Beitrag auf Facebook sorgt für Erstaunen in der Samtgemeinde

„Wir haben kein Rechtsextremismus-Problem“

Bruchhausen-Vilsen - Ein Beitrag auf der Facebookseite „Bruchhausen-Vilsen. Früher und heute“ sorgte am Ostermontag für Erstaunen in der Samtgemeinde. Dort stand: „Am 10. Dezember 2015 gab es einen Angriff auf ein von Flüchtlingen bewohntes Haus in Bruchhausen-Vilsen. Die Polizei ermittelt wegen ,politisch motivierter Kriminalität – rechts‘.“ Ein Administrator der Seite „Bruchhausen-Vilsen. Früher und heute“ hat den Beitrag inzwischen gelöscht.

„Wir wissen von nichts“, erklärte gestern Ingo Rahn von „Lebenswege begleiten“ auf Nachfrage. Der Bruchhausen-Vilser Verein kümmert sich seit fast einem Jahr um die Flüchtlinge in der Samtgemeinde.

Auch dem Ordnungsamt war der Vorfall nicht bekannt. „Ich habe mit großem Erstaunen den Facebook-Post zur Kenntnis genommen“, sagte Ordnungsamtsleiter Volker Kammann. Er wisse augenblicklich von keinem Angriff auf eine Flüchtlingsunterkunft in der Samtgemeinde. Er schloss nicht aus, dass die Polizei mehr wisse.

Die Beamten klärten gestern den Sachverhalt auf. Arno Zumbach, Pressesprecher der Polizeiinspektion Diepholz, berichtete, dass am 10. Dezember jemand in ein Einfamilienhaus am Marktplatz eingebrochen sei, das gerade für den Einzug von Flüchtlingen vorbereitet wurde. Zum Zeitpunkt der Tat habe keiner in dem Haus gewohnt. Der Täter habe eine Scheibe zerstört und im Inneren randaliert. Es habe sich um Vandalismus gehandelt. „Wir gehen nicht von einer politisch motivierten Tat aus. Für uns war das ein Einbruch“, sagte Zumbach. Er betonte, dass der Landkreis Diepholz kein Rechtsextremismus-Problem habe. Diese Aussage bestätigte Volker Kammann: „Ich kann nicht behaupten, dass wir ein Rechtsextremismus-Problem haben.“

Seite „Mut gegen Rechte Gewalt“

Woher der Nachrichtenschreiber seine Erkenntnisse habe, erschließe sich Kammann nicht. Der Ersteller der Nachricht veröffentlichte auch Folgendes: „Allgemein ist zu beobachten, dass rechte Aktivitäten in der Samtgemeinde zunehmen. So wurden im Mai 2015 an mindestens zwei Wochenenden mehrere dutzend Aufkleber der rechtsextremen NPD verklebt. Über Pfingsten tauchten in Bruchhausen-Vilsen, insbesonders im Bereich des Schulzentrums, rechte verschwörungstheoretische Flugblätter auf. Gehetzt wurde unter anderem gegen Refugees und indirekt gegen Menschen jüdischen Glaubens. Auffällig ist, dass sich diese Aufkleber nicht nur am Schulzentrum konzentrierten, sondern fast überall (vorallem an Bushaltestellen) in den Gemeinden inklusive Engeln, Asendorf und Süstedt auftauchten.“ An die Aufkleber könne er sich erinnern. Aber das sei eine einmalige Aktion gewesen, berichtete Kammann.

Der Ersteller der Nachricht ist augenscheinlich Anhänger der Antifa. Seine Gesinnung macht er auf Facebook anhand von Fotos sehr deutlich. Ob der Erzeuger der Nachricht aus Bruchhausen-Vilsen kommt und ob seine Identität, die er bei Facebook angibt, stimmt, ist unserer Zeitung nicht bekannt.

Er bezieht sich auf jeden Fall auf die Internetseite „Mut gegen Rechte Gewalt – Das Portal gegen Neonazis“, auf dem sich Interessierte über flüchtlingsfeindliche Vorfälle in ganz Deutschland informieren können. Die Seite wird von der Berliner Amadeu Antonio Stiftung betrieben. „Das Ziel der Stiftung ist es, eine zivile Gesellschaft zu fördern, die anti-demokratischen Tendenzen entschieden entgegentritt“, heißt es auf der Homepage der Stifttung Amadeu Antonio. Auf der Seite „Mut gegen Rechte Gewalt“ sind Proteste gegen und Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte im vierten Quartal 2015 auf der Karte „Flüchtlingsfeindliche Vorfälle“ aufgelistet, auch der in Bruchhausen-Vilsen.

Nachdem die Samtgemeinde die Schäden am Haus am Marktplatz repariert hatte, zogen dort Ende Dezember Flüchtlinge ein. Das berichtete Dirk Meyer von der Verwaltung.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bilder: Freiburg gewinnen Hinspiel gegen Domzale

Bilder: Freiburg gewinnen Hinspiel gegen Domzale

Droht Venezuela eine Diktatur?

Droht Venezuela eine Diktatur?

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Beängstigender Hagel-Sturm: In Istanbul ging fast nichts mehr 

Beängstigender Hagel-Sturm: In Istanbul ging fast nichts mehr 

Meistgelesene Artikel

Auszeit auf der Lohne

Auszeit auf der Lohne

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

Kommentare