Gesundheitsausschuss einmütig für Zuschuss-Erhöhung

Café Pause gerettet

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Diepholz - Von Anke Seidel. Sucht – 1 350 Menschen im Landkreis Diepholz müssen mit dieser Last leben und suchen einen Ausweg, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Das stellte Margret Lange von der Suchtberatung des Diakonischen Werkes gestern im Fachausschuss für Gesundheit, Jugend und Soziales klar. Denn soviele Menschen hatten bei den Suchtberatungsstellen im Landkreis Hilfe gesucht – die meisten, um sich von ihrer Alkoholabhängigkeit zu lösen. Wie die Suchtberatungsstellen im Landkreis vernetzt sind, das erklärte Hans Kaluza (Caritas), während Florian Elsner (Release) die elementare Bedeutung der Prävention klarstellte.

Quer durch alle Fraktionen signalisierten die Ausschuss-Mitglieder unter Leitung von Michael Albers (SPD), mehr Geld für die Prävention bereit stellen zu wollen. Nur über die Strategie gab es eine lebhafte Diskussion bis zum politischen Kompromiss. Ohne wenn und aber waren sich die Fraktionen aber einig darin, das von Release getragene Café Pause in Bassum erhalten zu wollen. Alle Ausschuss-Mitglieder stimmten der Erhöhung des Zuschusses von 8 000 auf 9 600 Euro zu. Es war Dirk Wehrbein (SPD), der im Schulterschluss mit seiner Fraktionskollegin Gabriele Beständig um Unterstützung für diese Einrichtung warb.

Der Suchtmediziner und SPD-Kreistagsabgeordnete Dr. Christoph Lanzendörfer hatte während der internen politischen Beratungen längst auf die enorme Bedeutung dieser Einrichtung hingewiesen. Dr. Lanzendörfer gegenüber dieser Zeitung: „Das Café Pause ist eine überörtliche Einrichtung, die letztlich örtlich an die einzige Substitutionspraxis im gesamten Landkreis gebunden ist.“

Aus dieser Praxis würden 64 Betroffene die Beratung im Rahmen der PSB (Psychosoziale Begleitung, Pflicht für Substituierte) im Café Pause wahrnehmen – fünf aus Bassum, neun aus Bruchhausen-Vilsen, sechs aus Kirchdorf, sieben aus Sulingen, 20 aus Syke, zwölf aus Twistringen und fünf aus Weyhe. „Wird den Klienten dieser kurze Weg genommen, dann wäre das für die meisten verheerend“, erläuterte Dr. Lanzendörfer, denn für die erforderliche PSB gebe es keinen adäquaten Ersatz.

Eine Lanze für das Café brach Hermann Niederwestberg (Grüne), auch Christian Porsch (Freie Wählergemeinschaft) sprach sich für den Erhalt der Bassumer Einrichtung aus.

Vorsichtiger bewertete Porsch – ebenso wie Vertreter der CDU, der FDP und der Grünen – einen zweiten Antrag der Sozialdemokraten. Als ihr Sprecher schlug Dirk Wehrbein gestern im Diep holzer Kreishaus vor, einen neuen „Topf“ für die Präventionsarbeit im Landkreis Diepholz einzurichten und mit 40 000 Euro zu füllen. Daraus sollen konkrete Präventionsprojekte gefördert werden – mit bis zu 20 000 Euro pro Projekt.

„Prävention ist besser als heilen“, stellte Rolf Husmann als Fraktionschef der FDP fest, wollte aber noch keine konkreten Summen festlegen. Zunächst solle die Verwaltung Kriterien für eine Förderung erarbeiten. Ulrich Püschel (CDU) setzte dem „Topf“-Antrag den Vorschlag entgegen, den Präventions-Einrichtungen Diakonisches Werk und Release jeweils 20 000 Euro zur Verfügung zu stellen.

Stephan Kawemeyer (CDU) hielt das alles für verfrüht. Er erinnerte an den Antrag von Release, der die ganze Debatte überhaupt erst ausgelöst hatte: Diese Einrichtung hatte einen pauschalierten Personal- und Sachkostenzuschuss in Höhe von 25 000 Euro gefordert. Zunächst müsse dieser Antrag vom Tisch, so Kawemeyer – formal also erst abgelehnt werden, so Kreisrätin Inge Human, bevor über den Präventionszuschuss und den Auftrag an die Verwaltung abgestimmt werden könne. Weil die drei Suchtberatungsstellen noch in der Sitzung signalisierten, gemeinsam einen neuen Antrag stellen zu wollen, wurde die konkrete Entscheidung auf die Juni-Sitzung verschoben.

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