Nabu-Experte referiert über Wegeseitenräume

Zwischen Elend und Verheißung

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Uwe Baumert

Ochtmannien - „Wegeseitenräume – Elend und Verheißung“ lautet der Titel eines Vortrags, den Uwe Baumert am Mittwoch, 9. August, um 19.30 Uhr im Gasthaus Puvogel in Ochtmannien (Bremer Straße 5) hält. Der Referent ist stellvertretender Landesvorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu) Niedersachsen und in vielen Bereichen des Naturschutzes aktiv.

Die Besucher erwartet ein Vortrag mit Bildern, Daten und Fakten. Anschließend können sie Fragen stellen. Die Veranstalter, der Grünen-Ortsverband Bruchhausen-Vilsen und die Samtgemeindefraktion der Partei, laden alle Interessierten zu dem Abend ein. Der Eintritt ist kostenlos.

Für Baumert ist der zunehmende Schwund an artenreichen Wegeseitenräumen alarmierend. „Viele der ehemals bis zu 16 Meter breiten Wege sind zu vier bis sechs Meter breiten Fahrstreifen verkommen – teils durch Reduzierungen im Zuge von Flurbereinigungen, teils durch Umpflügen“, erklärt der 74-Jährige und spricht von „öffentlichem Gut unter privatem Pflug zum Schaden der Gesellschaft“. Nur striktes Vorgehen könne die Flächen für Mensch und Natur zurückholen.

Auch die Grünen sehen Handlungsbedarf: „Der Rückgang von Insekten, Blühpflanzen und vielen anderen wild lebenden Pflanzen und Tieren ist in Deutschland in den vergangenen Jahren zu einem ernsten Problem geworden“, sagen Hildegard Grieb, Mitglied der Samtgemeindefraktion, und Bernd Schneider, Sprecher des Ortsverbands. „Unübersehbar ist auch der lokale Schwund von am Boden brütenden Vögeln oder das Verschwinden ursprünglich häufiger Wiesenvögel – bei immer weniger werdenden natürlichen Lebensräumen kein Wunder.“

Wichtiges Grün am Wegesrand

Die Grünen betonen: „Wegerandstreifen und Hecken haben in landwirtschaftlich geprägten Regionen für den Naturhaushalt eine besondere Bedeutung. Öffentliche Saumbiotope entlang von Gemeindewegen sowie Bächen und Gräben spielen im Zuge des Rückgangs von Grünland und der damit einhergehenden Vergrößerung von Ackerflächen eine zunehmend wichtigere Rolle.“ Ihnen gehe es nicht nur ums Thema untergepflügte Seitenränder, betonen Grieb und Schneider. Wichtig sei auch die Frage, wie Wegeseitenräume zu unterhalten sind, wie sie aussehen und welchen Lebensraum sie bieten sollen.

Kann die Vielfalt der Tiere und Pflanzen, die sich in der Vergangenheit in unserer Kulturlandschaft entwickelt haben, noch gerettet werden? Auf diese Frage antwortet Fachmann Baumert in Ochtmannien.

Nach seinen Angaben ist in den vergangenen Jahren in Niedersachsen Bewegung in das „Elend“ gekommen. Wegeseitenräume seien inzwischen vielerorts als wichtige Naturräume, als wahre Kleinode erkannt worden, ökologisch wertvoll für Insekten, Vögel und Kleinlebewesen, aber auch Hasen und Rebhühner sowie seltene Pflanzen wie Melde, Kamille, Schafgarbe.

Gleichzeitig erkennt Baumert ein „gestörtes Verhältnis zu Recht und Gesetz“ in den Äußerungen mancher Landwirte, wenn es um von ihnen untergepflügte Wegeseitenräume geht: „Als der Nabu endgültig zum Angriff blies, gab es erschütternde Aussagen wie ,Nutzung von Wegeseitenräumen ist Gewohnheitsrecht‘ oder ,Die Landwirte haben die Flächen angemeldet und erhalten dafür EU-Direktzahlungen. Wer ersetzt bei Wegnahme den Einkommensverlust!?‘“

Ein Thema, das für Zündstoff sorgt. Im Anschluss an den Vortrag können die Zuhörer mit Uwe Baumert diskutieren. Sein Grundsatz lautet übrigens: „Ich suche Wege; wer verhindern will, sucht Gründe. So auch beim Konfliktbereich Wegeseitenränder.“ J mah

www.boerdeoste-woerpe.de/archiv/themen-und-projekte-2007-bis-2013/natur-und-umwelt

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