Vergangenheit der Diakonie Freistatt im Fokus: Dreharbeiten zum neuen Film

„Christlich und brutal“

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Kamerafrau Judith Kaufmann und weitere Mitglieder der Filmcrew zwischen den Aufnahmen im Schlafsaal.

Freistatt - Von Katharina Schmidt. Kaum Licht, stickige Luft und dicht stehende Doppelbetten: In den 60er Jahren ein Schlafsaal für Heimkinder, heute nur noch Kulisse.

Am Originalschauplatz im Haus „Moorhort“ dreht die Produktionsfirma „zum goldenen Lamm“ zurzeit mit rund 50 Kräften einen Kinofilm über repressive Erziehungsmethoden in der Vergangenheit der Diakonie Freistatt.

Der Film zeigt den Weg des jungen Wolfgang, der mit 14 Jahren von seiner überforderten Mutter in das Fürsorgeheim der Diakonie Freistatt abgeschoben wird. Dort soll er zu einem anständigen Jungen „erzogen“ werden. Wolfgang jedoch leistet Widerstand gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen und perfide Erziehungsmethoden des Heimleiters.

Das prämierte Drehbuch stammt aus den Federn von Regisseur Marc Brummund und Nicole Armbruster. Teile der Geschichte beruhen auf den Erfahrungen von Wolfgang Rosenkötter, ehemaliger Zögling der Diakonie Freistatt. Wolfgang wird von Louis Hofmann verkörpert, weitere Rollen übernehmen Alexander Held, Max Riemelt, Stephan Grossmann. Langston Uibel, Anna Bullard, Katharina Lorenz und Uwe Bohm. Kinostart ist voraussichtlich Ende 2014.

„Moorhort“ ist das letzte erhaltene Gebäude des damaligen Fürsorgeheims. Von Anfang an sei es sein Wunsch gewesen, den Film an diesem Originalschauplatz zu drehen, sagt Produzent Rüdiger Heinze. „Geisterhaus“ war der erste Gedanke von Max Riemelt beim Betreten des steinernen Zeitzeugen. „Man fühlt, wie christlich und brutal der Alltag dort war“, sagt der 29-Jährige. Die 20 Sommerdrehtage sind bald beendet, zehn weitere sollen im Winter folgen.

„Bethel im Norden“ (ehemals Diakonie Freistatt) und die Samtgemeinde Kirchdorf unterstützen die Dreharbeiten. Auch die Polizei hilft: Damit Verkehrsgeräusche die Aufnahmen nicht stören, sperrt sie die B 214 zeitweise.

„Alle Komparsen kommen aus der Region“, sagt Produktionsleiterin Janine Hahmann. Oft seien es Zehn- bis 15 Jährige, die extra für den Dreh schulfrei bekommen.

Christoph Nolting, Geschäftsführer von „Bethel im Norden“, begrüßt diese Aufarbeitung der Vergangenheit. Die Jugendfürsorge habe sich grundlegend geändert. Gleichbleibend seien jedoch die Gründe, warum Kinder in Heime kommen. Seine Zeit im Heim belastet Wolfgang Rosenkötter noch heute. Interessiert verfolgt er die Aufarbeitung seiner Vergangenheit: „Das ist für mich Therapie. Es war so intensiv, teilweise sogar stärker, wie es im Film dargestellt wird.“

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