Verein sucht ehrenamtliche Helfer

Umsiedlung von Afghanen nach Bruchhausen-Vilsen: „Wir wissen nicht, wie viele kommen“

Imke Dirks.
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So kann Ehrenamt aussehen: Imke Dirks betreut Kinder von afghanischen Migranten bei einem Spielenachmitttag in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Das Bild stammt aus der Zeit vor der Pandemie.

Der Verein „Lebenswege begleiten“ hilft afghanischen Einwanderern, sich in ihrer neuen Heimat Bruchhausen-Vilsen zurechtzufinden. Zwei Familien sind bereits mit dem Flugzeug angekommen. Die Ehrenamtlichen suchen derzeit Unterstützung, um den Zugereisten beim Ankommen zu helfen.

Br.-Vilsen – Seit dem Abzug der internationalen Schutztruppe aus Afghanistan im Sommer, wollen immer mehr Afghanen ihr Land verlassen. Viele sehen dort für sich und ihre Familien keine Zukunft mehr. Als sogenannte Ortskräfte, die für die Bundeswehr, andere deutsche Behörden oder Unternehmen gearbeitet haben, fürchten sie nun Verfolgung durch die neuen Machthaber im Land – den Taliban.

Für viele Afghanen heißt ihr Ziel Deutschland. Der Verein „Lebenswege begleiten“ in Bruchhausen-Vilsen empfängt diese Menschen mit offenen Armen und sucht für diese Arbeit weitere ehrenamtliche Helfer. Sie wollen den Einwanderern aus Afghanistan, die erleichtert einen dauerhaften Aufenthaltsstatus erhalten, das Ankommen in ihrer neuen Heimat erleichtern. Dafür wirbt Imke Dirks, die sich selbst seit vielen Jahren in der Flüchtlingshilfe engagiert.

Zurzeit kümmern sich rund zehn Ehrenamtliche des Vereins um die Begleitung der Ankömmlinge, erzählt Dirks. Für die Erstorientierung suchen sie nun weitere Helfer. Mittlerweile sind zwei Familien in Bruchhausen-Vilsen eingetroffen. „Weitere erwarten wir in den kommenden Wochen“, kündigt der Verein an.

Wir wissen nicht, wann die afghanischen Ortskräfte kommen. Wir wissen nur, dass sie kommen.

Volker Kammann, Fachbereichsleiter Ordnungsrecht

Bisher nahmen Anne-Dore Winter und Renate Bienzeisler im Namen von „Lebenswege begleiten“ die Afghanen in Empfang. Winter und Bienzeisler sind seit der großen Flüchtlingswelle 2015/16 ehrenamtlich aktiv. Sie zählen zu den erfahrenen Begleiterinnen des Vereins, kennen sich aus mit der Bürokratie und erledigen die Aufgaben selbstständig, lobt Dirks.

Bei den Familien, die nun teilweise mit dem Flugzeug direkt aus Kabul (Afghanistan) oder Teheran (Iran) nach Deutschland eingereist sind, steht jede Menge Bürokratie an: Kita-Anmeldung, beim Jobcenter und Bürgerbüro anmelden, Konto eröffnen oder eine Sim-Karte kaufen, damit sie zu ihren Familien Kontakt halten können, zählt Dirks beispielhaft auf.

Daher seien ein „Formular-Fuchs“ hilfreich, „das sei aber kein Muss, in erster Linie steht die menschliche Komponente im Mittelpunkt“, so Dirks. Bei Formularen helfe der Verein.

Bei „Lebenswege begleiten“ sei jeder Ehrenamtliche ein Teil des Vereins, der sich engagieren wolle und nicht aus Dankbarkeit. „Man ist dort nicht alleine, und befindet sich in einer Gemeinschaft“, sagt Dirks. Es gebe auch Asylbegleiter-Treffen und stets Ansprechpartner.

„Die Familien kommen ohne einen Cent“, sagt Dirks, Sie seien froh, dass sie in Sicherheit sind und dankbar, dass sie in der Samtgemeinde aufgenommen wurden.

Wie viele afghanische Ortskräfte noch in die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen kommen werden, stehe nicht fest, sagt Volker Kammann, Fachbereichsleiter Ordnungsrecht. „Wir wissen nicht, wie viele kommen“, so Kammann weiter und ergänzt: „Wir wissen nicht, wann die afghanischen Ortskräfte kommen. Wir wissen nur, dass sie kommen.“

Die Verwaltung kenne nur die Vorgaben des Landes Niedersachsen zur Aufnahme von Migranten aus dem Ausland, und die Zahl orientiere sich an einer festgelegten Aufnahmequote.

Aktuell muss die Samtgemeinde 42 Menschen aufnehmen. Die vorläufige Zahl, die sich jederzeit ändern könne, gelte planerisch bis in das dritte Quartal 2022. Aktuell seien 31 Personen aufgenommen, also gebe es noch Kapazitäten für elf weitere.

Einwanderer begleiten

Wer Interesse hat, kann sich bei Imke Dirks unter Telefon 04252 / 9098324 melden.

Hintergrund: Afghanistan

20 Jahre lang hat die westliche Gemeinschaft das Land am Hindukusch modernisiert und dort eine auf dem Papier schlagkräftige Armee aufgebaut. Zum Erstaunen und Entsetzen vieler Beobachter haben sich die afghanischen Streitkräfte jedoch nahezu widerstandslos von den radikalislamistischen Taliban überrennen lassen. Die neuen Machthaber installieren seitdem eine konservative islamische Gesellschaft.

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