„Es wurde einfach zu viel“

Mit Zahnarzt Lukas Langstädtler verliert Schwarme einen weiteren Mediziner

Schwarme - Von Karin Neukirchen-Stratmann. Zahnarzt Lukas Langstädtler aus Schwarme hat zum 30. Juni dieses Jahres seine kassenzahnärztliche Tätigkeit beendet. Ab sofort ist er als Privatzahnarzt in der Schwarmer Praxis an der Hoyaer Straße erreichbar, aber auch das nur noch bis zum 30. November. Damit verliert Schwarme einen weiteren Mediziner. „Ich muss auch an meine eigene Gesundheit denken, es wurde einfach zu viel“, begründet Lukas Langstädtler den Schritt. Seit 20 Jahren praktiziert er in Schwarme, seit zehn Jahren alleine.

Einfach weniger Patienten zu behandeln, das sei für ihn keine Option. „Wie soll ich zwei Dritteln erklären, dass ich sie nicht mehr behandeln kann? Für mich war und ist immer entscheidend gewesen, den Menschen zu helfen.“ Pläne für die Zeit nach der Praxis hat der Zahnarzt derweil schon gemacht. „Ich möchte Fachartikel und Fachbücher schreiben. So kann ich auch Menschen helfen, denn ein Buch kauft man sich ja nur, wenn einen das Thema interessiert.“

Seit Anfang Januar sucht Lukas Langstädtler aktiv einen Nachfolger. „Am besten sogar zwei. Das wäre optimal. Interessenten gibt es auch schon, aber noch nichts Konkretes.“ Jungen Kollegen würde er dann weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen, „etwa so wie ein Altenteiler in der Landwirtschaft.“

Doch nicht nur ein Zahnarzt-Nachfolger fehlt, auch in der Praxisgemeinschaft der Allgemeinmediziner Peter Rösner und Elisabeth Müller-Menckens gebe es wenig Aussicht auf einen Ersatz für Dr. Günter Bode, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand ging. „Es wird in absehbarer Zeit keinen Nachfolger für den Kollegen Bode geben, dafür haben sich die Rahmenbedingungen für die hausärztliche Versorgung auf dem Land zunehmend verschlechtert, in Anbetracht der realen Wochenarbeitszeiten, die sogar in den Sommermonaten weit über 50 Stunden liegen. In den Wintermonaten sind es im Übrigen beträchtlich mehr, da sind 80 Stunden und mehr keine Seltenheit“, beklagt Peter Rösner.

Nachbesetzung in Praxen ein Problem

„Im Zeitalter von Budgetierungen und diversen sinnlosen Reglementierungen, ist diese Ausgangssituation für interessierte junge Kollegen in Anbetracht von Arbeitsaufwand und realistischen Verdienstmöglichkeiten, nicht besonders attraktiv. Die Folge sind weitere Praxisschließungen von Kollegen, die das Rentenalter bereits überschritten haben und keine Nachfolger gefunden haben, was wiederum zu vermehrter Arbeitsbelastung der verbleibenden Kollegen führt“, erklärt der Arzt Rösner.

Immer mehr Ärzte beklagen sich laut Rösner über diese Situation. Nachfolger für Praxen zu finden wird zunehmend schwieriger. Das bleibt nicht ohne Folgen für die verbleibenden Ärzte. „Es gibt schon einige Regionen hier in der Gegend wie zum Beispiel Dörverden, die so gut wie keine hausärztliche Versorgung mehr anbieten können, da alle Kollegen in Dörverden keine Nachfolger finden konnten, die auch geblieben sind. So sind wir häufig mit der Situation konfrontiert, dass Menschen aus dem Großraum Verden, Dörverden, Thedinghausen und Bruchhausen-Vilsen verzweifelt auch bei uns in Schwarme nach einem neuen Hausarzt suchen. Sie bekommen überall die gleiche Antwort: dass aufgrund von drohenden Versorgungsengpässen keine neuen Patienten mehr aufgenommen werden könnten“, erklärt Peter Rösner. Er sieht keine Erfolge der gesundheitspolitischen Arbeitskreise zur Verbesserung der pflegerischen und medizinischen Versorgung auf dem Land. „Wir ,merkeln‘ uns von Legislaturperiode zu Legislaturperiode ohne brauchbare und effektive Lösungen zu dieser Thematik.“

Auch Wirtschaftsförderin Uta Seim-Schwartz ist am Thema ärztliche Versorgung und Nachbesetzung von Praxen dran. „Wir sind eine der ersten Gemeinden, die in einem Verbund Aktionen zur Ärztegewinnung mit der Kampagne ,Ärztlich Willkommen‘ gestartet haben. Eine Kommune kann aber auch immer nur bedingt Einfluss nehmen. Wir arbeiten eng mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen in Verden zusammen und tauschen uns regelmäßig aus, um auf dem aktuellen Stand zu sein“, sagt die Wirtschaftsförderin. Sie räumt ein: „Leider gelingt die nahtlose Übergabe der Praxen in Zeiten des Landärztemangels nicht immer so wie vor einigen Zeiten bei der Nachbesetzung der Praxis in Asendorf mit dem Ärztepaar Dres. Müller/Müller-Gongol.“

Für Schwarme sei es das Bestreben, wieder einen Zahnarzt zu finden. „Wir gehen davon aus, dass es für die langjährige positiv bewertete Praxis an einem gut gelegenen Standort eine Nachbesetzung geben wird“, sagt Uta Seim-Schwartz.

Rubriklistenbild: © dpa

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