Nach Verkauf des Werkes in Damme: IG Metall diskutiert mit ZF-Mitarbeitern

„Chinesen geht es nicht um schnellen Profit“

Bei der Diskussion über Auswirkungen des Verkaufs der ZF-Gummi-Metall-Kunststoffsparte in Damme an Chinesen auf die ZF-Werke am Dümmer gestern Abend im „Haus Herrenweide“ (von links): Roland Schnabel, Wilfried Hartmann, Thorsten Gröger, Antonius Thölken, Kai Bollhorn und Moderatorin Annette Vogelsang. ·
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Bei der Diskussion über Auswirkungen des Verkaufs der ZF-Gummi-Metall-Kunststoffsparte in Damme an Chinesen auf die ZF-Werke am Dümmer gestern Abend im „Haus Herrenweide“ (von links): Roland Schnabel, Wilfried Hartmann, Thorsten Gröger, Antonius Thölken, Kai Bollhorn und Moderatorin Annette Vogelsang. ·

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Chinesische Investoren in Deutschland sind gar nicht so schlimm, wie mancher Arbeitnehmer meint. Das vermittelte jedenfalls Kai Bollhorn von der Universität Marburg gestern Abend im „Haus Herrenweide“ in Diepholz. Dorthin hatte die Industriegewerkschaft Metall die Belegschaft der ZF-Werke am Dümmer eingeladen. Thema: Die Auswirkungen des Verkaufs der Gummi-Metall-Sparte von ZF in Damme an den chinesischen TMT-Konzern auf die hiesigen ZF-Werke.

Obwohl der Automobilzulieferer in seinen Werken in Dielingen, Diepholz und Wagenfeld etwa 3 000 Mitarbeiter hat, waren nur knapp 50 der Gewerkschafts-Einladung gefolgt. Diese erfuhren Details zum Verkauf des Werkes und zu offenbaren Veränderungen der Unternehmenskultur im bislang „familiären“ ZF-Konzern.

Interpretiert man Ausführungen von Gewerkschaftern, bergen diese laufenden internen Veränderungen bei ZF mit zunehmender Ausrichtung auf die Zentrale in Friedrichshafen und weg von der Kultur eines Stiftungs-Unternehmens möglicherweise langfristig mehr Unsicherheiten für Mitarbeiter als für die Dammer Kollegen der Verkauf an den Investor aus China.

Andere Firmen hätten mit solchen Übernahmen bislang recht gute Erfahrungen gemacht, umriss Kai Bollhorn die Situation von an Chinesen verkauften deutschen Unternehmen, die er im Rahmen des Projekts BRICINVEST der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschafts-Bundes (DGB) befragt hatte.

Chinesischen Firmen gehe es bei Investitionen in Deutschland nicht um schnellen Profit, denn Kapital hätten sie reichlich. „Sie haben langfristige betriebs- und volkswirtschaftliche Interessen“, führte Kai Bollhorn aus.

Die chinesischen Unternehmen seien auf deutsche angewiesen, weil sie nicht selbst die vom Weltmarkt gewünschte Qualität bieten könnten, weil ihnen das Netzwerk fehle und weil sie keinen Namen hätten.

Die Qualitätsprobleme rührten unter anderem daher, dass eine erfahrene Belegschaft in China fehlt, denn Mitarbeiter wechseln schon nach wenigen Monaten oder Jahren immer wieder das Unternehmen. In Deutschland würden sich die chinesischen Eigentümer nicht in das operative Geschäft einmischen, sondern dieses den heimischen Managern überlassen. Es gebe bei befragten Unternehmen lediglich etwa zwei Verbindungsleute aus China pro tausend deutsche Beschäftigte.

Bei der zweistündigen Gewerkschafts-Veranstaltung hörten die Teilnehmer auch Berichte über die für Dammer ZF-Mitarbeiter kämpferischen und angstvollen Monate nach Bekanntwerden der Verkaufsabsichten Mitte 2013.

Den Konflikt aus Sicht der Beschäftigten beschrieb Antonius Thölken, Betriebsratsvorsitzender ZF CR Damme.

Wilfried Hartmann vom IG-Metall-Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt informierte über die umfangreichen Beschäftigungssicherungs-Vereinbarungen für die 1000 nun ehemaligen ZF-Mitarbeiter in Damme, die der Betriebsrat mit Unterstützung der Gewerkschaft durchgesetzt habe und die bis Ende 2018 gelten.

Roland Schnabel (Diep holz), Betriebsratsvorsitzender von ZF Dielingen, beschrieb die Lage nach dem Verkauf für die ZF-Werke am Dümmer aus Sicht der Belegschaft. „Wir haben gemeinsam mit CR (Damme) viele Sachen entwickelt“, sah er die Gefahr eines Know-how-Transfers nach China.

Menschlich sei durch den Verkauf das Vertrauen in ZF genommen worden. Schnabel sah das ZF-Image „ziemlich angekratzt“.

Betriebsrat und Gewerkschaftler blickten gestern Abend auch nach vorn. Zurzeit werden die 1000 früheren ZF- und baldigen TMT-Mitarbeiter in Damme vom ZF-Haustarifvertrag in den Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie übergeleitet.

Betriebsratsvorsitzender Antonius Thölken berichtete von guten Gesprächen mit den chinesischen Neu-Eigentümern des Werkes.

Die Teilnehmer der IG-Metall-Veranstaltung nutzten auch die Gelegenheit, die Gewerkschafts- und Betriebsratsvertreter bei der von der Journalistin Annette Vogelsang moderierten Diskussion nach Details und Einschätzungen zu befragen.

Offen blieb die Frage, die Thorsten Gröger von der IG Metall Nienburg-Stadthagen stellte: Wenn nun die offenbar wirtschaftlich nicht so gut dastehende Gummi-Metall-Kunststoffsparte verkauft ist, welches der ZF-Werke hat jetzt die „rote Laterne“?

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