Cord Bockhop fordert Rechtsgrundlage für effizientes Kontrollsystem

Überdüngung mit Gülle – eine fatale Hypothek

„Wasser hat ein langes Gedächtnis“, mahnt Landrat Cord Bockhop.
+
„Wasser hat ein langes Gedächtnis“, mahnt Landrat Cord Bockhop.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. „Was wir dem Wasser antun, das tun wir unseren Kindern an“, mahnt Landrat Cord Bockhop. Grundwasserschutz und Landwirtschaft in die Waage zu bringen, das empfindet er als elementaren Arbeitsauftrag für alle politischen Kräfte. Dabei spielt die Gülle eine entscheidende Rolle – nicht ausschließlich eine negative.

Mehr als dringend notwendig ist für den Landrat ein effektiver Kontrollmechanismus, um Verstöße gegen das ordnungsgemäße Gülle- Aufbringen entlarven und ahnden zu können. Denn überfrachten Landwirte die Böden mit Gülle, beeinflusst das langfristig das Trinkwasser. In 20 bis 30 Jahren gelange das, so Bockhop, „was wir heute dem Wasser antun“, ins Grundwasser – dem Landrat zufolge eine fatale Hypothek für nachfolgende Generationen.

Was ist für ein optimales Kontrollsystem notwendig? „Wir brauchen die Flächengröße und die Güllemenge, die aufgebracht wird“, beschreibt Bockhop entscheidende Parameter, „und wir brauchen die Standorte und das, was darauf angebaut wird.“ Denn genauso, wie Gülle nicht gleich Gülle sei – sprich Rinder- oder Hühnergülle unterschiedliche Zusammensetzungen haben – sei der Nährstoffbedarf bei den verschiedenen Pflanzenarten unterschiedlich. Deshalb müsse ein passgenaues Aufbringen des Wirtschaftsdüngers Gülle gewährleistet sein – damit das, was Pflanzen an Nitrat und Phosphor nicht aufnehmen, nicht in den Boden gelange.

Die entscheidenden Daten müssten deshalb in einem EDV-Programm zusammengeführt werden, um Überdüngung auf einen Knopfdruck sichtbar zu machen. „Es gibt schon so viele Daten. Man muss nicht noch einen Datenfriedhof schaffen“, blickt Bockhop auf die aktuelle Diskussion zum Gülle-Kataster in Niedersachsen. Vielmehr müsse die Rechtsgrundlage dafür geschaffen werden, die vorhandenen Daten zusammenführen zu können. Das fordere der Landkreistag schon seit mehr als zwei Jahren: „Es müsste das Gesetz geändert werden. Wir verstehen nicht, warum das nicht gemacht wird.“

Stattdessen alle Landwirte um freiwillige Einverständniserklärungen zu bitten und die bei jeder Kontrolle wieder abzugleichen, hält Bockhop für kontraproduktiv: „Wir wollen uns nicht selbst verwalten, wir wollen kontrollieren!“

Zwar stehen dem Landkreis Diepholz dafür schon heute entsprechende Mechanismen zur Verfügung, aber die sind an die Baugenehmigung für einen Stall gebunden. Maximal 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar darf der betreffende Landwirt auf seine Flächen aufbringen. Ändert sich der Tierbestand und überschreitet er diesen Wert, verstößt er gegen die Baugenehmigung.

Und das ist nicht nur graue Theorie: Der Landrat weiß von einem Landwirt, der doppelt so viele Nährstoffe auf seine Flächen aufgebracht habe als erlaubt. „Das ist eine Straftat. Das geben wir an die Staatsanwaltschaft weiter“, kündigt Bockhop an. Zum 1. August werde der Landkreis einen weiteren Mitarbeiter für Kontrollen einstellen, sagt er – und warnt: „Wer systematisch gegen die Auflagen verstößt und nachhaltig unser aller Ressourcen Natur und Wasser gefährdet, der handelt in meinen Augen kriminell.“ Denn darunter würden alle Bürger leiden – auch die Landwirtschaft, die ja genauso auf Wasser angewiesen sei.

Wie belastet dieses bereits ist, beweisen Brunnen auf Privatgrundstücken. 115 solcher Kleinbrunnen hat der Landkreis überprüft. Bei 60 Prozent lag die Wasserqualität unter dem Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter. 17 Prozent wiesen Werte bis zu 80 Milligramm Nitrat auf – und weitere 17 Prozent mehr als 90 Milligramm. Der Spitzenwert lag bei 240 Milligramm. Mit solchem Wasser dürfe man weder Gemüsepflanzen sprengen noch Vieh damit tränken, mahnt der Landrat – und betont: „Die Landwirtschaft als Teil unserer Gesellschaft muss sich auch dem Wasser anpassen. Da muss sie klare Kante zeigen!“

Düngen im Einklang mit dem Naturkreislauf: Um das zu erreichen, müsste zwischen Regionen mit intensiver Landwirtschaft und hohen Gülle-Mengen (beispielsweise im Bereich Vechta/Cloppenburg) und solchen mit wenig Vieh (wie in der Hildesheimer Börde) ein Ausgleich geschaffen werden. „Gülle ist Wirtschaftsdünger. Sie sinnvoll zu verwenden, hilft Bürgern und der Landwirtschaft“, sagt Bockhop.

Er ist überzeugt, dass in der kommenden EU-Förderperiode Geld für die Entwicklung zukunftsweisender Gülle-Verarbeitung (wie Trocknung und Pelletierung) bereit gestellt wird. Auch die verantwortlichen Stellen bei Landvolk und Landwirtschaftskammer müssten Mittel beisteuern. Denn zum Grundwasserschutz gebe es keine Alternative: „Wasser ist ein knappes Gut.“ Das habe sich im Landkreis Vechta gezeigt, als die Brunnen-Genehmigung zur Versorgung eines neuen Wohngebietes versagt worden sei.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Meistgelesene Artikel

Austritt wegen 2G im Diepholzer Theater: „Missbillige diese Art der Ausgrenzung“

Austritt wegen 2G im Diepholzer Theater: „Missbillige diese Art der Ausgrenzung“

Austritt wegen 2G im Diepholzer Theater: „Missbillige diese Art der Ausgrenzung“
Dem Hospiz „Zugvogel“ in Sulingen helfen von nah und fern

Dem Hospiz „Zugvogel“ in Sulingen helfen von nah und fern

Dem Hospiz „Zugvogel“ in Sulingen helfen von nah und fern
5 D: Rettung für Schweinehalter?

5 D: Rettung für Schweinehalter?

5 D: Rettung für Schweinehalter?
Wagenfelder erliegt einem Irrtum: Patienten nicht an HzV gebunden

Wagenfelder erliegt einem Irrtum: Patienten nicht an HzV gebunden

Wagenfelder erliegt einem Irrtum: Patienten nicht an HzV gebunden

Kommentare