Telefonzelle in Uenzen

Die kleinste Bücherei der Samtgemeinde kommt gut an

+
Carola Delventhal (Mitte) hatte die Idee zur Bücherzelle und verwirklichte sie mit Unterstützung des Heimatvereins – hier vertreten durch Elke Benjes (links) und Cathrin Brümmer (rechts) vom Vorstand.

Uenzen - Von Vivian Krause. Öffnet man die Tür der dunkelblauen Telefonzelle am Wiethoop 15 in Uenzen, riecht es nach gesägtem Holz. Die für den Geruch verantwortlichen Bretter tragen schon seit mehr als einem Jahr rund 150 Bücher in der umgebauten ehemals gelben Kabine, in der einst zum Telefonhörer gegriffen wurde. Jetzt dient sie als kleine Bücherei für die Einwohner – aber auch für alle anderen Interessierten.

„Es ist schon zweimal passiert, dass Leute von auswärts auf dem Weg zur Arbeit hier angehalten haben“, sagt Carola Delventhal. Und fügt an: „Die Bücherzelle wird sehr gut angenommen.“ Sie sei ein Selbstläufer.

Delventhal hatte die Idee für die wohl kleinste Bücherei der Samtgemeinde. Und zwar beim Startpunkt ihrer rund zweiwöchigen Pilgerreise am Kloster in Loccum. Dort entdeckte sie einen Bücherschrank. Sie liest selbst gerne, vor allem Bücher rund ums Reisen, schafft es aber oft nicht zu den Öffnungszeiten in die nächstgelegene Bücherei in Bruchhausen-Vilsen. Wieder zu Hause, stellte die Uenzerin, die Mitglied im Heimatverein ist, diesem ihre Idee vor.

Mit den Vorstandsmitgliedern Elke Benjes und Cathrin Brümmer hatte sie gleich zwei Lesebegeisterte an ihrer Seite. „Der Heimatverein hat alles bezahlt“, sagt Benjes. Also die Telefonzelle und das Material für den Umbau. Die handwerklichen Arbeiten wurden auf ehrenamtlicher Basis durchgeführt.

Telefonzelle bei E-Bay entdeckt

Eine ausgediente Telefonzelle fand Delventhal über das Portal „E-Bay Kleinanzeigen“ für 250 Euro. In etwa die gleiche Summe investierte der Verein beispielsweise in Farbe, Holz und zwei Glasscheiben. Die Telefonzelle hatte vorher in einer Jugendherberge gestanden, war Rot gestrichen worden, und es fehlten zwei Fenster. Vielleicht der Grund für den günstigen Preis, mutmaßen die Uenzerinnen. Normalerweise würde man rund 900 Euro für so ein Exemplar bezahlen. Mithilfe eines Anhängers und eines Treckers fand das Stück seinen Weg von Rotenburg (Wümme) nach Uenzen, neben den Eingang des Dörphus’ Ole Uenzer Volksbank.

Carola Delventhal und ihr Mann, Tischler Fritz Ehlers, kümmerten sich um das Innere; Günther Beinlich strich die Zelle von außen an. Bei der Farbe einigte man sich schnell auf den Blauton, den auch das Dörphus trägt.

Rund 30 Bücher stellte Delventhal zu Beginn in die Regale, dann füllten sie sich fast wie von selbst. Nach der Eröffnung im Herbst 2016 hat die Zelle nicht nur etliche Besucher empfangen, sondern auch den Sturm „Xavier“ im Oktober vergangenen Jahres überstanden. „Da ist sie umgekippt“, erinnert sich Benjes. Kaputt gegangen ist zwar kaum etwas, ein neuer Anstrich wird aber im kommenden Sommer dadurch notwendig sein.

Reger Verkehr, kein Vandalismus

Apropos Schäden: Vandalismus gab es bis jetzt keinen in oder an der Bücherzelle, die 24 Stunden, sieben Tage die Woche, zugänglich ist. Regen Verkehr von Buchliebhabern aber schon. „Einmal musste ich sogar Schlange stehen, wie vor einer richtigen Telefonzelle“, sagt Benjes und lacht. Sie ist ständiger Gast, nimmt mal drei Bücher mit und stellt dafür ausgelesene Werke zurück in eins der Regale.

Diese seien nach dem Grundsatz „den Raum möglichst gut nutzen“ eingebaut worden. Die Bretter an der rechten Seite sind laut Carola Delventhal auf die Größe von DVDs und CDs zugeschnitten. Diese suche man aber oft vergeblich. „Das läuft im Nehmen sehr gut, aber im Geben irgendwie nicht so“, sagt sie lachend. „Aber das ist ja auch okay“, fügt Cathrin Brümmer an. „Das ist ja alles freiwillig.“

An der Tür der Bücherzelle sind die Regeln festgeklebt. Jeder kann kostenlos Bücher, CDs oder DVDs leihen und dann behalten oder zurückbringen und auch andere Exemplare hineinstellen. Aber nur so viel, wie in den Regalen Platz ist.

Einmal im Monat wird aussortiert. „Dann ist Altpapier“, sagt Carola Delventhal. Sie macht bei ihren regelmäßigen Besuchen der Zelle Fotos der Bücher. Die Exemplare, die nach zwölf Wochen noch immer dort stehen, werden aussortiert, sagt sie.

Das Konzept der Bücherzelle funktioniert, die Ideengeberin ist sehr zufrieden. „Es ist toll, dass es immer neue Bücher gibt“, sagt Elke Benjes.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

UN: 5000 Menschen fliehen aus kurdischer Enklave Afrin

UN: 5000 Menschen fliehen aus kurdischer Enklave Afrin

Die Emanzipation des Wurzelgemüses

Die Emanzipation des Wurzelgemüses

DS DS7 Crossback im Test: Pretiose aus Paris

DS DS7 Crossback im Test: Pretiose aus Paris

Online auf hoher See: Als IT-Managerin an Bord

Online auf hoher See: Als IT-Managerin an Bord

Meistgelesene Artikel

ASB auf Expansionskurs: Fahrdienst nun am Heldenhain

ASB auf Expansionskurs: Fahrdienst nun am Heldenhain

Gemüseanbau in Donstorf: Der Hollerhof soll im Frühjahr starten

Gemüseanbau in Donstorf: Der Hollerhof soll im Frühjahr starten

Syker Schützen schießen zu selten

Syker Schützen schießen zu selten

Ortsfeuerwehr Eydelstedt tagt erstmals mit neuen Kameraden aus Dörpel

Ortsfeuerwehr Eydelstedt tagt erstmals mit neuen Kameraden aus Dörpel

Kommentare