„Wir haben gut investiert“

Martfelder Führungstrio sieht Erklärungsbedarf zu Behauptungen in Leserbriefen

Nicht Pepers Huus, versteckt hinter den Bäumen, ist für die Gemeinde interessant, sondern das große Grundstück mitten im Ort. Foto: Oliver Siedenberg
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Nicht Pepers Huus, versteckt hinter den Bäumen, ist für die Gemeinde interessant, sondern das große Grundstück mitten im Ort.

Martfeld - „Steuergelder müssen in dieser Krise sinnvoll eingesetzt werden“, forderte Claudia Krause aus Martfeld Anfang des Monats in einem Leserbrief zu geplanten Projekten in Martfeld. Heiko Jung aus Martfeld legte ebenfalls in einem Leserbrief nach: „Hier werden gerade unsere finanzielle Handlungsfähigkeit und die Zukunft des Dorfes mit Träumereien aufs Spiel gesetzt“, schrieb er Mitte April. „Leider ist in den Beiträgen einiges falsch dargestellt“, antwortet Michael Albers.

Gemeinsam mit Bürgermeisterin Marlies Plate von den Grünen und Torsten Tobeck von der Unabhängigen Liste Martfeld (ULM) bildet der SPD-Fraktionsvorsitzende und stellvertretende Bürgermeister den Verwaltungsausschuss, quasi das Kabinett des Ortes. „Wir gehen nicht leichtsinnig mit dem Geld der Martfelder um“, erwidert Marlies Plate den Tenor beider Lesermeinungen. Da derzeit keine Ratssitzungen und damit auch keine Bürgerfragestunden stattfinden dürfen, wählt das Dreigestirn ein Gespräch mit der Redaktion, um zu den vielschichtigen Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Pepers Huus, Radwegebau, altes Pastorenhaus, Stührmühle, Theaterprojekt – in Martfeld tut sich gerade einiges. Nicht an allen Vorhaben sei der Rat beteiligt, schon gar nicht finanziell, sagen die Amtsinhaber. Während sie im Rat mitunter unterschiedlicher Meinung sind und diese auch engagiert vertreten, betonen sie bei diesem Treffen die Geschlossenheit des Rates zur Entwicklung, die Martfeld derzeit nehme.

„Müssen wir häufiger tagen? Sollten wir häufiger über den Stand der nicht-öffentlichen Beratungen informieren? Reichen öffentliche Sitzungen und öffentliche Bürgerinformationen nicht aus, um unsere Meinung deutlich zu machen?“ Die Bürgermeisterin zeigt sich enttäuscht, dass trotz der „transparenten Arbeit“ des Rates offenbar zahlreiche Falschinformationen kursierten. Dass die Gemeinde finanziell an der Umgestaltung von Kirsteins Hoff zu einem Theater beteiligt sei, sei eine davon.

Kirsteins Hoff – Die Gemeinde ist finanziell nicht beteiligt.

„Wir freuen uns über die Initiative des Vereins, der Rat könnte so etwas weder personell noch finanziell leisten“, sagt Michael Albers. „Namhafte Vertreter, die wissen, worüber sie reden“, hätten das Konzept vorgestellt. „Aber sie haben nicht nach einem einzigen Cent von der Gemeinde gefragt“, erinnert Torsten Tobeck. Ähnlich sei der Sachstand zum alten Pastorenhaus: Die Finanzierung sei geklärt, die Gemeinde daran nicht beteiligt. „Das ist in der öffentlichen Informationsveranstaltung auch deutlich geworden“, sagt die Bürgermeisterin. Und die Sanierung der Stührmühle sei ein rein privates Vorhaben.

Gerne habe die Gemeinde dem Theaterverein ihre ideelle Unterstützung zugesagt. „Möglicherweise können wir vermitteln, um für die schwierige Parkplatzsituation eine Lösung zu finden“, ergänzt Tobeck. Anzunehmen, die Gemeinde investiere dort 700 000 Euro, wie im Leserbrief suggeriert, sei schlicht falsch.

Bereits zugesagte Fördermittel vom Land, Bund oder der Europäischen Union für kulturelle oder strukturelle Vorhaben aufzurechnen mit Mitteln, die man während und nach der Corona-Krise beispielsweise zur Sicherung von Arbeitsplätzen verwenden könnte, basiere auf Unwissenheit. Möglicherweise gebe es in Zukunft weniger Fördermittel, weil die Mittel der Geldgeber auf andere Töpfe verteilt würden, so Michael Albers, doch die angekündigten Mittel für Martfelder Vorhaben seien davon nicht betroffen, erklärt er.

„Was wir nach Corona brauchen, ist Wirtschaftsförderung“, ist Albers überzeugt. Mit jedem Euro, der – auch in Martfeld – investiert werde, leiste auch die Kommune diese Wirtschaftsförderung, ist seine Meinung. „Die Welt dreht sich weiter, auch in Martfeld“, kommentiert er die Vorschläge aus den Leserbriefen, das Geld jetzt anders eingesetzt sehen zu wollen.

Die 360 000 Euro, die der Rat für „Pepers Huus“ ausgegeben habe, halte er für eine solche Investition. Das Haus sei dabei weit weniger interessant als das 10 000 Quadratmeter große Grundstück mitten im Ort. „Wir wünschen uns eine Erweiterung des Edeka-Marktes“, sagt Torsten Tobeck im Namen des Rates. „Niemand will, dass wir Edeka im Ort verlieren“, spinnt Michael Albers den Gedanken weiter.

Dass der Kauf von einigen als unsinnig bewertet werde, weil sich seit zwei Jahren augenscheinlich nichts tue, könne die Bürgermeisterin nachvollziehen. „Wir sind umtriebig, im Hintergrund läuft vieles“, versichert Tobeck. Ähnlich wie bei anderen Projekten, könne aber nicht jeder Verhandlungsschritt öffentlich gemacht werden. „Wir haben gut investiert und werden in Sachen Pepers Huus finanziell positiv dastehen“, ist er überzeugt.

Am Beispiel der Flurbereinigung Hustedt zeigen die Mitglieder des Verwaltungsausschusses auf, wie sich ein Gemeindeanteil an öffentlichen Projekten für den Ort auswirken könne. Mit einer Viertelmillion und damit zu 15 Prozent sei Martfeld an den Gesamtkosten beteiligt. „Wir generieren also insgesamt eine Millioneninvestition.“ Dass dieses Geld nach Hustedt, in einem anderen Fall nach Kleinenborstel gehe, sehen sie dabei nicht als Förderung oder Benachteiligung einzelner Ortsteile, sondern als Investition in die Gemeinde Martfeld, betonen sie.

Dass Ratsentscheidungen nicht immer die Zustimmung aller Bürger fänden, gehöre zu demokratischen Prozessen, sagt Michael Albers in Bezug auf das im Leserbrief von Heiko Jung angesprochene Eventcenter. Zweimal habe sich der Rat damit befasst, zweimal mehrheitlich den Beschluss gefasst, den Bebauungsplan nicht ändern zu wollen. „Wir haben uns jahrelang damit beschäftigt und sind zu einem Ergebnis gekommen, das wir gemeinsam tragen“, sagt Albers zum Vorwurf, die Gemeinde könne dort „ganz einfach“ tätig werden.

Dass sie, wie Heiko Jung ankündigt, ob ihrer Entscheidungen möglicherweise nicht wiedergewählt würden, warten alle drei Verantwortungsträger gelassen ab, sagen sie übereinstimmend. „Wir gehen nicht leichtsinnig mit Geld um“, ist Marlies Plate wichtig, festzuhalten. „Niemand will, dass hier etwas den Bach runtergeht“, sagt Torsten Tobeck. „Es ist schade, dass uns niemand auf diese Punkte angesprochen hat“, meint Michael Albers. Wie die anderen auch, hätte er gern persönlich auf einen möglichen Gesprächs- und Erklärungsbedarf reagiert. „Man kennt sich doch, wir sind doch ansprechbar“, habe er angenommen.

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