten geklärt werden, sei es an Geschäfte oder Büros. Und: Ein Bahnhof sei auch für viele Reisende eine Visitenkarte der Stadt – aber angesichts des derzeitigen Zustandes „zeigt sich Twistringen von keiner guten Seite.“ Es sollte schnell gehandelt und weniger debattiert werden.

Ein Kommentator auf unserer Internetseite meint, Abriss sei keine Lösung. In Twistringen gebe es sowieso nicht mehr viele markante, historische Gebäude. Vor allem die Abrissorgien in den 60er Jahren (Centralplatz) hätten das Ortsbild nachhaltig abgewertet. „Es kann doch niemand ernsthaft glauben, ein Neubau aus Stahl, Glas und Solarmodulen würde die Attraktivität von Twistringen insgesamt steigern.“ Der Vorstoß der FDP sei ein durchschaubares Wahlkampfmanöver, das schnell noch ein paar dutzend Stimmen „radikaler, konservativer Saubermänner“ bringen solle.

Eine weitere Meinung aus dem Internet: „Ich als Investor würde ja nicht fünf Jahre warten, wenn ich investieren will. Von daher glaube ich nicht mehr an das ewige Warten, von dem SPD und Grüne ja anscheinend angetan sind.“

Dass die Sanierung von so alten Bahnhöfen, im Nachhinein betrachtet, auch nicht so gut laufen könne, erklärt ein Leser, sehe man am Beispiel Weyhe, wo Bürgermeister Frank Lemmermann Ende 2010 zugegeben habe: „Aus heutiger Kenntnis der finanziellen Entwicklung hätten wir den Bahnhof nicht gekauft. Ich hätte es dem Rat zumindest nicht empfohlen.“ In Weyhe wurden seinerzeit rund 2,7 Millionen Euro investiert.

Für Friedhelm Brzoska aus Ehrenburg ist es dagegen selbstverständlich, dass ein Gebäude wie der Bahnhof Twistringen – mit welchen Mitteln auch immer – „aufgrund seiner historischen Substanz und des baulichen Charakters mit Ornamenten und Verzierungen bewahrt werden muss“. Ein Witz sei der FDP-Auftrag eines Planers, Vorstellungen zu Papier zu bringen. Solche Leute würden gerade auf solche Aufträge warten, um daran satt zu verdienen. Die FDP sei für den Abriss des Gebäudes, gebe aber zu bedenken, dass ein Grundsatzbeschluss bestehe, nichts mehr in den Bahnhof zu investieren. „Ist die FDP sich eigentlich darüber klar, wie teuer ein Abriss für die Stadt ist? Welch ein hirnrissiger Widerspruch“, meint Broska. Dank an die Vorstellungen von SPD und Bündnis 90/Grüne. Die „Abriss-Partei“ sei gut beraten, sich zum Wohle Twistringens weiter positiv einzubringen.

Der Twistringer Ulrich Vanek, Kreistagsabgeordneter für Die Linke: „Welch' eine Schnapsidee. Weiß die FDP, was sie sich mit diesem Vorschlag vor der Kommunalwahl antut? Das Bahnhofsgebäude wird nicht abgerissen! Das werden die Twistringer nicht zulassen.“ Wenn angesichts der vielen Leerstände in der Bahnhofstraße (und nicht nur dort) Ansgar Wilkens als Alternative einen erweiterbaren Glascontainer mit kleinen Läden vorschlage, dann werde spätestens deutlich, dass jeglicher Realitätssinn verloren gegangen sei. Laut Vanek sind bürgerliches Engagement und Kreativität gefragt. Er denkt an den Bahnhof als kommunalen Eigenbetrieb – für Mensdchen mit Handicaps, genossenschaftlicher Vermarktung regionaler Produkte, Kulturwerkstatt und mehr. · tw

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