Eigene Brauerei in Martfeld

„Das Bier lebt“

Torsten Jinczek stellt das „Hausbräu“ in seinem eigenen Brauraum her. „Liebe Dein Bier!“ steht an der Wand. ·
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Torsten Jinczek stellt das „Hausbräu“ in seinem eigenen Brauraum her. „Liebe Dein Bier!“ steht an der Wand. ·

Martfeld - Von Aenne Templin. „Du musst unbedingt Bier brauen“ – dieser Aufforderung eines Freunds ist Torsten Jinczek aus Martfeld sofort nachgekommen.

Er tüftelte erst in seiner Küche, dann in der Garage. Mittlerweile steht er 20 Mal im Jahr in seinem eigenen Brauraum – Tendenz steigend. Pils, Weizen und Spezialbiere gehören zu seinem Sortiment. „Alles handgemacht“, sagt Jinczek stolz. „Und ich habe bislang keinen Fehlversuch beim Brauen gehabt.“

Kollegen, Freunde und Familie sind die größten Abnehmer vom „Martfelder Hausbräu“. Eine Liter-Flasche kostet 2,90 Euro. Was macht das Bier aus? „Es wird nach der ursprünglichen Machart hergestellt“, antwortet der Hobby-Brauer. Das heißt, jeden Handgriff bei der Produktion erledigt er selbst. Und das aus Überzeugung: „Bei jedem technischen Schritt büßt man Qualität ein. Und am Ende gibt es ein Produkt ohne Persönlichkeit.“

Sonnabends ist bei Torsten Jinczek Brautag. Der Elektriker braut mit einem Sud rund 300 Liter Bier in zwölf Stunden. Die Arbeitsutensilien, Kessel und eine automatische Abfüllablage hat er selbst gebaut. „Den Kochlöffel gab‘s bei Ebay. Und im Grunde ist es eigentlich gar nicht schwer, man muss nur wissen, wie es geht“, sagt der Experte.

Jinczek beginnt den Brauprozess mit dem Maischen. Er erhitzt Wasser und fügt geschrotetes Malz hinzu. Unter ständigem Rühren wandelt sich die Stärke in Malzzucker um, dieser wird im Laufe des Maischens zu Alkohol. Der Restzucker, den die Hefe nicht verarbeitet, bleibt im Bier und ist für dessen Geschmack verantwortlich. Die Art des Maischens macht den Geschmack aus. „Das ,Martfelder Hausbräu‘ ist sehr süffig, obwohl es eigentlich ein sehr herbes Bier ist“, sagt der Hobby-Brauer. „Diese Kombination findet man nur selten.“ Das Rezept entstand durch Probieren.

Die flüssige Maische wird in einer Pfanne geläutert. Die Würze, den flüssigen, vergärbaren Teil der Maische, kocht Torsten Jinczek mit Hopfen auf. Anschließend kühlt er die entstandene Flüssigkeit auf die optimale Gärtemperatur und setzt Hefe hinzu. Danach lagert er das Gebräu im eigenen Kühlraum. Dort gärt es im offenen Kessel rund eine Woche. Geringfügige Veränderungen im Brauprozess können laut Jinczek einen riesengroßen Unterschied ausmachen.

Der Geschmack ist außerdem abhängig von den Zutaten. „Wenn der Weizen viel Sonne hatte, schmeckt das Bier hinterher ganz anders. Jedes Brauresultat unterscheidet sich, aber nur in Nuancen“, sagt er.

Die Kohlensäure entsteht bei der Nachgärung im Lagertank, dort bleibt das Bier sechs bis acht Wochen. Danach wird es in Flaschen abgefüllt. Jinczek braut nach dem deutschen Reinheitsgebot – nur mit Wasser, Malz, Hopfen und Hefe.

Er weist darauf hin, dass das Bier „lebt und in der Flasche weitergärt. Konservierungsstoffe sind nicht drin.“ Aber die Flüssigkeit werde nicht schlecht. Das Bier verändere nach sechs Monaten lediglich den Geschmack, sagt Jinczek.

Sein erstes großes Hobby ist das Segelfliegen. Vor etwa vier Jahren kam für den Martfelder das zweite große Hobby dazu. Als ehrenamtlicher Wirt im Flugverein in Verden verknüpft er seine Lieblingsbeschäftigungen: Er schenkt dort seit 2009 auch sein eigenes Bier aus.

„Ein Freund zeigte mir, wie das Brauen geht“, sagt der 48-Jährige. Außerdem treffe er sich regelmäßig mit Gleichgesinnten zum Brauerstammtisch in Hannover. „Und ich habe ein dickes Lehrbuch.“

Mittlerweile reicht sein Brauraum nicht mehr aus, sagt Jinczek. Er plant, ein kleines Häuschen in seinem Garten zu bauen und das Hobby dort auszuüben. „Das Bierbrauen mache ich ausschließlich in meiner Freizeit, aber man möchte ja auch als Rentner noch was zu tun haben“, sagt er schmunzelnd.

Interessierte können das Bier von Torsten Jinczek am Sonnabend, 31. August, bei einem Brauereifest probieren – von 10 bis 18 Uhr an der Elbinger Straße 3a in Martfeld.

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