„Wir brauchen die gelebte Gleichbehandlung“

Gleichstellungsbeauftragte Christine Schröder seit zehn Jahren im Amt

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Christine Schröder berät rund 40 bis 50 Bürger im Jahr.

Samtgemeinde - Im Grundgesetz steht „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ (Artikel 3, Absatz 2). „Die gesetzliche Gleichberechtigung haben wir, aber die gelebte Gleichbehandlung brauchen wir noch“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, Christine Schröder.

Sie ist seit zehn Jahren im Amt. Schröder gehört einem Netzwerk von 16 Frauen im Landkreis an, jeweils sieben von ihnen arbeiten haupt- oder nebenamtlich, zwei ehrenamtlich. Angefangen hat Schröder 2007 ehrenamtlich, vier Jahre später ist die Aufgabe der Gleichberechtigung in Bruchhausen-Vilsen zum Nebenamt geworden, sie nimmt fünf Stunden in der Woche ein. 

„Der Schwerpunkt liegt auf der Beratung“, sagt sie. Zusätzlich ist Schröder 25 Stunden pro Woche in der Familien- und Sozialberatung im Rathaus tätig. „Das lässt sich gut kombinieren“, sagt sie. Damit deckt sie auch die Bereiche Trennung, Scheidung und häusliche Gewalt ab.

Die Themen der Gleichstellung seien in den zehn Jahren größtenteils dieselben geblieben: Wiedereinstieg in den Beruf, Existenzgründung, Arbeitslosigkeit, Existenzprobleme, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Integration. „Das ist spannend, dass sich das in den Jahren nicht groß verschoben hat.“ Doch sie weiß, dass Gleichstellung ein langer Prozess ist. Gut, dass Schröder eine Feministin mit langem Atem ist, wie sie selbst über sich sagt.

In zehn Jahren Besuch von zwei Männern

Früher hieß die Gleichstellungsbeauftragte Frauenbeauftragte, obwohl sie gar nicht nur für Frauen da war, die sich ungerecht behandelt fühlen. Es kamen in den zehn Jahren immerhin zwei Männer zu Schröder. 40 bis 50 Fälle betreut die 56-Jährige pro Jahr, überschlägt sie.

„Bei Frauen gibt es einen vorprogrammierten Break“, sagt Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann. Und zwar durch das Kinderkriegen. „Ich glaube, dieser Break macht auch einen Karrierecut“, fügt Schröder an. Daher bleibe der Wiedereinstieg in den Beruf ein wichtiges Thema, aber auch die Vereinbarkeit mit dem Job. „Wir haben in der Samtgemeinde absolut flexible und großartige Angebote zur Kinderbetreuung. Die wurden in den letzten zehn Jahren extrem ausgebaut“, sagt die Asendorferin.

„Wir arbeiten daran, dass die Chancen für alle gleich sind“, sagt Schröder. Als Beispiel für einen großen Handlungsbedarf nennt sie Kindertagesstätten. Dort arbeiten noch immer sehr wenig Männer. Dass es klappen kann mit der Gleichstellung, belegt sie mit einem anderen Beispiel: In Bruchhausen-Vilsen ist mit Cattrin Siemers (Ressortleiterin Bildung im Rathaus) eine Frau Allgemeine Vertreterin des Samtgemeindebürgermeisters, „das ist in einer Kommune nicht so oft der Fall“, sagt Schröder.

Nummernschild als Alibi

Auch das Thema Integration gehöre zur Gleichstellung. Schröder arbeitet in der Beratung mit Geflüchteten oft mit Dolmetscherinnen. „Ich habe ganz viel mit selbstbewussten Flüchtlingsfrauen zu tun“, sagt die Sozialpädagogin, aber es gebe ebenso zurückhaltende. Früher kamen häufig Frauen zu ihr, die ein Nummernschild bei sich hatten. Der Hintergrund: Für sie sei es einfacher, so zu tun, als wären sie für die Kfz-Anmeldung ins Rathaus gekommen als für eine Beratung, erklärt Christine Schröder.

Gleichstellungsbeauftragte kann in Niedersachsen nur eine Frau werden. Sie berät und unterstützt Verwaltung und Rat darin, „gleichstellungspolitischen Handlungsbedarf innerhalb der Kommune zu erkennen und Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts abzubauen“, heißt es in einer Broschüre der Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte.

Apropos: Auch in der Kommunalpolitik beobachtet Schröder eine positive Entwicklung. „Hier gibt es einen stetig ansteigen Teil an Frauen“, sagt sie. „Als ich angefangen habe, waren es 14 Prozent.“ Seit der jüngsten Kommunalwahl liegt der Anteil der Ratsfrauen in der Samtgemeinde bei 21 Prozent.

Ein Jahr in Lokalpolitik schnuppern

Für den Einstieg bietet das Land sogenannte Mentoring-Programme an, bei denen eine interessierte Frau ein Jahr lang in die Lokalpolitik reinschnuppert. Dafür begleitet sie eine Politikerin oder einen Politiker.

Mit Blick auf die Zukunft sagt Schröder: „Der demografische Wandel wird uns weiter beschäftigten.“ Auch das Thema Frauenarmut wird eine Rolle spielen, die Gefahr, nicht von der Rente leben zu können. Also geht es nicht mehr nur um die Frage „Wie komme ich zurück in den Beruf“, sondern auch um die Frage „Was ist eigentlich, wenn ich nicht mehr im Beruf bin?“. vik

Christine Schröder bietet dienstags von 15 bis 18 Uhr eine offene Sprechstunde im Rathaus (Lange Straße 11) an. Weitere Termine sind nach Vereinbarung möglich unter Telefon 04252/391116 sowie per E-Mail an christine.schroeder@bruchhausen-vilsen.de.

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