Wildnispädagoge Björn Hombergs bringt Interessierten Sprache der Vögel näher

Wer zwitschert und piept denn da?

Björn Hombergs (Mitte) lehrte Frauen und Männern, aufmerksam durch den Wald zu gehen und empfahl ihnen einige Bücher. - Foto: Pleuß

Hoyerhagen - Von Alina Pleuß. Neben dem Rauschen der Baumkronen gibt es in den Wäldern noch andere Klänge, denen es zu lauschen lohnt: Amseln, Meisen und viele andere Singvögel unterhalten sich miteinander. Wie dies geschieht und wie man die Sprache der Vögel lernen kann, erklärte Björn Hombergs während einer Führung am Samstagvormittag im Waldgebiet Sellingsloh.

Bei Sonnenschein nahmen die mehr als 20 Teilnehmer auf einem kleinen Hügel Platz und lauschten den Erzählungen von Björn Hombergs, Wildnispädagoge und Gründer der Wildnis- und Survivalschule Schattenwolf. Der ehemalige Biologie- und Musiklehrer erklärte, dass man anhand der Vogellaute erkennen kann, was im Wald vor sich geht.

Bevor die Gruppe Vogellaute bestimmen durfte, bekam sie vom Experten eine Einführung in das Leben der Singvögel. Die sogenannten Passeriformes (Sperlingsvögel) zeigen zu jeder Jahreszeit neue Verhaltensmuster. Zu Beginn des Jahres, wenn die Zugvögel aus ihren Winterquartieren zurückkehren, steigt der Gesang an und die Reviere werden abgesteckt. Im weiteren Verlauf des Jahres setzt dann die Brutzeit ein. Im Sommer kommen die Jungen auf die Welt, deren Versorgung die volle Konzentration der Eltern fordert. „Das ist oft Stress pur, da die Jungvögel alle zehn Minuten Nahrung benötigen“, erklärte Hombergs. Im späten Sommer brüten einige Vogelarten ein zweites Mal. Zu Beginn des Herbstes fressen sich die Vögel Fettreserven an oder starten ihre Reise in den Süden.

Zwischen den Erläuterungen des Wildnispädagogen hakten die Besucher immer wieder interessiert nach. Doch so einfach machte Hombergs es den Führungsteilnehmern nicht: „Nur wenn man die Antwort selbst erkennt, bleibt sie im Kopf hängen.“ Laut Hombergs sollte man eigene Erfahrungen machen. So lerne man am besten. Auf Fragen wie „Wer hat denn da gepiepst?“ antwortete er mit Gegenfragen: „Wo kamen die Laute denn her? Hoch aus dem Baum? Wie sah der Vogel aus?“ Das Erlernen von Vogelstimmen sei schwer, und es brauche Zeit, erläuterte Hombergs.

Durch seine Weiterbildung zum Wildnispädagogen habe er unter anderem gelernt, sich so zu bewegen, dass die Vögel ihn nicht mehr wahrnehmen.

„Wir modernen Menschen gucken beim Laufen nur auf den Weg vor uns, fokussieren alles und denken nach. Und dadurch bekommen wir unsere Umwelt im Wald nicht mit. Wenn die Vögel uns bemerken, fliehen sie. Je mehr man lernt, seine Aufmerksamkeit nach außen zu verlagern, umso intensiver ist die Wahrnehmung.“

Führungsteilnehmerin Regina Isler-Kondermann zeigte sich begeistert von dem Grundkonzept. Es sei ihre erste Vogelerkundungstour. In ihrer Kindheit sei sie oft im Waldgebiet Sellingsloh gewesen. Sie habe Interesse daran, die Schönheit der Natur zu bewahren. Einige Teilnehmer nahmen an der Führung teil, um dem Stress des Alltags zu entkommen. Sie empfanden das Treiben der Vögel als Entspannung. Eine Teilnehmerin erklärte: „Für mich zwitschern die Vögel nicht, es sind Gesänge.“

Neben den je nach Jahreszeit unterschiedlichen Verhaltensmustern lehrte Hombergs den Besuchern auch die fünf Rufarten der Singvögel: das Lied, der Kontakt-Ruf, der sogenannte Männer-Streit, der Bettelruf und der Alarm. Der bedrohlichste Alarm der Vögel sei der, den die Menschen meist gar nicht mehr wahrnehmen: die Stille. Wie auf ein Stichwort ertönte um 12 Uhr die Probesirene der Feuerwehr. Und siehe da: Im Wald kehrte plötzlich Stille ein. „Die Vögel sind immer da oben, und sie sehen alles, zum Beispiel den Jogger oder den Fuchs. Darüber tauschen sie Informationen aus“, sagte Hombergs.

Jeder Teilnehmer erhielt einen umfangreichen Einblick in das Leben der Vögel. Zudem hinterfragte jeder die eigene, moderne Welt. „Es gibt nicht nur unsere Welt und den Wald. Wir sind ein Teil davon“, sagte Hombergs. „Menschen haben heutzutage wenig Kenntnis vom Wald und der Natur. Meine Aufgabe ist es, den Menschen Respekt vor der Natur zu lehren.“

Am Ende der Führung gab der Wildnispädagoge Tipps zum Lernen mit Büchern, obwohl dies nicht der optimale Weg sei. Letztendlich lehre uns die Natur. „Am Besten geht man raus, sucht sich einen gemütlichen Platz, sitzt da eine Weile und beobachtet einfach.“

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