1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz

Das Moor: Vom Brennstoff-Lieferanten zur Klimaschutz-Hoffnung

Erstellt:

Von: Anke Seidel

Kommentare

So wunderschön ist das Moor: Diese Aufnahme zeigt die Wollgrasblüte im Sulinger Moor.
So wunderschön ist das Moor: Diese Aufnahme zeigt die Wollgrasblüte im Sulinger Moor. © Harald Bartels

Der Moorschutz kann Rohstoffe für die Zukunft sichern. Der Landkreis Diepholz ist weiterhin an Flächenankäufen interessiert.

Landkreis Diepholz – Einst war das Moor als Brennstoff-Lieferant unverzichtbar für den Alltag von Menschen. Heute spielt es eine wichtige Rolle im Klimaschutz und ist elementarer Lebensraum für Tiere und Pflanzen. In der Zukunft kann es womöglich zur Einnahmequelle von Landwirten werden – durch Produktion nachwachsender Rohstoffe wie Torfmoos oder Rohrkolben. Aus Letzterem lassen sich Bauplatten herstellen, nennt Detlef Tänzer als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Kreisentwicklung auf Anfrage ein konkretes Beispiel.

Ein Drittel der Diepholzer Moorniederung ist wieder vernässt

Aktuell ist das Moor wieder durch ein Landesforschungsprojekt in den Fokus gerückt, das Landwirtschaft auf Moorböden untersuchen soll – in niedersächsischen Regionen außerhalb des Landkreises Diepholz und der Diepholzer Moorniederung. Dort gehören wissenschaftliche Untersuchungen seit Jahrzehnten zum Alltag – zum Beispiel Forschungsprojekte über nachwachsende Rohstoffe.

Rund 24 000 Hektar umfasst die Diepholzer Moorniederung, die auch Teile der Landkreise Nienburg, Minden-Lübbecke und Vechta umfasst. 8 000 Hektar davon sind mittlerweile wieder vernässt, also im ursprünglichen Zustand des Moores. Hintergrund: Zum Schutz der Moore hat das Land Niedersachsen ein Moorschutzprogramm aufgestellt. Daraus resultiert die Unterschutzstellung von rund 9 600 Hektar Hochmoorfläche – einschließlich Randzonen – im Landkreis Diepholz als Naturschutzgebiet.

Doch es ist ein ehrgeiziges und vor allem arbeitsreiches Unterfangen, den Schutz weiter auszubauen und sich, nach jahrhundertelangen Eingriffen des Menschen, wieder dem ursprünglichen Zustand zu nähern. „Das kann man nicht in wenigen Jahren schaffen“, weiß Detlef Tänzer – und verweist auf die elementare Bedeutung eines intelligenten Wassermanagements: „Man kann alte Entwässerungssysteme nicht einfach schließen.“

Landkreis Diepholz hat 100000 Euro Budget zum Aufkaufen von Moorflächen

Denn noch heute liegen landwirtschaftlich bewirtschaftete Flächen auf Moorböden, vor allem in Randbereichen der Diepholzer Moorniederung. Es bestehen systemische Zusammenhänge – und Veränderungen, so zukunftsweisend sie sein mögen, brauchen einen Konsens zwischen vielen Beteiligten. „Man kann das nicht denken, ohne mit den Landbesitzern zu sprechen“, sagt Detlef Tänzer. Zu ihnen gehören auch Menschen, die extrem kleine und landwirtschaftlich nicht mehr nutzbare Moorflächen in Naturschutzgebieten besitzen.

Genau die kauft der Landkreis seit Jahren über ein spezielles Programm an, das der Kreistag mit einem Budget von 100 000 Euro pro Jahr ausgestattet hat.

Damit aus solchen Mosaiksteinen am Ende zusammenhängende Moorschutzflächen entstehen können, ist Tausch unabdingbar – sprich die Flurbereinigung ein wirksames Instrument. Zurzeit hat der Fachdienst Kreisentwicklung neun Gebiete im Blick. Möglich ist es demnach, zwei bis drei Verfahren pro Jahr abzuwickeln. Denn sie sind zum Teil mit enormem Aufwand verbunden, weil zwischen 150 und 300 verschiedene Eigentümer beteiligt sind – darunter Erbengemeinschaften, „die auf der ganzen Welt verstreut sind“, nennt der Fachdienstleiter ein Beispiel.

Für den Grunderwerb in Schutzgebieten können öffentliche Zuschüsse fließen – wenn es um Schaffung, Wiederherstellung und Entwicklung von Lebensräumen sowie Lebensstätten wild lebender Tier- und Pflanzenarten geht. So lautet das Kriterium des Programms mit dem Titel „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) in Schutzgebieten der Agrarlandschaft.

Internationale Forschungsprojekte widmen sich der ökologischen Nutzung der Moore

Partnerin ist die Stiftung Naturschutz des Landkreises Diepholz. „Sie ist Eigentümerin der Flächen“, erläutert Detlef Tänzer. Zu seinen Aufgaben gehört es genauso, möglichst viel Unterstützung aus öffentlichen Förderprogrammen – ob Bund, Land oder EU – für den Moorschutz in den Landkreis Diepholz zu holen. Und darüber hinaus fundierte Bewirtschaftungs- und Nutzungsmaßnahmen zu ermitteln. Was bereits Inhalt verschiedener Forschungsprojekte gewesen war – zum Teil mit internationalem Charakter, wie das Projekt Canape. Die sechs Buchstaben stehen für „Creating a New Approach to Peatland Ecosystems“. Internationale Partner der Nordsee-Region befassen sich mit der ökologischen Nutzung der Moore.

Ein praktisches Beispiel ist die Torfmoosfarm in Barver mit ihrer Versuchs- und Demonstrationsanlage für die nasse, torf- und klimaschützende Hochmoor-Paludikultur. Einerseits können dort Torfmoose und Rohrkolben als nachwachsende Rohstoffe erzeugt und erprobt werden. Andererseits finden Tiere und Pflanzen, die auf feuchte Moore angewiesen sind, einen idealen Lebensraum.

Auch solche Flächen brauchen Pflege – und noch erfolgt sie auf klassischem Wege über Fahrdämme. Doch schonender wäre eine Drohnen-Lösung in Bodennähe – eine Zukunftsoption. Wie von Detlef Tänzer zu erfahren ist, soll so ein System gemeinsam mit der Privaten Fachhochschule für Wirtschaft und Technik (PHWT) entwickelt werden.

Auch interessant

Kommentare