„Wir stehen auf“: Initiative sorgt sich um Gesundheit, Tierwohl und ihre Heimat / Landwirt Eckebrecht kann Bedenken nicht nachvollziehen

Bürger kämpfen gegen geplanten Schweinestall

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Diese Bürger aus Arbste und Altenfelde kämpfen gegen den neuen Schweinestall in Arbste.

Arbste - Von Mareike Hahn. Noch steht der neue Stall nicht, aber etwa 20 Anwohnern aus Altenfelde und Arbste ist der Appetit auf Schweinefleisch bereits gründlich vergangen. Sie haben die „Asendorfer Bürgerinitiative gegen Massen-Tierhaltung“ gegründet und wollen verhindern, dass der Kampsheider Landwirt Michael Eckebrecht am Arbster Weg eine neue Anlage baut. Den entsprechenden Bauantrag hat Eckebrecht beim Landkreis eingereicht (wir berichteten). Sein Vater Horst kann die Aufregung nicht verstehen: „Die Argumente der Bürgerinitiative sind einfach zu entkräften.“

In Arbste soll laut Horst Eckebrecht eine Anlage für 1000 Sauen mit Ferkelplätzen entstehen. Die Zahl von 800 Sauen, die der Kreis Diepholz dieser Zeitung genannt hatte, sei falsch. Vorgesehen seien Plätze für 800 tragende Sauen sowie Abferkelbuchten für 200 weitere. Und zwar in zwei Gebäuden: Michael Eckebrecht plant nach Angaben seines Vaters einen 91 Meter langen und 61 Meter breiten Stall sowie einen mit den Maßen 77 mal 48 Meter. Das dafür vorgesehene Grundstück, eine alte Hofstelle, habe die Familie schon vor einiger Zeit gekauft. Vier neue Arbeitsplätze solle es geben.

Die Pläne versetzen einige Anwohner in große Aufruhr. „Wir wollen die Belastung und Belästigung nicht hinnehmen“, sagt Elke Hübner. Und Heide Strangmann ergänzt: „Wir stehen auf und tun was.“ Die Liste ihrer Argumente ist lang. So befürchten sie, dass ihnen der Stall schnell – im wahrsten Sinne des Wortes – stinken könnte. Auch den sicher zunehmenden Verkehrslärm und die Umweltbelastung wollen die Bürger nicht hinnehmen. Und sie haben Angst vor Antibiotika-resistenten MRSA-Keimen. „Die Keime werden über die Luft verbreitet, und keiner weiß, wozu das führt“, sagt Strangmann. Sie hat sich in das Thema eingelesen und erfahren, dass jeder fünfte MRSA-Keim in Niedersachsen aus der Landwirtschaft stammen soll.

„Da wird was interpretiert, was gar nicht da ist“, kontert Horst Eckebrecht. Es gebe „weltweit 30, 40, 50 Studien“ mit dem Ergebnis, dass nur fünf bis acht Prozent der MRSA-Keime aus der Nutztierhaltung stammten. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass der neue Stall – wie gesetzlich vorgeschrieben – eine Abluftreinigungsanlage haben werde. „Auf dem vorgesehenen Grundstück gab es bisher 280 Mastplätze, die Anlage wurde bis Februar betrieben. Die Sauen, die dort bis dahin gehalten wurden, haben ohne Abluftfilterung mindestens so viele Emissionen verursacht wie unser neuer Stall mit der Filterung.“ Die alten Gebäude seien allesamt außer Betrieb gesetzt, die neue Anlage werde mit moderner Technik ausgestattet. „Bei den Nachbarn kommen laut Gutachten so gut wie keine Emissionen an“, sagt Eckebrecht.

Große Sorgen machen sich die Stallgegner auch um ihre Heimat. „Altenfelde ist so ein schöner, gepflegter Ort“, sagt Hübner, die nach eigenen Angaben etwa 300 Meter entfernt von dem betroffenen Grundstück zuhause ist. „Wir leben hier in einem Wohn- und nicht in einem Bauerngebiet.“ Hübner und ihre Mitstreiter befürchten, dass ihre Immobilien durch den neuen Stall stark an Wert verlieren könnten: „Wenn man das alles nicht mehr erträgt, kann man nicht mal mehr sein Haus verkaufen“, sagt Hübner.

Horst Eckebrecht bewertet die Lage anders: „In Altenfelde stehen überall alte landwirtschaftliche Betriebe, die umgenutzt wurden zu Wohnbauten“, sagt er.

Die Bürgerinitiative hat kein Verständnis für den Bau eines weiteren Schweinestalls: „Wir haben in Deutschland ohnehin schon eine Überproduktion und exportieren Schweine sogar nach Asien“, sagt Hübner.

Das sieht Horst Eckebrecht anders: „Neun Millionen Ferkel werden pro Jahr aus Holland und Dänemark importiert“, sagt er. „Unsere 1000 Sauen sollen jeweils 30 Ferkel pro Jahr zur Welt bringen. Das macht 0,3 Prozent des Importbedarfs von Deutschland.“ Sein Sohn wolle die Ferkel an Mäster im Umkreis von 20, 30 Kilometern abgeben, die derzeit ihre Tiere in weiterer Entfernung kaufen müssten: „Der Bedarf ist da.“

Das Tierwohl ist ebenfalls ein Thema, mit dem sich die Stallgegner befassen: „Jeder, der Fleisch im Supermarkt kauft, müsste vorher durch den Stall gehen“, sagt Stefan Hast. Frank Deneke zieht einen Vergleich: „Das wäre, wie wenn ganz viele Kinder auf einem Haufen leben müssten, und jedes hätte nur einen Quadratmeter Platz und kein Spielzeug.“

Auch diese Bedenken teilt Horst Eckebrecht nicht: „Selbst Grünen-Politiker geben zu: Je neuer und moderner ein Stall ist, desto tierfreundlicher.“

Die Bürgerinitiative will mit verschiedenen Aktionen gegen den geplanten Stall protestieren. „Unser Ziel ist, dass Herr Eckebrecht seinen Bauantrag zurückzieht“, sagt Strangmann. Dieser Wunsch dürfte unerfüllt bleiben: „Wir haben da schon so viel Geld reingesteckt, warum sollten wir?“, fragt Horst Eckebrecht. „Bis zur Genehmigung wird uns das Ganze schon 100000 Euro gekostet haben. Wir hoffen, dass wir im Frühling anfangen können zu bauen.“

Die Bürgerinitiative ist per E-Mail an asendorfer@web.de erreichbar.

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