Jazzfest Stuhr: Artis-Gaga-Quartett und Voodoo Child verzaubern Publikum

Crash der Jazz-Kulturen begeistert überstanden

Die Musiker um Artis Gaga aus Lettland. ·
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Die Musiker um Artis Gaga aus Lettland. ·

Stuhr - Von Sandra HellmersWie vielseitig ein mehrtägiges Musikfest sein kann, bewies am Wochenende wieder das kleine, aber feine Jazzfest Stuhr, das in diesem Jahr schon zum 15. Mal stieg. Diesmal mit einem besonders abwechslungsreichen Abend: Am Freitag zeigten vier bodenständige Letten und vier temperamentvolle Lokalmatadoren ihr Können.

Das Stuhrer Rathaus liegt am Siguldaer Platz, benannt nach der Partnerstadt der Gemeinde, die in der Nähe der Hauptstadt Riga liegt. Wer wäre also besser als Konzertgast geeignet als eine junge Kombo aus Riga? Das lettische Artis-Gaga- Quartett reiste aus dem Baltikum an und präsentierte ein Programm, das unter anderem lettische Volksmusik thematisierte. Der Saxofonist und Bandleader Artis Gaga scharte dabei mit Kristaps Vanadzins (Piano), Edvins Ozols (Kontrabass) und Kaspars Kurdeko (Schlagzeug) drei Landsleute mit großer Musikalität um sich.

Artis Gaga selbst ist ein gefühlvoller Vollblutmusiker mit dem Mut, alles aus seinem Instrument herauszuholen. Volksmusik, modernen Jazz-Sound und diese gewisse Lässigkeit – das bringt das Quartett gekonnt zusammen. „In unseren Stücken geht es oft um unser Land und um die lettische Natur“, erklärte er.

Die Band unterstrich diese Botschaft mit einem erdigen Unplugged-Auftritt. Elektronisch veränderte Klänge stehen bei den Balten nicht auf dem Programm. Dafür entlockte das Quartett dem Stuhrer Publikum Natursounds; es pfiff, rauschte, klickte und raschelte im Rathaussaal, was den Letten ein glückliches Lächeln aufs Gesicht zauberte. „Wir Letten sind ein Sängervolk. Ich dachte, in Deutschland wäre das anders, aber ich muss meine Meinung vielleicht revidieren“, erklärte Artis Gaga mit einem Augenzwinkern.

Nach Zugabe und Umbaupause betrat mit „Voodoo Child“ eine Bremer Institution die Bühne – und katapultierte das Publikum mit Nachdruck ans andere Ende der Jazz-Skala. Mit Funk-Soul-Blues-Jazz-Rock wurde es laut, rhythmisch und schnell. Still sitzen war schwer möglich, weil Tastenkünstler Klaus Möckelmann (Hammond-Orgel, E-Piano, Piano) mit Sängerin Mia Guttormsson, Christian Gorecki (E-Bass) und Mark Wetjen (Schlagzeug) in kürzester Zeit den Saal zum Kochen brachten. Schwül waberte die Hammond-Orgel, kernig trieb der Bass, dynamisch das Schlagzeug – und mit viel Temperament brachte die Schwedin Mia Guttormsson das Kunstwerk mit ihrem Gesang zusammen. Es waren zumeist eigene Songs, die die Band vorstellte. Schließlich überraschte Voodoo Child pünktlich zur Zugabe sogar mit zwei ganz neuen Songs (Möckelmann: „Die müssen wir sowieso noch ein wenig üben“) und verabschiedete sich mit einem musikalischen Dank ans geneigte Publikum, das den Crash der Jazz-Kulturen nicht nur ohne Blessuren, sondern sogar begeistert überstanden hatte.

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