1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Bruchhausen-Vilsen

Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen und „Lebenswege begleiten“ bereiten sich auf Kriegsflüchtlinge vor

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Anne-Katrin Schwarze

Kommentare

Eine Gruppe Menschen bei Nacht auf einem Parkplatz
Ein gutes Dutzend Frauen und Kinder nehmen die Uenzer Helfer von der Grenze gen Westen mit, nachdem sie Hilfsgüter aus ihren Fahrzeugen abgeladen hatten. © Stefan Jacob

Samtgemeinde – Müde, erschöpft, berührt von vielen Eindrücken, aber gesund und unversehrt sind in der Nacht zu Freitag die sechs Teilnehmer des spontanen Hilfstransport um Stefan Jacob und Heinrich Henke von der polnisch-ukrainischen Grenze zurückgekehrt. Auf dem Rückweg haben sie in ihren Fahrzeugen 17 Flüchtlingen Platz angeboten, um gen Westen reisen zu können. Sechs von ihnen halten sich jetzt in der Samtgemeinde auf. Die ersten einer nicht abzusehenden Anzahl von Menschen, die in Asendorf, Bruchhausen-Vilsen, Martfeld und Schwarme Zuflucht suchen werden, muss man annehmen. „Wir sind vorbereitet“, informiert Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann am Freitag.

Mit seinem Team im Rathaus habe er ausgelotet, was die Kommune derzeit leisten kann. Der Samtgemeindeausschuss, die politische Führung, habe einem Maßnahmenpaket so einstimmig wie geschlossen zugestimmt. Mit im Boot ist auch wieder der Verein „Lebenswege begleiten“, berichtet er in einem Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir stehen gerne zur Verfügung, Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen Obhut zu geben“, betont Bormann den Standpunkt der Kommune. Dass das im Moment aber ohne Rückendeckung, sprich Vorgaben durch Bund oder Land geschehen müsse, finde er allerdings ärgerlich. „Ein koordiniertes Verfahren würde vieles leichter machen“, meint der Verwaltungschef.

In Abstimmung mit der Politik greift Bernd Bormann auch in dieser Ausnahmesituation auf das krisenerprobte Team aus dem Ordnungsamt zurück. Andreas Schnichels und seine Kollegen haben die Administration übernommen. Wo gibt es Wohnraum, wer kommt für Kosten auf – Fragen dieser Art klärt die Verwaltung.

„Wir können es aber nicht leisten, Frauen und Kinder darüber hinaus zu betreuen“, sagt er in aller Deutlichkeit. Da kommt – wieder einmal – der Verein „Lebenswege begleiten“ ins Spiel. Obwohl sich die Umstände der Flüchtlingsströme seit 2015 und jetzt unterscheiden, kann der Verein auf viel Erfahrung zurückgreifen, was nötig ist, wenn Menschen nur mit dem Nötigsten in der Hand in einem fremden Land ankommen.

„Wir suchen Menschen, die uns vor allem mit Zeit unterstützen können“, wirbt Imke Dirks, eine der Hauptamtlichen des Vereins, um ehrenamtliche Helfer. Wer Ukrainisch oder Russisch spricht und beim Übersetzen helfen kann, sei besonders willkommen. Aber auch Personen, die sich und ihr Fahrzeug für Fahrdienste zur Verfügung stellen möchten, werden gebraucht, für Fahrten zu Ärzten oder Behörden. Was genau auf die Samtgemeinde in den nächsten Tagen und Wochen zukommt, weder Bernd Bormann noch Imke Dirks können das annähernd einschätzen. „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass der Krieg jeden Tag zu Ende sein wird“, sagt die Integrationsbeauftragte, stellt sich aber zunächst darauf ein, dass Flüchtlinge auch in die Samtgemeinde kommen werden. „Jeder Einwohner, der uns seine Hilfe anbietet, für den werden wir auch eine Aufgabe haben“, sagt Imke Dirks über die noch unüberschaubare Situation.

„Trotz Abebben der Flüchtlingswelle aus Syrien, trotz Abebben der Impfkampagne haben wir unsere tatkräftigen Strukturen beibehalten und können sie jetzt problemlos aktivieren“, ergänzt sie. Dass die Samtgemeinde sich auch in dieser Frage frühzeitig um eine pragmatische Lösung bemühe, freue sie. „Das macht unsere Gemeinde gut“, ist ihr wichtig zu sagen.

„Wir nehmen an, dass Flüchtlinge zu uns kommen, weil sie hier Zuflucht bei Familien und Freunden finden können“, sagt Bernd Bormann. Einige Menschen haben bereits über persönliche Kontakte hinaus Wohnungen für Flüchtlinge aus der Ukraine angeboten. Wer Wohnraum zur Verfügung stellen kann, möge sich melden, ruft er die Bevölkerung auf. „Alle Angebote und Anfragen werden im Rathaus aufgenommen und koordiniert“, informiert er. Für Miet- oder/und Nebenkosten sowie eine Grundausstattung komme die Kommune auf, so die Verabredung mit dem Samtgemeindeausschuss. Von welcher Stelle die Samtgemeinde dieses Geld erstattet bekommt, spiele derzeit keine Rolle. „Das wird schon, ich setzte mindestens auf einen Schulterschluss mit dem Landkreis“, führt Bernd Bormann aus.

Wer Flüchtlinge über private Kontakte oder Initiativen in die Samtgemeinde holt, den bittet die Verwaltung dringend, sich vorab zu melden (siehe Kasten), damit die Hilfsangebote beizeiten vorbereitet werden können.

Auch im Sozialamt habe er Vorsorge getroffen, dass „ukrainische Flüchtlinge gegebenenfalls Unterstützung bekommen, damit sie ihren Alltag vernünftig ausgestalten können“, stellt Bernd Bormann den Stand der Dinge dar. Wie dieser Alltag funktioniert, organisieren und koordinieren die Ehrenamtlichen aus dem Umfeld von „Lebenswege begleiten“.

Sachspenden dagegen können weder das Rathaus noch der Verein annehmen oder koordinieren, betont Bernd Bormann, „dafür stehen die bekannten Hilfsorganisationen mit bewährten Strukturen bereit“.

Ab Montag sind alle lokalen Ansprechpartner zu den üblichen Zeiten persönlich zu erreichen, bis dahin und darüber hinaus kann man Hilfe per Mail anbieten (siehe Kasten).

Ansprechpartner:

Im Rathaus, unter anderem für Wohnraumangebote: Andreas Schnichels E-Mail: andreas.schnichels@bruchhausen-vilsen.de, Telefon: 04252/391-217; Niklas Reich, E-Mail: niklas.reich@bruchhausen-vilsen.de, Telefon: 04252/391-108. Für Alltagshilfe und Integration: Verein „Lebenswege begleiten“, Imke Dirks, E-Mail: imke-dirks@lebenswege-begleiten.de, Telefon: 04252/909 8324

Information zur aktuellen Lage und zu Hilfsmöglichkeiten:

https://www.mi.niedersachsen.de, Unter Themen, Ausländerangelegenheiten, Übersicht stehen Infos zur Ukraine https://ukraine.lnob.net/engagieren/
zur Vermittlung von Unterkünften: unterkunft-ukraine.de

Sach- und Geldspenden:

Die Kleiderstube des DRK in der Sulinger Straße versorgt Flüchtlinge bei Bedarf kostenfrei mit Kleidung. Leiterin Ingeburg Sandvoß bittet jedoch, dort keine Spenden für Flüchtlinge abzugeben. „Wir sind gut ausgestattet und melden uns, wenn wir Bedarf absehen“, sagt sie. Das Sozialkaufhaus der Awo war Freitag nicht zu erreichen, bittet aber grundsätzlich, keine Sachspenden außerhalb der Öffnungszeiten vor die Tür zu stellen. Aktion Deutschland Hilft für Geldspenden an das Bündnis mehrerer deutscher Hilfsorganisationen: www.aktion-deutschland-hilft.de

Auch interessant

Kommentare