Zurücklehnen und zuhören

„Martfelder Literaturtage“ begeistern mit Märchen und anderen Geschichten

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Zum Auftakt der „Martfelder Literaturtage“ las Lukas Langstädtler Märchen in der Fehsenfeldschen Mühle.

Martfeld - Von Regine Suling. Kein Display blinkte unruhig, kein Fernseher flimmerte. Stattdessen steckten Menschen ihre Nase in Bücher und ließen die Seiten knistern. Wiederum andere lauschten ihnen gleichermaßen konzentriert wie gespannt. Vorlesen und zuhören: Das war drei Tage lang das Motto, als die „Martfelder Literaturtage“ am vergangenen Wochenende dazu einluden, sich auf Bücher und ihren Inhalt einzulassen.

Den Auftakt bildete Lukas Langstädtler am Freitagnachmittag. In der heimeligen Atmosphäre der Fehsenfeldschen Mühle las er vor einem guten Dutzend Zuhörerinnen und Zuhörer alte deutsche Märchen für Erwachsene und Kinder. Es waren jedoch eher die Erwachsenen, die mit einem Schmunzeln auf den Lippen der Geschichte von „Hans im Glück“ lauschten.

Auch „König Drosselbart“ las Langstädtler vor. Das Märchen von der Königstochter, der kein Mann als potenzieller Gatte recht war. „Kurz und dick, der hat kein Geschick“, urteilt sie abfällig. „Der hat ein Kinn wie eine Drossel einen Schnabel“, sagt sie abschätzig über einen weiteren Mann. Jeden verhöhnt sie – und schließlich verheiratet ihr Vater sie mit einem armen Bettelmann. Sie merkt, wie unfähig sie ist, im normalen Leben zu bestehen, und jammert: „Ach, hätt‘ ich arme Jungfer doch genommen den König Drosselbart!“ Schließlich entpuppt sich der verarmte Spielmann als König Drosselbart – und beide feiern Hochzeit.

Anschließend präsentierte Lukas Langstädtler ein weiteres Märchen aus dem Band der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: das „Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“. Wie ist es, wenn man sich gruselt? Das versucht ein Vater einem seiner beiden Söhne zu vermitteln. Kein leichtes Unterfangen, wie sich schnell zeigt. Er hört von einem Spukschloss: Wer darin drei Nächte verbringe, bekommt die Prinzessin zur Frau. Der Junge fürchtet sich nicht vor halbierten Menschen und schwarzen Katzen, die mit ihm Karten spielen wollen. Und gruselt sich auch nicht davor, als er eine Nacht mit einem Toten im Sarg liegt, um diesen zu wärmen. Er heiratet schließlich die Prinzessin. Erst als diese ihm eines Nachts einen Eimer mit kaltem Wasser und Fischen darin ins Gesicht schüttelt, gruselt es ihn zum ersten Mal in seinem Leben.

Sich zurücklehnen, einfach mal in Ruhe zuhören und das Bild vor dem inneren Auge und nicht auf einem Bildschirm erscheinen zu lassen – das macht die „Martfelder Literaturtage“ aus. Insgesamt acht Veranstaltungen zählten zum Reigen der thematisch bunten Lesungen. Axel Hillmann las Heinrich Böll, Hermann Meyer-Toms Theodor Storm und Dorothea Küttner Tiziano Terzani. Ein Klassiker war und ist auch das Literatursofa, zu dem man spontan kommen konnte: zum Vorlesen oder sich vorlesen lassen. Auch die Literatur-Orte waren ganz unterschiedlich: In der Fehsenfeldschen Mühle gab es genauso Lesungen wie in privaten Wohnzimmern, auf dem Biohof Meyer-Toms oder auf dem Hof Söffker in Kleinenborstel. Dort verriet Algeth Weerts mehr darüber, was auf dem Floß der Medusa geschah. Und Regina und Wilfried Nordbruch lasen gemeinsam mit Heinrich Gräpel aus „Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“, einem Buch, in dem ein Auswanderer in Briefen an seinen alten Lehrer von seinem Leben erzählt.

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